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08:29 20 Oktober 2019
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    Journalisten beim Gerichtshof in Vancouver nach der Festnahme der Huawei-Finanzdirektorin Meng Wanzhou

    Huauweia! Trumps Dolchstoß gegen China – eine Kriegserklärung?

    © REUTERS / David Ryder
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    Die Festnahme der Huawei-Finanzdirektorin Meng Wanzhou in Vancouver (Kanada) auf Antrag der USA hat heftige Reaktionen auf den Finanzmärkten ausgelöst: Investoren glauben mittlerweile nicht mehr an einen „Waffenstillstand“ im Handelskrieg zwischen den USA und China.

    Warum könnte dieser Zwischenfall tatsächlich schlimme Folgen haben?

    Was war passiert?

    Die „New York Times“ verwies auf den Umstand, dass die Top-Managerin des Smartphone-Herstellers, die übrigens die Tochter des Konzern-Gründers Ren Zhengfei ist, unmittelbar nach dem Treffen der Präsidenten Donald Trump und Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels in Argentinien festgenommen worden sei. In Peking behauptet man, weder von Washington noch von Ottawa eine offizielle Erläuterung zu den Gründen der Festnahme Meng Wanzhous bekommen zu haben.

    Laut westlichen Diplomaten geht es dabei um die Verletzung des antiiranischen Sanktionsregimes: Eine Huawei-Tochterfirma soll angeblich den Iran mit verbotener Ausrüstung versorgt haben.

    Das behauptete beispielsweise der US-Senator Ben Sasse, der sich bei den „kanadischen Partnern“ für Meng Wanzhous Festnahme bedankt hat.

    Chinas Außenministerium verlangte ihre unverzügliche Freilassung und warnte Washington vor einer neuen Eskalation des Handelskriegs.

    Die britische „Financial Times“ erwartet, dass dieser aggressive Schritt der Amerikaner zu einer wichtigen Belastungsprobe für beide Seiten wird, den die fragile „Waffenruhe“ zwischen Washington und Peking nicht verkraften werde.

    Domino-Effekt

    Nach der Verkündung der Festnahme der Huawei-Finanzchefin verzeichneten die US-Aktienmärkte am 6. Dezember einen Kursrutsch. Alle führenden Börsen-Indizes verloren etwa 1,5 Prozent ihres Wertes. Der S&P500-Einbruch war dermaßen intensiv, dass der Handel an der CME-Börse in Chicago ausgesetzt werden musste. Die Aktien aller High-Tech-Riesen (Apple, Netflix, Nvidia) verloren am Donnerstag an Wert.

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    Die turbulenten Ereignisse in Kanada hatten auch für die asiatischen und europäischen Börsen negative Folgen. Der Index Europe Stoxx 600 stürzte um 2,3 Prozent ein und erreichte damit seinen zweijährigen Tiefpunkt. Und der Hongkonger Index Hang Seng verlor sogar drei Prozent.  Die Verluste der Indizes NIKKEI (Japan) und KOSPI (Korea) beliefen sich auf jeweils 2,3 und 1,4 Prozent.

    Zweites Opfer

    Dabei will die „Financial Times“ aus eigenen Quellen erfahren haben, dass dies erst der Anfang einer neuen Offensive Washingtons gewesen sein könnte, das sich um die Eindämmung Chinas auf dem globalen High-Tech-Markt bemüht. Und dabei könnte gerade der Iran als Instrument eingesetzt werden.

    Denn ähnlich hatten sich die Amerikaner auch gegenüber dem anderen chinesischen Telekom-Riesen ZTE verhalten. 2016 hatten sie gegen diese Firma Sanktionen verhängt, weil diese angeblich US-Technologien an den Iran verkauft haben soll.

    ZTE akzeptierte damals eine Strafe in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar und entließ vier Top-Manager, die schuld daran gewesen waren. Weitere 35 Mitarbeiter wurden ebenfalls bestraft.

    Danach wurden die Sanktionen wieder aufgehoben, aber später stellte sich heraus, dass ZTE einer noch schärferen Strafe nicht entkommen konnte: Im April verhängte Washington ein siebenjähriges Verbot für den Verkauf von amerikanischen Zulieferteilen an ZTE.

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    Warnschuss

    Zugleich wurde auch offensichtlich, dass Washington nach dem „Abservieren“ dieser Telekom-Firma auch den noch größeren Konzern – eben Huawei – im Visier hat. Das „Wall Street Journal“ berichtete unter anderem, dass das US-Justizministerium „potenzielle Verstöße gegen die US-Sanktionen gegen den Iran durch Huawei ermitteln“ würde.

    Dass die Amerikaner Angst vor der chinesischen Konkurrenz haben, hatten sie eigentlich nie verheimlicht. Die US-Administration erklärte schon: Huawei wäre „eine Gefahr für die amerikanische Führung im Kampf um die Entwicklung von mobilen Technologien der Zukunft“. Aktuell ist Huawei der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt nach Apple und Samsung.

    Deshalb stellen viele Branchenkenner fest, dass Meng Wanzhous Festnahme nicht nur ein Schritt zur Behinderung der Expansion des chinesischen High-Tech-Riesen sei, sondern auch ein Warnsignal an alle anderen Länder, die es wagen sollten, US-Sanktionen zu ignorieren. Washington zeigt ganz deutlich, wie weit es gehen könnte, um alle zur Einhaltung der von ihm verhängten Restriktionen zu zwingen.

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    Tags:
    Sanktionen, aktienmarkt, Festnahme, Handelskrieg, Folgen, Huawei, Meng Wanzhou, USA, Kanada, China