00:53 17 Dezember 2018
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    Ein Journalist (Symbolbild)Großbritanniens Soldaten (Archiv)

    London in Panik: In Ukraine tätige britische Spezialkräfte von Russen ausspioniert?

    CC0 © AFP 2018 / MAURICIO LIMA
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    Der Korrespondent Timur Sirasijew des russischen TV-Senders „Perwy Kanal“ in London wird nach seinem Bericht über das Hauptquartier der 77. Brigade Großbritanniens, die Medien zufolge an Einsätzen in der Ukraine beteiligt ist, beschuldigt, ein „TV-Spion“ zu sein.

    Der Journalist meldet sich nun bei Sputnik zu Wort und bestreitet jede Schuld. 

    Bericht in der „Daily Mail“

    Die britische Zeitung „Daily Mail“ hatte zuvor behauptet, das Verteidigungsministerium des Königreiches hätte Warnungen an alle Stützpunkte auf der Insel verschickt, nachdem Sirasijew versucht hätte, auf das Gelände des Hauptquartiers der 77. Brigade heimlich einzudringen.

    Laut dem Boulevardblatt wurden Sirasijew und sein Kameramann Dmitri Wolkow am 21. November vor dem Zaun um das Gelände der 77. Brigade gesichtet. Wolkow soll im Auto auf dem Beifahrersitz gesessen und etwas aufgenommen haben.

    Darüber wurde sofort Verteidigungsminister Gavin Williamson höchstpersönlich benachrichtigt, und die Nachrichtendienste begannen ihre Ermittlung. Laut der „Daily Mail“ wurden Militärs verpflichtet, die Polizei zu verständigen, falls der russische Reporter unweit von Militärobjekten erscheinen sollte. Kontakte mit ihm wurden allerdings streng verboten. Die Zeitung verwies extra darauf, dass britische Militärs kein Recht haben, Personen festzunehmen, was der Polizei vorbehalten sei.

    Das brisante an dem Bericht der „Daily Mail“: Die Zeitung erwähnt in demselben Artikel, dass mehrere Gruppen der 77. Brigade sich derzeit in der Ukraine befänden. Dem Blatt zufolge übt die Einheit unter anderem Cyber-Angriffe auf terroristische Netzwerke aus, bekämpft Propaganda im Internet und nimmt an Aktionen teil, die gegen Piraterie und weitere im Darknet erfolgende rechtswidrige Tätigkeiten gerichtet sind.

    Sirasijews Bericht über eine mutmaßliche britische „Trollfabrik“ bei London,  sprich die 77. Brigade, wurde am 22. November im russischen Fernsehen ausgestrahlt.

    Zuvor hatte die britische Zeitschrift „Wired“ unter Berufung auf eigene Quellen mitgeteilt, dass die 77. Brigade der britischen Armee Desinformationen verbreitet und diverse „schmutzige Geschäfte“ durchführt, und zwar nicht im Namen der Militärs. Innerhalb der 77. Brigade gebe es mehrere Abteilungen, die die Gewohnheiten und Vorzüge des Auditoriums analysieren, insbesondere in sozialen Netzwerken. Sirasijew berief sich in der ausgestrahlten Sendung auf diesen Bericht, ohne jedoch etwas zu behaupten.

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    Sirasijews Version

    Sirasijew selbst erzählt, dass sich bei ihm am 1. Dezember ein Kollege von der „Daily Mail“ gemeldet habe. „Ich habe ihm gesagt, dass er sich an Moskau wenden müsste, falls er einen offiziellen Kommentar braucht. Ich stimmte aber zu, mit ihm zu sprechen, ohne dass unser Gespräch aufgenommen wird.“, so der Korrespondent. „Er sagte mir, sie würden einen Artikel schreiben, und heute habe ich ihn gelesen  und muss sagen: Was darin geschrieben steht, stimmt nicht ganz, genauer gesagt, stimmt gar nicht. Denn darin wird behauptet, Journalisten hätten versucht, auf das Gelände des Stützpunktes zu geraten. Das ist absolut nicht wahr – wir versuchten das gar nicht.“

    „Ich meldete mich bei der Kontrollstelle, stellte mich als Timur Sirasijew vom Sender ‚Erster Kanal‘ vor und sagte, dass ich mit Vertretern des Stützpunktes sprechen möchte. Zuvor hatte ich mich an den Pressedienst des Verteidigungsministeriums gewandt, aber keine Antwort bekommen“, so der Reporter gegenüber RIA Novosti und Sputnik. „Der Militär an der Kontrollstelle machte ein Foto meines Ausweises und sagte, dass sie nichts erzählen würden. Mein Kameramann blieb die ganze Zeit im Auto. Dann kehrte ich zurück, und es kam der Militär zu unserem Auto und fotografierte es.“

    Nach seinen Worten haben sie mit dem Kollegen tatsächlich ein paar Aufnahmen vor dem Stützpunkt gemacht, aber nicht heimlich, wie behauptet wird.

    „Wir haben ein Stand-Up aufgenommen, aber nicht auf dem Gelände des Stützpunktes, sondern nebenan – und nicht neben der Kontrollstelle, sondern etwas weiter. Und noch machten wir Aufnahmen, als wir unterwegs waren. Und das war auch keine Geheimaufnahme“, präzisierte Sirasijew.

    Zudem könne man den Stützpunkt nach seinen Worten nur bedingt als ein geheimes Objekt bezeichnen.

    „In ‚Wired‘ wurde die Grafschaft genannt, in der die 77. Brigade stationiert ist. Auch Wikipedia schrieb darüber – um die Brigade ausfindig zu machen, muss man keine Ermittlung durchführen. Wir haben einfach den erwähnten Artikel aus ‚Wired‘ genommen und ins Russische übersetzt und noch ein paar Kommentare bekommen“, so Sirasijew.

    Über unmittelbare Informationen zu den weiteren Handlungen des britischen Verteidigungsministeriums verfügt der Reporter nach seinen Worten nicht.

    Eine Sprecherin der Militärbehörde hat Sputnik auf die entsprechende Anfrage folgende Erklärung des Ministers Williamson zur Situation um Sirasijew und Wolkow zur Verfügung gestellt:

    „Wir legen enorm viel Wert auf die Sicherheit unserer Stützpunkte und Militärs. Wer eine fremde Person, deren Verhalten zudem besorgniserregend ist, auf dem Gelände eines Stützpunktes oder nebenan sieht,  hat sofort die Polizei zu verständigen“, heißt es in der Erklärung.

    Zur Professionalität der Kollegen

    „Jemand hat versucht, meine Facebook-Seite zu knacken – ich habe in der vorigen Woche eine entsprechende Benachrichtigung erhalten“, sagte der russische Reporter weiter. „Ich weiß nicht, ob diese beiden Fälle miteinander verbunden sind.“

    Darüber hinaus gab Sirasijew zu, dass es für ihn eine unangenehme Überraschung gewesen sei, dass die „Daily Mail“ seine persönlichen Daten veröffentlicht hatte.

    „In dem Artikel in der ‚Daily Mail‘ gibt es meine persönlichen Angaben: das Kfz-Kennzeichen und mein Foto mit meinem britischen Journalistenausweis. Aus meiner Sicht ist das wenigstens unprofessionell – das sind immerhin meine persönlichen Informationen. Wenn Briten über Menschen mit einer anderen Staatsangehörigkeit schreiben, blenden sie normalerweise deren persönlichen Informationen aus. Und meine Informationen sind jetzt allgemein zugänglich, und das ist nicht gerade angenehm. Ich habe mich an die Redaktion und an die Botschaft gewandt. Falls sich die Situation irgendwie weiterentwickelt, werde ich darüber mitteilen. Und sollte es irgendwelche Folgen geben, werde ich etwas unternehmen. Ansonsten werde ich einfach meine Arbeit weitermachen.“

    Zu den Anschuldigungen gegen  Sirasijew, er sei ein „TV-Spion“,  hatte die russische Botschaft in London Folgendes zu Wort gebracht: „Solche haltlosen Vorwürfe sind besorgniserregend. Die russischen Medien haben von britischen Behörden eine offizielle Erlaubnis erteilt bekommen, journalistische Arbeit zu verrichten“, betonte ein Sprecher der Botschaft. Die Veröffentlichung personenbezogener Daten russischer Journalisten, einschließlich persönlicher Dokumente und des Autokennzeichens sei beunruhigend.

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    Laut der russischen Botschaft gefährden die Handlungen Londons die Sicherheit russischer Bürger, abgesehen davon, dass sie eine empörende Verletzung der in zivilisierten Ländern angebrachten Normen darstellen.

    Der Vorfall sei ein „Teil der allgemeinen Kampagne britischer Behörden zur Errichtung ständiger Hindernisse für die Arbeit russischer Medien im Land“.

    „Viele unsere Journalisten beklagen sich über Probleme mit Visa, die Schließung von Konten in britischen Banken. Sie werden mit vielen unbegründeten Schikanen seitens der kontrollierenden Behörden konfrontiert“.

    Als Bespiel führte die Botschaft die Londoner Redaktion des Fernsehsenders RT an, die britische Behörden mehrmals zu schließen versucht haben. Nun habe die mediale Regulierungsbehörde Ofcom mehrere Klagen gegen RT unter dem Vorwand der angeblich „unausgeglichenen“ Berichterstattung erhoben.

    „Das sind offensichtlich weitere grobe Versuche, Druck auf die Redaktionspolitik des Senders auszuüben, der unter den Briten eine steigende Popularität als alternativer Standpunkt genießt“.

    Falls jedoch die Informationen der „Daily Mail“  über eine geheime britische Operation in der Ukraine richtig seien, sei dies ein „weiteres Element der erheblichen britischen Militärpräsenz in der Ukraine“, hieß es.

    Russland wisse seit längerem von der Entsendung von Fachleuten aus Großbritannien Bescheid, die den ukrainischen Militärs die Durchführung von Sonderoperationen gegen die Zivilbevölkerung von Donezk und Lugansk beibringen sollen.

    Ende November teilte der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson Pläne zur Verstärkung der Militärpräsenz in der Ukraine mit. Die russische Botschaft wies damals darauf hin, dass diese Absichten den Versuchen widersprächen, den Konflikt in der Ukraine auf Grundlage der Minsker Abkommen zu regeln.

    Die Hackergruppe „Anonymous“ berichtete im November unter Verweis auf eine „Menge” durchgesickerter Dokumente von dem britischen Projekt unter dem Namen „Integrity Initiative“, das von London zur Einmischung in innere Angelegenheiten europäischer Länder missbraucht wird.

    Laut dem russischen Außenminister, Sergej Lawrow, besteht die einzige Aufgabe des Projekts darin, Russland vor der Öffentlichkeit anderer Länder zu verleumden.

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    Tags:
    Spion, Cyber-Armee, Journalist, Sicherheit, Propaganda, Großbritannien, Russland, Ukraine