02:45 14 Dezember 2018
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    Irans Präsident Hassan Rouhani in Shahrud (Archiv)

    „Immense Kriegsgefahr“: Irans Präsident droht mit Ölblockade am Persischen Golf

    © AP Photo / Iranian Presidency Office
    Politik
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    Paul Linke
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    Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat gegenüber den USA den Ton verschärft. Erneut droht er mit einer Blockade der Straße von Hormus, der wichtigsten Ölexportroute im Persischen Golf. Ein iranischer Rohstoff-Experte warnt vor den Auswirkungen eines solchen Schrittes. Folgen seien eine weltweite Energieknappheit und eine „immense Kriegsgefahr“.

    „Falls die USA eines Tages wirklich den iranischen Ölexport blockieren sollten, dann wird überhaupt kein Öl mehr am Persischen Golf exportiert“, warnte der iranische Präsident Dr. Hassan Rouhani am Dienstag bei einem Treffen in Shahrud.

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    Bereits im Sommer hatte Rouhani gedroht, dass der Iran im Fall amerikanischer Ölsanktionen die Straße von Hormus schließen und damit auch den Ölexport der arabischen Ölstaaten durch diesen Übergang vom Persischen Golf zum Golf von Oman blockieren könnte. Er bezeichnete die US-Sanktionen als „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran und unterstellte US-Präsident Donald Trump eine Politik der „Vernichtung des Irans“.

    Kriegsgefahr und Energieknappheit

    Die Warnung des iranischen Staatschefs müsse ernst genommen werden, sagt im Sputnik-Interview der Politologe Dr. Behrooz Abdolvand von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP): „Wenn ein Konflikt mit dem Iran aus den Fugen gerät, wird es den gesamten Nahen Osten betreffen.“

    Im Fall einer Blockade der Straße von Hormus wäre die Welt mit einer deutlichen Energieknappheit konfrontiert. Es würde zu starken Preisschwankungen auf dem Energiemarkt kommen. „Die gesamte Weltwirtschaft hängt von den Produkten aus dem Nahen Osten ab. Nehmen wir allein die 77 Millionen Tonnen Flüssiggas, die Katar jährlich exportiert. Diese sind wiederum für Wirtschaften wie China, Japan oder Korea extrem relevant“, erklärt Dr. Abdolvand.

    Zudem rechnet er mit einem immensen Anstieg der Kriegsgefahr in der Region. Doch der Nahe Osten werde einen Konflikt auf einer solchen Ebene nicht ertragen können, befürchtet der Geschäftsführer von „DESB Consulting“.

    „Diplomatischer Tanz“

    An einer solchen Eskalation hätte keine der Parteien ein Interesse – weder die Iraner noch die Amerikaner. „Das ist ein diplomatischer Tanz, eine diplomatische Verbalattacke und hat nichts mit den realen Verhältnissen zu tun“, beruhigt der Politikwissenschaftler. Weder die USA noch der Iran würden derzeit im Hinblick auf die derzeitige wirtschaftliche Situation Ölexporte blockieren können. Hier müsse man berücksichtigen, „dass zurzeit in den Vereinigten Staaten Gefahren für eine Stagnation herrschen und die Börse negativ auf die Wirtschaftslage reagiert“, bemerkt der aus dem Iran stammende Ökonom. Zudem würde vieles davon abhängen, wie die EU und andere Akteure sich in dem Konflikt verhalten. „Die Welt ist multipolar. Nur die Iraner und die USA können die Lage im Nahen-Osten nicht beeinträchtigen“, unterstreicht der DGAP-Rohstoffexperte Abdolvand.

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    US-Wirtschaftssanktionen gegen den Iran haben die Islamische Republik in eine Wirtschaftskrise gestürzt. Die Landeswährung Rial hat mittlerweile mehr als 60 Prozent an Wert verloren. Als wichtigste Einnahmequelle des Landes gilt der Ölexport. Sanktionen in diesem Bereich könnten die anfällige Wirtschaft des Landes stark treffen.

    Das komplette Interview mit Dr. Behrooz Abdolvand (DGAP) zum Nachhören:

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    Tags:
    US-Sanktionen, Erdöl, EU, Donald Trump, Hassan Rohani, Naher Osten, Iran, USA