14:11 18 Juni 2019
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    Ein blutender Demonstrant in Paris

    Sie wollen Blut: BBC sucht nach „russischer Spur“ bei Frankreich-Protesten

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    Viktor Marachowski
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    Die Sputnik-Redaktion hat einen Message-Austausch der Korrespondentin des russischsprachigen BBC-Dienstes, Olga Iwschina, mit einem „Stringer“ in die Hände bekommen, die den Aufstand der so genannten „Gelbwesten“ in Frankreich in den sozialen Netzwerken beleuchtet.

    Die BBC-Reporterin interessierte sich bei ihrem Gesprächspartner, ob man anhand der bislang bekannten Fakten behaupten bzw. vermuten könnte, dass dahinter Russland stünde.

    Gebe es auf den Straßen französischer Städte Aktivitäten der „Rassemblement National“ (bis vor kurzem „Front National“ von Marine Le Pen), fragte die Korrespondentin. Und falls sich solche finden sollten, würden sie dann über Putin und ihre Verbindung mit Moskau reden?

    „Nein? Na gut. Und nehmen Russen an den Protesten teil?“

    „Nein? Na gut. Aber profitieren vielleicht russische Geschäftskreise von den Massenunruhen in Frankreich? Vielleicht verkaufen sie dort massenweise Bouletten?“

    „Auch nicht? Na gut. Aber vielleicht werden die Proteste von ultrarechten Aktivisten angespornt? Und dann könnte man schon zum Thema Putin übergehen…“

    „Wieder nicht?! Machen Sie sich über mich lustig?!“

    „Ja, ich suche nach Ecken“, räumte die BBC-Korrespondentin“ im Message-Wechsel ein. „Die Redaktion verlangt halt Blut – es ist nun mal so.“

    Es ist erwähnenswert, dass die Version, dass hinter dem „Maidan“ der „Gelbwesten“ Russland stehen könnte, zum ersten Mal in der „kreativen Hauptstadt“ der Welt zum Ausdruck gebracht wurde, nämlich in Kiew. Der wohl spezifischste Geheimdienst auf diesem Planeten, der SBU, erklärte, die Massenunruhen, an denen viele friedliche Protestierende teilnehmen, wären vom russischen Geheimdienst FSB und der Hauptverwaltung des Generalstabs der russischen Streitkräfte organisiert worden.

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    Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte auf eine offene Frage nach den „russischen Spuren“: „Ich habe solche Gerüchte gehört (…). Wir müssen die Ergebnisse der entsprechenden Ermittlung abwarten. Ich werde darüber nicht urteilen, solange keine Fakten festgestellt worden sind.“

    Es sind nur wenige Tage vergangen, und jetzt versuchen Reporter des britischen staatlichen Senders BBC, die dumme Fantasie der Kiewer Funktionäre als Realität darzustellen. Denn die Redaktion braucht nun einmal „Blut“.

    Man muss feststellen, dass die britische politische Journalistik in den letzten 100 Jahren einen langen Weg zurückgelegt hat. Damals wurde einer ihrer Patriarchen, Charles Scott, für seine Worte bekannt: „Kommentare sind frei, aber Fakten sind heilig.“ Jetzt aber ist die Redaktionspolitik der staatlichen Medien auf der Insel anders. Zunächst wird die Version geäußert, Russland würde „highly likely“ mit den „Gelbwesten“-Protesten in Verbindung stehen. Dann werden „Soldaten des Informationskrieges“ mit der Suche nach Fakten beauftragt, und zwar nicht nach Fakten generell, sondern nach solchen Fakten, die Moskaus Verbindung mit den Protesten bestätigen könnten.

    De facto wurde die ursprüngliche Formel des Journalismus in die Mülltonne geschmissen und durch eine neue ersetzt, nämlich durch eine Art „Formel der Ersatzwahrheit“: Die Konzeption ist heilig, die Fakten lassen sich frei wählen.

    Es gibt allen Grund zu glauben, dass sich überhaupt keine solchen Fakten finden, die BBC passen würden. Aber der Sender wird bestimmt nicht aufgeben vor dieser Herausforderung: Schließlich kann man sich jederzeit auf „Quellen bei Geheimdiensten“ berufen, die „nicht genannt werden wollten“.

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    Das ist natürlich gar nicht neu. BBC ist schon seit langem für solche Dinge bekannt: Im Jahr 2014 entfernte die Redaktion von allen ihren Web-Ressourcen einen Bericht über den Absturz der malaysischen Boeing 777 (Flug MH17) im Donezbecken, weil er „den Werten der Redaktion widersprochen“ hätte.

    Dieser Bericht (übrigens hatte ihn auch Olga Iwschina geschrieben, die jetzt mit der Suche nach „russischen Spuren“ in Frankreich beauftragt wurde) war durchaus objektiv und stützte sich auf Umfragen der Einwohner des Gebiets, wo die Maschine abgestürzt war, sowie der Volksheerkämpfer und ukrainischer Soldaten. Aber das passte nicht in die Konzeption, dass der Schuldige von Anfang an bekannt und offensichtlich war – und dass es sich um Russland handelte, was gar nicht bewiesen werden musste.

    Es gibt aber eine interessante Nuance: In den letzten Jahren kam es schon öfter vor, dass westliche Eliten auf die aus ihrer Sicht universale „Fernbedienung für die Realität“ zurückgriffen – und sich dabei verkalkulierten. So war man beispielsweise in London (schon wieder in London!) absolut sicher, dass das Brexit-Referendum scheitern würde. Wie es in Wahrheit geendet ist, ist allgemein bekannt.

    Angesichts dessen stellt sich die Frage: Wen will denn die britische Propaganda eigentlich verwirren? Vielleicht sich selbst?

    Und noch wichtiger ist eine andere Frage: Wie könnte im 21. Jahrhundert ein Staat erfolgreich werden, der nicht nach wahren Fakten sucht, sondern quasi autogenes Training betreibt und in der Realität nur nach Informationen sucht, die seine listigen Konzeptionen bestätigen könnten?

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    Tags:
    Spur, Journalismus, Suche, Proteste, MH17-Absturz, BBC, Jean-Yves Le Drian, Frankreich, Russland