01:18 17 Dezember 2018
SNA Radio
    Der Kölner Standort vom Bundesamt für Verfassungsschutz (Archivbild)

    Selen soll Verfassungsschutz-Vize werden: „Hiobsbotschaft“ für AfD und Kurden?

    © AFP 2018 / DPA/ Oliver Berg
    Politik
    Zum Kurzlink
    Paul Linke
    3114135

    Der Sicherheitschef von TUI mit türkischen Wurzeln, Sinan Selen, soll Vizechef des Verfassungsschutzes werden. Wegen seiner Herkunft schlägt ihm Hass von rechts entgegen. Aber auch von den Linken wird seine Personalie als „Hiobsbotschaft“ verstanden. Lob kommt unter anderem von den Grünen.

    Sinan Selen wurde in Istanbul geboren und ist in Köln aufgewachsen. Er studierte Jura, war für den Personenschutz von Kanzler Gerhard Schröder und Bundesinnenminister Otto Schily zuständig und war beim Bundeskriminalamt (BKA) für die Terrorabwehr zuständig. Inzwischen arbeitet er als Leiter der Konzernsicherheit beim Reiseunternehmen TUI. Als Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) soll er nun in den Staatsdienst zurückkehren. Nach Informationen von WDR, NDR und der „Süddeutscher Zeitung“ soll sich das Kabinett in der kommenden Woche mit der Personalie beschäftigen.

    „Verleumdung im digitalen Zeitalter“?

    Dass ein Kind türkischer Einwanderer an der Spitze einer deutschen Sicherheitsbehörde steht, hat es Medienberichten zufolge wohl noch nie gegeben. Im November wurden erste Meldungen über die neue Personalie im BfV veröffentlicht. Seit dem hagelt es Lob, aber auch heftige Kritik. Als „Verleumdung im digitalen Zeitalter“ bezeichnet die „Tagesschau“ gar den Shitstorm in den sozialen Medien und macht auf den inzwischen gelöschten Facebook-Eintrag des AfD-Bundestagsabgeordneten Johannes Huber aufmerksam. Dort schrieb er: „Muslim wird neuer Verfassungsschutz-Vize der BRD.“

    „Selbst wenn er es wäre, welchen Unterschied würde es machen?“, fragt die „Tagesschau“. Selen sei jedoch kein Muslim, seine Eltern seien säkulare Türken, die nach Deutschland gekommen waren, als ihr Sohn vier Jahre alt war. Er habe sich schon in Schulzeiten bei den Johannitern engagiert und sich der christlichen Lehre verbunden gefühlt. „Zu Weihnachten wird er mit der Familie in die Kirche gehen“, unterstreicht die „Tageschau“.

    Doch wie kam Huber zu dieser Behauptung? Bei einem telefonischen Interview habe Huber verunsichert gewirkt und darauf hingewiesen, dass er den Post bereits gelöscht habe. Leider könne er nicht mehr „im Detail nachvollziehen, ob ich es wusste oder vermutete“. Drei Mal poste er am Tag, und manchmal täten dies auch seine Mitarbeiter. Für ihn sei die Sache erledigt, zitierte das Magazin den Abgeordneten.

    „Verbindungsoffizier zu türkischen Behörden“

    Seine Ernennung dürfe zudem eine „Hiobsbotschaft“ für alle Linken türkisch-kurdischer Herkunft sein, kommentiert die linke Tageszeitung „Junge Welt“: Im Bundesinnenministerium sei er für die Terrorabwehr zuständig gewesen. „Für Anfang 2016 machte man ihn dort zum ‚Sherpa‘, einer Art Verbindungsoffizier zu türkischen Behörden. Die Bundesregierung begründete das damals mit der ‚dringenden Notwendigkeit‘, mit der Türkei im ‚Kampf gegen den Terrorismus‘ zu kooperieren…“

    Grüne und FDP erfreut über die Entscheidung

    Für eine „begrüßenswerte und erfreuliche Entscheidung“ hält der Grünenabgeordnete Konstantin von Notz die Auswahl. Selen würde viel Erfahrung mitbringen.

    ​Auch der FDP-Politiker Konstantin Kuhle findet die Personalie „geeignet“: „Ich wünsche Sinan Selen eine glückliche Hand als neuer Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz.“ Die extremistische Hetze gegen seine Person mache den Bundestagsabgeordneten traurig, teilte Kuhle auf Twitter mit.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    FDP, Die Grünen, Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), Verfassungsschutz, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Sinan Selen, Recep Tayyip Erdogan, Türkei