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19:29 23 September 2019
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    Persönliche Daten - für NSA, Facebook, Google und Regierungen wertvoller als Gold

    © REUTERS / Arnd Wiegmann
    Politik
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    62 Millionen Deutsche nützen das Internet täglich und sind durchschnittlich 2,5 Stunden im Internet. Dabei hinterlassen sie jede Menge Datenspuren, die nicht nur für Konzerne, sondern auch für die Geheimdienste und Regierungen interessant sind.

    Um die Jahrtausendwende wurden weltweit 100 GB pro Sekunde produziert, heute sind es bereits 50 000 GB pro Sekunde. Damit wächst die Datennutzung vier Mal schneller als die Wirtschaft. Schon längst sind diese Daten und die damit verbundene gezielte Werbung zu einem Bombengeschäft geworden, mit dem vor allem die US-Giganten Milliarden erzielen.

    Die fünf wertvollsten Unternehmen sind Datenunternehmen

    Aktuell sind Apple, Alphabet (Google), Microsoft, Amazon und Facebook die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt. Diese US-Konzerne verdienen ihr Geld mit dem Sammeln von Daten, und die ursprünglichen Geschäftszweige geraten immer mehr in den Hintergrund. Fünf Euro verdient etwa Facebook pro Nutzerkonto pro Monat. Bei fast 2 Milliarden täglichen Facebook-Nutzern sind das immerhin 10 Milliarden Euro pro Monat. Auch Google generiert 80 Prozent seines Umsatzes mit Werbung und verdient wie Facebook bei jedem Klick auf eine Werbeanzeige. Nicht nur die oben genannten IT-Unternehmen haben längst die Bedeutung von gezielter Werbung erkannt. So kauften etwa die US-Softwarekonzerne Adobe und IBM Firmen, die auf Cloudes (virtueller Speicher im Internet) spezialisiert sind, für insgesamt 40 Milliarden Dollar ein. Auch die IT-Riesen Apple, Microsoft und Amazon sind schon jahrelang im Cloude-Geschäft aktiv und verdienen mit der Auswertung der von den Nutzern gespeicherten Daten Milliarden.

    Wissen ist Macht

    Wissen ist Macht ist eine uralte Erkenntnis, die im Internet-Zeitalter eine neue Brisanz bekommen hat. Wissen im 21. Jahrhundert ist vor allem Wissen über Personen und deren Verhalten, damit der Markt konkret auf deren Bedürfnisse reagieren kann. Während Geheimdienste durch mühsame Arbeit jahrelang Informationen sammeln, geben Internetnutzer diese freiwillig an Google und Co. weiter. Der Werbespezialist Günther Makro meint dazu: „Mit wem wir befreundet sind, wie wir unsere Freizeit gestalten, bei wem wir was einkaufen, wohin wir reisen, wo wir Kaffee trinken. Das sind massenhaft Daten, die bei kluger Verarbeitung ein riesiges ökonomisches Potenzial bergen.“ Google und Facebook schwimmen in einem Datenmeer. Jede Website, die Google Analytics benutzt (und das sind die meisten), leitet das Surfverhalten sofort nach Kalifornien weiter, um die Daten zu verarbeiten. Deshalb bekommen Internetuser auch Angebote zu Hotels in Wien, wenn sie zuvor nach Sehenswürdigkeiten in der österreichischen Hauptstadt gegoogelt haben. Seit 2015 analysiert Facebook das Surfverhalten seiner User nicht nur auf Facebook, sondern auch auf anderen Seiten. Das erlaubt dem Unternehmen, genaue Profile von ihren Kunden zu erstellen, die dann wiederum an Marketing-Firmen verkauft werden. Die Nutzung dieser Internetdienste ist zwar gratis, aber man bezahlt mit den Daten. „Wenn etwas umsonst ist, sind Sie nicht der Kunde. Sie sind das Produkt!“, schreibt der Autor Bruce Schneier.

    Daten auch für Geheimdienste interessant

    Spätestens seit den Enthüllungen durch Edward Snowden weiß die ganze Welt, dass auch die amerikanische NSA Millionen Daten in Europa sammelt, um genaue Profile über die Europäer zu erstellen. Dabei wurden nicht nur die Telefonate von 122 Regierungschefs abgehört, sondern auch zahlreiche Internetanbieter haben freiwillig Daten an die amerikanischen Behörden weitergegeben. Millionen Terabytes an Daten wurden gesammelt, um genau zu verstehen, wie die Bevölkerung tickt. „Man braucht den Heuhaufen, um darin die Nadel zu finden“, hat der ehemalige NSA-Direktor Keith Alexander das Prinzip beschrieben.  Neben der europäischen Bevölkerung wurden auch zahlreiche EU-Konzerne ausspioniert, um an deren Daten zu kommen.

    Zusammenhang zwischen Google, Facebook und NSA

    Nach dem Zitat des ehemaligen NSA-Direktors wird klar, dass sich Geheimdienste so ziemlich für alles interessieren. Insofern muss davon ausgegangen werden, dass auch versucht wird, auf die Daten von Facebook und Google zuzugreifen. „Wir sind erstaunt, dass so viele Menschen willens sind zu offenbaren, wo sie wohnen, was ihre religiösen oder politischen Ansichten sind, dass sie alphabetische Listen ihrer Familie und Freunde anlegen, deren E-Mail-Adressen und Telefonnummern auflisten sowie hunderte Fotos von sich selbst dort einstellen, nebst Statusmeldungen darüber, was sie in jedem Moment machen“, sagte CIA-Vizepräsident Christopher Sartinsky einst über das Internetverhalten der Amerikaner. Schon 2013 berichtete „The Guardian“ exklusiv, dass Google, Yahoo und Facebook gegen Geld Daten an die NSA weitergegeben hätten. Auch der Deutsche Bundestag lud die IT-Konzerne Facebook, Microsoft, Google und Apple vor den NSA-Untersuchungsausschuss vor. Trotz Zustimmung zu Beginn erschien schließlich keiner der CEOs vor dem Untersuchungsausschuss. Ein Bundestagssprecher erklärte, ihm fehle „jegliches Verständnis“ für das Fernbleiben der US-Konzerne, aber man könne diese nicht „zum Aussagen zwingen“.

    Daten wertvoller als Gold und Titan

    Daten sind die Währung des 21.Jahrhunderts und wertvoller als Gold oder Titan. Die großen IT-Konzerne wollen möglichst viele Daten sammeln, um daraus Profit zu schlagen. Die Geheimdienste interessieren sich für den Browserverlauf, da sie über diesen leichter an Informationen kommen als über mühsame Spionagearbeit. Zwischen diesen Parteien stehen die Regierungen, die zwar strenge Gesetze zum Datenschutz verabschieden, aber schlussendlich auch an diesen Daten interessiert sind, um Wählerstromanalysen zu erstellen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Geheimdienste, Datenhandel, Daten, IT, Amazon, Google, CIA, NSA, Instagram, Facebook, Apple, Microsoft, Bill Gates, Tim Cook, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg, USA