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    Toll! Bequeme Schuldzuweisung an Russland durch westlichen „Qualitäts“-Journalisten

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    Andreas Peter
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    © Foto : Screenshot

    Der Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch am Eingang zum Asowschen Meer war für die ARD Anlass in oberlehrerhaftem Ton zu fragen, „wie umgehen mit Präsident Putin?“, als sei Russlands Präsident ein ungehorsamer Schüler. „Anne Will“ war auch wieder Lehrstunde in westlicher Arroganz. Von einem Journalisten, der sich unvoreingenommen nennt.

    Die Welt kann manchmal so schön einfach sein. Vor allem wenn man Christoph von Marschall heißt. Der ist tatsächlich „Diplomatischer Korrespondent“ der Zeitung „Tagesspiegel". Von Diplomatie hat der Mann aber nachweislich keine Ahnung, sonst hätte er bei Anne Will nicht Sätze gesagt, die jedem echten Diplomaten Schauer des Grauens auf den Rücken gezaubert hätten:

    „Diese Sprache der Diplomatie, wo alle irgendwie ein bisschen Unrecht haben, damit macht man sich zum Komplizen der Rechtsbrecher."

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    Und Rechtsbrecher im Zusammenhang mit dem Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch zwischen Asowschem und Schwarzem Meer ist für Marschall, der nicht so sehr diplomatischer, sondern US-Korrespondent des Tagesspiegel war, natürlich zweifelsfrei der Russe, wie der Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag, Dietmar Bartsch, in einer sehr schönen Kurzerwiderung und zum Gefallen des Publikums herausarbeitete:

    „Dass da ein russisches Schiff das gerammt hat, ist doch unstrittig, das bestreitet ja nicht mal Russland. Die Frage ist, warum? Und wie sind die Schiffsverläufe gewesen, und da sagen sie, bei ihnen war das schon vor dem Auslaufen klar, der Russe ist schuld. So einfach ist die Welt nicht.“

    „Eskalation im Ukraine-Konflikt – wie umgehen mit Präsident Putin“, lautete der Titel der Sendung. Angeblich soll ja Deutschland in diesem Fall eine Vermittlerrolle zufallen. Doch der Politikwissenschaftler Herfried Münkler, der an diesem Abend eine wohltuende Stimme der Vernunft und des Realismus darstellte, erinnerte daran, was für einen Erfolg eines Vermittlers unabdingbar ist:

    „Ein Vermittler, Rolle, die Frau Merkel spielen muss, kann nicht wirklich vermitteln, wen er eine starke Vorstellung, das sind die Opfer und das sind die Täter, hat, dann muss er ein Urteil fällen und sehen, dass er es durchsetzen kann.“

    Durchsetzen will Christoph von Marschall, den man ebenso gut auch als Sprecher des Weißen Hauses oder irgendeines US-amerikanischen Think Tank an diesem Abend hätte ankündigen können, dass die Bundesregierung ihre Unterstützung für das Gaspipelineprojekt Nord Stream 2 widerruft, als hätte das etwas mit dem Zwischenfall in der Meerenge von Kertsch zu tun. Aber sei's drum. Wie verlogen Gegner der Pipeline wie Christoph von Marschall inzwischen agieren, zeigt sich daran, dass sie sich nicht entblöden, offensichtliche Unlogik und zugleich fremde Geschäftsinteressen zu propagieren.

    Nord Stream 2 wird auch gebaut, weil Russland sich unabhängiger von Transitrisiken durch die Ukraine und Polen machen will. Das gefährde das Transitentgelt für die Ukraine, schreien die Nord-Stream-2-Gegner. Die gleichen Leute schreien aber auch, Europa mache sich mit Nord Stream 2 zu abhängig von russischem Erdgas, wie auch Christoph von Marschall bei „Anne Will“ wieder zum Besten gab. Doch eines geht nur. Wenn die Ukraine weiterhin mit Transitentgelt rechnen können soll, wie im Übrigen vom russischen Präsidenten ja auch schon zugesichert, dann muss aber auch russisches Erdgas geliefert werden.

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    Doch mit Logik hat es der „Diplomatische Korrespondent“ des Tagesspiegels genauso wenig wie mit Diplomatie. Weshalb er ganz ungerührt und dreist die Flüssiggasinteressen der US-Fracking-Industrie in der Sendung als Alternative zum Besten gab. Eine solche Abhängigkeit geht natürlich in Ordnung. Und der Rechtsbruch gegenüber der Vertragsseite Russland kümmert Zeitgenossen wie von Marschall sowieso nicht, der zwar auch bei Anne Will von der Verteidigung der Herrschaft des Rechtes salbaderte, aber damit eben doch nur die freche Doppelmoral und die Doppelstandards des Westens meinte.

    Tags:
    Schuld, Diplomatie, Journalisten, Nord Stream 2, Wladimir Putin, Kertsch, Deutschland, Russland, Ukraine
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