02:00 16 November 2019
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    Der Moskauer OB Sergej Sobjanin

    Moskaus OB trifft sich mit Vertretern des europäischen Business

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    Politik
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    Im Blickpunkt standen die Entwicklung von Industrieparks und der Verkehrsinfrastruktur, Wohnungsbau, das Internet der Dinge, die Erhöhung der Parkgebühren sowie die Fragen, wozu Moskau so viele Gehwegplatten braucht und wann die Straßen im Winter sauberer werden.

    Das war das erste Treffen (10.12) eines Moskauer Bürgermeisters mit Vertretern der Assoziation des Europäischen Business (AEB) in den fast 25 Jahren ihres Bestehens. Die Mitglieder des Verbandes, die Hauptinvestoren in die russische Wirtschaft, haben großes Interesse an ehrgeizigen Projekten der russischen Hauptstadt gezeigt.

    Der Moskauer OB Sergej Sobjanin beim Treffen mit Vertretern der Assoziation des Europäischen Business (AEB)
    © Sputnik / Natalia Pawlowa
    Der Moskauer OB Sergej Sobjanin beim Treffen mit Vertretern der Assoziation des Europäischen Business (AEB)

    Der AEB gehören 500 Unternehmen an, die meisten haben Vertretungen in Moskau, das sich in den letzten Jahren grundsätzlich verändert habe, merkte der AEB-Vorstandsvorsitzende Johan Vanderplaetse an:

    “Die Stadt ist sicher, schön und freundlich geworden. Europäische Banken und Automobilhersteller, Einzelhandelsketten, Baustoffhersteller, Pharma-Konzerne und IT-Firmen machen erfolgreich Geschäfte in Moskau. Die Stadt hat einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, was von internationalen Ratings bestätigt wird. Solche Innovationen wie der Zentrale Eisenbahnring Moskaus und neue Verkehrsstraßen haben das Leben in der Stadt wesentlich erleichtert.”

    Sergei Sobjanin verwies darauf, dass 2014, nachdem die antirussischen Sanktionen in Kraft getreten seien, viele Ausländer befürchtet haben, dass das Licht in Moskau bald ausgehe und es auf den Straßen unsicher werde. Aber die Stadt habe sich Jahr für Jahr weiter entwickelt und die Einstellung änderte sich zum Besseren. Heute schreibe Moskau schwarze Zahlen bei einer großen Anzahl von wirtschaftlichen Kennwerten. Das Investitionsvolumen ins Stammkapital sei in den letzten sieben Jahren um mehr als 70 Prozent gewachsen.

    “Die Stadt, in der ein großer Konkurrenzdruck herrscht, bleibt attraktiv für ausländische Investoren. Europäische Firmen gehen ihren Weg trotz der EU-Sanktionen. In letzter Zeit beobachten wir eine Vergrößerung des Warenumsatzes und der Aktivität der europäischen Wirtschaft, die ein wichtiger Partner für Moskau ist. Ich muss sagen, dass Moskau im Moment keinen größeren Partner kennt, und der ist auch nicht in Sicht”, ergänzte der Bürgermeister.

    Die Visavis des OB stellten ihre Fragen auf Russisch. Viele von ihnen sind schon seit Jahren hier tätig und haben die Sprache gelernt. Einer der Teilnehmer namens Lück erzählte, wie er vor vielen Jahren erstmals nach Moskau gekommen sei und es überall viele Lücken gegeben habe. Heute sind er und andere Ausländer, die seit Jahren in Moskau ansässig sind, schon fast richtige Moskauer: sie möchten helfen, “diese wunderbare Stadt zu verbessern.“

    Die Geschäftsleute zeigten Interesse an der Entwicklung der Transportinfrastruktur: Es gibt in Moskau zu viel Verkehr, schädliche Autoabgase verschlechtern die Umwelt. Der Bürgermeister versicherte, dass die Moskauer Stadtverwaltung vorhabe, künftig auf hochtechnologische elektrisch angetriebene öffentliche Verkehrsmittel umzustellen. Außerdem werde auch das Carsharing weiter voranschreiten: “Ich bin der Meinung, dass wir in naher Zukunft das größte Carsharing-System in Europa haben werden“, so Sobjanin.

    Die Erhöhung der Parkgebühren im Stadtkern ist seit langem ein schmerzliches Thema. Laut Sobjanin ist diese Maßnahme keine Einnahmequelle, sondern sie reguliert die Zahl der Autos, die ins Stadtzentrum fahren. „Wenn die Parkgebühr niedrig wäre, würde es dort keine Plätze zum Parken geben.“ 

    Europäische Unternehmer interessierten sich auch für das sogenannte Renovierungsprogramm. Bis Ende 2018 werden etwa 10.000 Moskauer aus alten baufälligen Häusern in neue moderne Wohnungen kostenlos umgesiedelt. Das Bauvolumen sei sehr groß, auch ausländische Unternehmen dürften sich an den Ausschreibungen beteiligen, sagte das Stadtoberhaupt.

    Es ging auch nicht ohne Kritik ab. Wozu braucht Moskau so viel Gehwegplatten? – Das mache die Stadt attraktiv für die Einwohner und für Touristen, ist der Bürgermeister sicher. Eine Unternehmerin sagte, Moskau sei in der Regel eine saubere Stadt, aber wenn der Winter komme, würden die Straßen in einem Gemisch von Chemikalien und Schnee versinken. “Das ist mein Schmerz”, gestand Sobjanin. Aber ohne Chemikalien wäre Moskau schrecklichen Staus ausgesetzt und die Menschen würden riskieren, Verletzungen zu bekommen. Die Wissenschaftler der Lomonosow-UNI hätten ein chemisches Mittel entwickelt, dass für Umwelt, Autos und Schuhe weniger belastend sei.

    “Moskau liegt in einer solchen Klimazone, wo Temperaturschwankungen rund um null Grad Celsius ziemlich häufig der Fall sind: Bald taut es, bald gefriert es. Wir haben fast drei Monate lang keinen Sonnenschein. Um die Stimmung etwas zu heben, schaffen wir eine festliche Atmosphäre kurz vor Silvester und Weihnachten – beleuchten  die Fassaden, hängen Lichterketten auf, veranstalten Weihnachtsmärkte, eröffnen Eisflächen in den Stadtparks. Wenn die Moskauer Straßen früher zu Silvester verschandelt waren, so ist hier jetzt jede Menge los. Wir müssen die zentralen Straßen für den Fahrzeugverkehr sperren lassen, damit alle, die es wünschen, im Moskauer Stadtkern bummeln können.”

    Abschließend rief Sobjanin dazu auf, nicht nur Negatives zu sehen, sondern auch optimistisch zu sein, und wünschte allen frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr.

    Auf eine positive Atmosphäre während der Diskussion mit dem OB von Moskau wies im Gespräch mit Sputnik der österreichische Unternehmer Gerald Sakuler, Vorstandsmitglied des russischen Rates für nachhaltiges Bauen,  hin:

    „Hier wurde eigentlich sehr sachlich gesprochen, in einer vernünftigen Atmosphäre — und das war sehr positiv. Wir hatten noch nie so eine Veranstaltung, alles war nicht formell, sondern freundlich. Das, denke ich, ist ein schönes Signal an die Wirtschaftstreibenden hier in Moskau. In Österreich haben wir eine große Erfahrung, was ökologisches Bauen sauberer Städte betrifft. Da können wir viel dazu beitragen, um das Wissen zu transferieren“.

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    Tags:
    Treffen, Unternehmer, Oberbürgermeister, EU, Assoziation der europäischen Geschäftstätigkeiten (AEB), Sergej Sobjanin, Europa, Russland, Moskau