15:17 21 Januar 2019
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    Israels Soldat an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon, 2006 (Archiv)

    Der Klügere gibt nicht nach – er blufft…

    © AFP 2018 / DENIS SINYAKOV
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    Nesawissimaja Gaseta
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    Tarnung und Desinformation sind der Ausgangspunkt, wenn es darum geht, einen Krieg vorzubereiten. Das gilt umso mehr für die Kriege und Konflikte des 21. Jahrhunderts, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja gaseta“. Was sich die Kriegsgegner dabei mitunter einfallen lassen, kann wirklich verblüffen. Dazu drei Fälle.

    Zweiter Libanonkrieg 2006: Wertet man die Infos aus, die dazu öffentlich verfügbar sind, stellt man fest, dass beide Seiten – Israel und die Hisbollah – größten Wert auf die operative Tarnung legten, schreibt die Zeitung.

    Libanonkrieg 2006

    Für die Israelis ging es hauptsächlich darum, über die Vorbereitung und Durchführung folgender Kriegsetappen hinwegzutäuschen: Die Seeblockade Libanons, die ersten Luftangriffe gegen die Hisbollah und Sondereinsätze im Grenzgebiet, der intensivierte Luft- und Bodenkrieg kurz vor der Verhängung einer Waffenruhe durch einen UN-Beschluss, und schließlich die Aufhebung der Blockade und der Abzug der Truppen aus dem Libanon, begleitet von Verstößen gegen die gültige Waffenruhe durch israelische Streitkräfte.

    Was für die Hisbollah wichtig zu verbergen war, waren die vorhandenen Raketen, Drohnen, Anti-Schiffs-Flugkörper – und der Bau eines unterirdischen Tunnelnetzes, der zum Nachschub, zur Kommunikation und zum Verbergen schwerer Raketenwerfer dienen sollte.

    Zwar verfügte die Hisbollah bereits über unterirdische Verstecke. Deren Koordinaten waren dem israelischen Militärkommando jedoch bekannt. Deshalb ließ die Hisbollah-Führung in höchster Geheimhaltung neue unterirdische Systeme errichten.

    Das alte Tunnelnetz wurde aber keineswegs vergessen und vernachlässigt. Die Tunnel wurden militärisch sinnvoll genutzt: Die Hisbollah-Kämpfer taten so, als seien sie dort in großer Zahl stationiert. Das hatte dann zur Folge, dass ein großer Teil der israelischen Luftschläge faktisch gegen Attrappen statt gegen echte Stellungen geflogen wurde.

    Dass die Hisbollah bei der Geheimhaltung und Abschirmung ihrer Positionen ganze Arbeit leistete, war unter anderem daran erkennbar, dass es während der gesamten Kampfhandlungen keine einzige Reportage von den Stellungen der Guerillas gab.

    Eine andere, aber durchaus erfolgreiche Verhüllungstaktik wählte Georgiens Präsident Saakaschwili in seinem Blitzkrieg gegen Südossetien am 8. 8. 2008. Laut der Zeitung verlief die Desinformationskampagne vor dem Angriff in mehreren Schritten.

    Kaukasuskrieg 2008

    In den Jahren 2004 bis 2008 berichtete die georgische Führung über den Ausbau ihrer Streitkräfte. Die Unterlagen, die Georgien dabei bereitstellte, wiesen, wie die Zeitung schreibt, deutlich geringere Zahlen auf, als es der Realität entsprochen hätte.

    Auch was die eigenen Absichten anbetraf, führte Tiflis die Geheim- und Nachrichtendienste laut der Zeitung wissentlich in die Irre. Die Verantwortlichen in Südossetien sollten besonders über den wahren Zweck massiver Manöver des georgischen Militärs getäuscht werden. Wichtige Desinformationskampagnen wurden bei Militärübungen gefahren, schreibt „Nesawissimaja Gaseta“.

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    Die georgische Führung legte laut dem Blatt höchsten Wert darauf, sich den Überraschungsvorteil eines Blitzangriffs zu sichern. Deshalb wurden auch die in Südossetien stationierten Friedenstruppen in (Schein)Sicherheit gewogen.

    Es ist anzunehmen, so die Zeitung, dass die US-Amerikaner die georgische Führung aus eigenen Motiven kriegerisch stimmten. Es wurden etwa Daten von Aufklärungssatelliten bereitgestellt, die angeblich belegten, Russland konzentriere weiterhin Truppen in Nordossetien.

    Die Desinformation hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. Laut der Zeitung glaubte Saakaschwili, Russland bereite einen Angriff vor, und befahl als Reaktion darauf den Überraschungsangriff. Als Vorbereitung darauf waren in der ersten Augustwoche mehrere Truppenverbände in die Nähe von Südossetien verlegt, Frauen, Kinder und Greise aus den georgischen Ortschaften evakuiert worden. Wehrfähige Männer traten in die Nationalgarde und die georgische Armee ein.

    Die Einzelheiten der anstehenden Aktion waren selbstverständlich nur einem engen Kreis von Vertrauten des georgischen Präsidenten bekannt.

    Besonders bitter ist, dass Saakaschwili schon nach der Entscheidung, in Südossetien einzumarschieren, laut der Zeitung weiterhin behauptete, die Friedenstruppen aus Georgien würden am 8. August in der südossetischen Hauptstadt Zchinwali über die Beilegung des Konflikts verhandeln wollen.

    Am 7. August erklärte Saakaschwili im georgischen Fernsehen, die georgischen Truppen würden das Feuer einstellen und keine Gewalt anwenden. Dabei waren laut dem Blatt noch am Morgen desselben Tages 12.000 Mann und 75 Kampfpanzer an der Grenze zu Südossetien zusammengezogen worden.

    Welche Rolle, die Medien bei der Vorbereitung von Kriegen übernehmen können, zeigt auch die Intervention der Nato-Koalition in Libyen.

    Nato-Einsatz in Libyen 2011

    Die CIA und die Militärspionage der US-Amerikaner sowie ihre Verbündeten England, Frankreich und Italien wurden in Libyen aktiv, lange bevor die eigentliche Intervention der West-Koalition begann. Sie landeten in Libyen schon im Februar 2011, schreibt „Nesawissimaja gaseta“.

    Als die West-Koalition dann in der Nacht auf den 20. März Luftangriffe gegen libysche Einrichtungen fliegt, behauptet die Nato-Führung weiterhin, es seien keine Bodenoperationen geplant und es gebe auch keine Nato-Truppen auf libyschem Boden präsent.

    Laut der Zeitung wurde zwar nicht ausgeschlossen, dass Kräfte eines der Mitgliedsländer der Allianz in Libyen im Einsatz seien, aber zugleich wurde beteuert, die Nato habe damit nichts zu tun.

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    Worin das Ziel der Desinformationskampagne bestand, war, wie die Zeitung schreibt, Folgendes: Es sollte der Eindruck entstehen, die West-Koalition fliege präzise Luftschläge gegen ausgewählte militärische Einrichtungen von Gaddafi, was jedoch keine Gefahr für die Zivilbevölkerung darstelle. Auch über die Lage der Kräfte Gaddafis und über die Erfolge der libyschen Opposition sowie der West-Truppen sollte die Weltöffentlichkeit falsch informiert werden, schreibt die Zeitung.

    Die Streitkräfte von Gaddafi berücksichtigten in ihrer Strategie die Stärken der US- und Nato-Truppen: Deren absolute Überlegenheit zu Wasser, in der Luft und bei schweren Panzerwaffen. Berücksichtigt wurde auch, dass die Daten der West-Koalition mit Bestimmtheit auch der libyschen Opposition zur Verfügung standen.

    An diesen Erkenntnissen richteten die Regierungstruppen ihre Täuschungstaktiken aus. Es galt deshalb, die Luft-, Funk- und Satellitenaufklärung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu täuschen.

    Neben solchen gängigen Tricks wie die Einrichtung falscher Kommandozentralen und Waffenlager nutzten die Gaddafi-Truppen dafür auch die zivile Infrastruktur: Sie versteckten schwere Waffen in den unterirdischen Kanälen des Bewässerungssystems.

    Und noch etwas spielte den libyschen Regierungstruppen laut der Zeitung in die Hände: Über das Vorgehen der libyschen Opposition berichteten westliche Journalisten, die freien Zugang zu den Kämpfern hatten, während die Gaddafi-Kräfte vor fremden Einblicken praktisch abgeschirmt waren.

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    Tags:
    Führung, Aufklärung, Desinformation, Geheimdienste, Krieg, UN, NATO, Michail Saakaschwili, Libanon, Israel, Georgien, Libyen, USA, Russland