00:30 16 Juni 2019
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    Russische Militärpioniere in der befreiten Stadt Aleppo (Archivbild)

    Weniger Kriege: Forscher ziehen Bilanz für 2018

    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands
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    Bolle Selke
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    Die Zahl der kriegerischen Auseinandersetzungen weltweit ist zurückgegangen. Das geht aus Untersuchungen der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) der Universität Hamburg hervor. Während drei neue Kriege 2018 aufgeflammt sind, sind sechs beendet worden. Experten warnen aber vor einer Überbewertung.

    „Die Bilanz ist eher positiv“, erklärt Wolfgang Schreiber von der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) der Universität Hamburg. „Wobei man das allerdings auch nicht überbewerten sollte, weil die Zahlen relativ klein sind. Der Rückgang ist von 31 auf 28, also um drei, da spielt natürlich der Faktor Zufall auch eine Rolle. Ein Krieg hätte auch schon 2017 enden können, dann wäre der Rückgang nur zwei, wenn ein anderer dann ein Jahr später beginnt, dann noch einmal einer weniger.“ 

    Sechs beendete Kriege

    Beendet wurde 2018 der Krieg im russischen Nordkaukasus, ehemals Tschetschenien, auch unter islamistischer Herrschaft als Kaukasus-Emirat bekannt. Dort gibt es zwar noch kleinere Auseinandersetzungen, aber nichts mehr, was in die Definition von Krieg der AKUF fallen würde. Auch beendet wurde ein „kurzer heftiger Krieg“, der Ende 2016 in der Demokratischen Republik Kongo in der Provinz Kasai begonnen hatte. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo herrscht allerdings immer noch Krieg.  Auch die Vertreibung der Rohingya im Westen von Myanmar habe sich dieses Jahr zu einer sehr einseitigen Geschichte entwickelt, berichtet Schreiber. Während 2017 da durchaus noch gekämpft wurde, zwischen Rebellen und Regierung, sei dieses Jahr nur noch einseitig Vertreibung zu beobachten. Drei kleinere Auseinandersetzungen, in Nordafrika: Algerien, Tunesien und zwischen Armenien und Aserbaidschan, bringen die Zahl der beendeten Kriege auf sechs.

    Drei neue Kriege

    Von den Kriegen, die 2018 begannen, herrscht der heftigste in der sogenannten „Ambazonien“-Region in Kamerun. Dort werde die englischsprachige Minderheit von der Zentralregierung im mehrheitlich französischsprachigen Kamerun unterdrückt, so Schreiber. Zwei Konflikte, die nicht so stark eskaliert aber durchaus prominent seien, seien der Krieg im israelischen Gaza-Streifen und in Burundi. Der Politologe Schreiber erklärt dazu:

    „An der erneuten Eskalation von Burundi sieht man auch wieder ein bisschen den Zufallsfaktor. Bis 2016 war Burundi in der Statistik als bewaffneter Konflikt, 2017 dann unterhalb dieser Grenze und 2018 wieder leicht über dieser Grenze.“

    Friedliche Zeiten

    Afrika war mit zehn Kriegen und bewaffneten Konflikten die 2018 von Kämpfen zahlenmäßig am stärksten betroffene Weltregion. Es folgten der Vordere und Mittlere Orient und Asien mit neun beziehungsweise sieben kriegerischen Konflikten. In Lateinamerika und in Europa war jeweils ein Krieg zu verzeichnen: Kolumbien und Ukraine.

    Die AKUF führt die jährliche Erhebung seit 1986 durch. Wir bewegen uns mittlerweile auf einem relativ niedrigen Niveau, wie die Statistik zeigt:

    „Der Peak war Anfang der Neunziger“, so Schreiber. „1992, kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, gab es durch den Ost-West-Konflikt angefeuerte Kriege, die noch nicht beendet waren, und zusätzlich kamen ziemlich viele neue Kriege dazu. Nach 1992 gab es einen starken Rückgang. Das hat sich dann auf einem gewissen Niveau – wie aktuell auch mit circa 30 bewaffneten Konflikten – eingependelt.“

    Das komplette Interview mit Dr. Wolfgang Schreiber zum Nachhören:

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    Tags:
    Friedensforschung, Kriege, Bilanz, Statistik, Islamismus, Konfliktlösung, Territorialstreit, Bürgerkrieg, Waffenhandel, Drogenhandel, Terrorismus, Kamerun, Kongo, Gazastreifen, Nordkaukasus, Kolumbien, Tschetschenien, Syrien, Russland, Ukraine