20:48 18 April 2019
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    Röhre für die Nord Stream 2 - Pipeline

    Exklusiv: Energieexperte über russisches Gas, CO2-Emission und innovative Projekte

    © Foto : Nord Stream 2 / Thomas Eugster
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    Natalia Pawlowa
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    Das Jahr 2018 brachte keine großen Katastrophen in der Energieversorgung, es gab eine gute Entwicklung beim Ölpreis. Das russische Erdgas ist weiterhin weltweit gut positioniert. Nord Stream 2 wird trotz USA-Druck doch gebaut, weil Europa russisches Gas benötigt. Ex-Dena-Chef Stephan Kohler zieht im Gespräch mit Sputnik Bilanz für 2018.

    „Das Jahr 2018 war nicht von großen Katastrophen oder Vorkommnissen geprägt, die weltweit die Energieversorgung erschüttert hätten, sondern wir haben die alten Diskussionen: über den Klimawandel, über die Abhängigkeit Europas vom russischen Erdgas. Es gab auch interessante Diskussionen in der OPEC – welche Erdölmengen am Markt verfügbar sind, um den Preis in einer vernünftigen Größe zu stabilisieren. Da gab es eine gute Entwicklung beim Ölpreis von über 70 Dollar pro Barrel, was zum Jahresende wieder nach unten ging“, sagte Stephan Kohler, Ex-Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena).

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    Die Perspektive des russischen Erdgases auf dem Weltmarkt im Jahr 2019, auch für die EU, sieht der Experte wie folgt:

    „Das russische Erdgas ist weiterhin international sehr gut positioniert, es wird mit einem Preis befördert, der sehr konkurrenzfähig ist. Deshalb sehe ich die Perspektive für russisches Erdgas in Europa, aber auch weltweit, als sehr gut an. Russland hat nicht nur Pipeline-Erdgas-Exporte, sondern auch LNG (Flüssiggas), deshalb könnte es auch Märkte bedienen, die nicht nur mit Pipelines angebunden sind.“

    Kohler wies auf die Diskussion hin, die der Zwischenfall in der Straße von Kertsch in Deutschland und in anderen europäischen Ländern ausgelöst hat. Es gebe Aussagen, ob man sich gegen die russische Gaspipeline Nord Stream 2 positionieren sollte. Aber bisher wäre man in Deutschland diesbezüglich positiv gestimmt.

    „Der Großteil befürwortet den Bau von Nord Stream 2, aber die Stimmen sind in letzter Zeit kritischer geworden, wegen der Vorkommen im Asowschen Meer. Meine Einschätzung ist, dass Nord Stream 2 trotzdem gebaut wird, vielleicht etwas zeitverzögert, aber doch in Betrieb gehen wird.“

    Laut Stephan Kohler sind die USA, der Kongress und verschiedene Institutionen, insbesondere der amerikanische Botschafter in Deutschland, sehr aktiv in ihren Bemühungen, gegen dieses Projekt vorzugehen. Amerika unterstützt den Widerstand der Ukraine gegen Nord Stream 2, die befürchtet, nach der Inbetriebnahme der neuen Pipeline weniger Transitgeld zu bekommen.

    „Die USA spielen da keine gute Rolle, weil sie ihr eigenes LNG verkaufen möchten. Aber ich denke, dass die europäische bzw. deutsche Politik rational ist, und wir künftig mehr Erdgas benötigen werden, weil es um die Stilllegung von Braunkohlekraftwerken geht. Deshalb wird die Nachfrage auf dem Gasmarkt nicht sinken, sondern weiter steigen.“

    Die Diskussionen zum Klimawandel im vergangenen Jahr hätten keinen Durchbruch bei der Reduktion der CO2-Emission gebracht, so Kohler. Das betreffe auch die Klimakonferenz im polnischen Katowice.

    „Die CO2-Emission war 2018 die höchste, die es jemals gab. Wir diskutieren seit Kyoto über 21 Jahre lang über Klimaschutzstrategien. Leider müssen wir feststellen, dass alle großen Klimakonferenzen, auch in Paris von 2015, nicht das nötige Ergebnis nach sich ziehen. In Katowice hat man insbesondere darüber diskutiert, welche Prüfverfahren eingeführt werden müssen, um eine Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Ländern herzustellen. Aber für das Klima hat die Konferenz in Katowice wieder nichts gebracht – die Ergebnisse führen nicht zur Zielerreichung.“

    Den Worten von Kohler zufolge spielen regenerative Energieträger beim Klimaschutz eine wichtige Rolle. Die Menschen müssen stärker Sonne, Wasser, Wind und Biomasse nutzen und auch die Energieeffizienz viel stärker ins Auge fassen. Aber man muss auch die konventionellen Energieträger so aufbereiten, dass sie nicht klimaschädlich eingesetzt werden können. Deshalb braucht man Projekte, wo CO2 abgeschieden wird.

    Stephan Kohler ist zurzeit der Geschäftsführer des Unternehmens Energy Efficiency Invest-Eurasia GmbH, das sich hauptsächlich für die Förderung von Energieprojekten mit Fokus auf die Nutzung erneuerbarer Energiequellen engagiert. Darüber diskutiert Invest-Eurasia mit russischen und internationalen Partnern – das russische Energieunternehmen Gazprom ist an diesem Thema dran. Die Ergebnisse des Jahres 2018 schätzte Stephan Kohler positiv ein. Das Unternehmen sei breit aufgestellt und in verschiedenen Themen gut platziert. Auch im internationalen Kontext seien Energieeffizienz und innovative Energieprojekte akzeptiert.

    „Wir haben in Essen im Ruhrgebiet ein Projekt begonnen, wo wir auf einem alten Kohlenzechen-Gelände einen neuen EUREF-Campus bauen, wo wir die Frage lösen werden, wie die Industrieproduktion, z.B. Metalle, möglichst CO2-frei hergestellt werden kann. Dann sind wir mit Russland gerade dabei, in Weißrussland ein Werk zu bauen, in dem Composit-Bauteile für die Automobilindustrie, für die Flugzeugindustrie hergestellt werden. Sie sind ebenso leicht wie Aluminium, aber kostengünstiger, und verbrauchen weniger Energie. Und in China haben wir einen Auftrag, eine Nebenhauptstadt (Neben-Peking) für zwei Millionen Menschen zu bauen. Die Aufgabe ist, wie in solch einer Stadt die CO2-Emission auf ein Minimum reduziert werden kann. Diese drei hochspannenden Projekte haben wir 2018 begonnen – mit Russland, China und in Deutschland.“

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    Tags:
    Ölpreise, LNG, CO2, Erdgas, Nord Stream 2, EU, USA, Russland, China