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06:40 19 September 2019
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    Saif al-Islam Gaddafi (Archiv)

    Gaddafi is back: Wird Putin dem Sohn des Obersten helfen?

    © AFP 2019 / MAHMUD TURKIA
    Politik
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    Der Sohn des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam, hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin um Unterstützung gebeten. Er wurde vor kurzem aus der Haft entlassen und will im Frühjahr an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen.

    Lesen sie in diesem Artikel über das Schicksal der Kinder Gaddafis und ob ein Mensch mit diesem Namen wieder an der Spitze Libyens stehen könnte.

    Nachfolger aus der Gaddafi-Familie

    Gaddafis zweiter Sohn, der sich seit seiner Jugend für Politik interessierte, galt als Kronprinz. Dafür gab es mehrere Voraussetzungen.

    Saif al-Islam bekam seine Ausbildung in Europa. Der Doktorgrad (Ph.D.) wurde ihm an der London School of Economics and Political Science (LSE) verliehen. Im Alter von 20 Jahren wurde er von seinem Vater zu Verhandlungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten hinzugezogen.

    Gaddafis Sohn nahm auch an Verhandlungen mit westlichen Ländern teil. Er war außerdem beteiligt, als 2003 die Handelsbeziehungen zwischen Libyen und Großbritannien wiederhergestellt wurden. Er leitete die libysche Investitionsverwaltung. Nach dem Staatsstreich wurde ihm die Aneignung von zehn Milliarden Euro vorgeworfen.

    Vor dem Krieg kritisierte er oft seinen Vater, nicht in privaten Gesprächen, sondern öffentlich – via den eigenen TV-Sender „Libya TV“ und einige Zeitschriften. So stand er dem Beschluss seines Vaters, 2004 das Atomwaffenprogramm aufzugeben, negativ gegenüber. Meinungsverschiedenheiten bei mehreren Fragen führten dazu, dass er 2008 offiziell seinen Ausstieg aus der Politik verkündete.

    Die Streitigkeiten dauerten direkt bis zum Ausbruch des „arabischen Frühlings“ an, der sich in einen Zusammenstoß zwischen Anhängern und Gegnern des Gaddafi-Regimes verwandelte. Saif al-Islam unterstützte dabei vollständig seinen Vater.

    Mit Saif al-Islam ist auch ein großer politischer Skandal in Europa verbunden. Er war er, der mitteilte, dass Muammar al-Gaddafi die Wahlkampagne von Nicolas Sarkozy finanzierte, der 2007 bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich gewann. Said al-Islam konnte Sarkozy die Bombenangriffe Frankreichs gegen Libyen nicht verzeihen. Ihm zufolge versuchte Sarkozy mit der Vernichtung der Dschamahirija die „Spuren zu verwischen“.

    Nach dem Sturz des Regimes wurde Gaddafis Sohn wegen gewaltsamer Unterdrückung der Antiregierungsdemonstrationen angeklagt, doch er schaffte es, sich im Süden des Landes zu verstecken. Einen Monat nach dem grausamen Mord an Gaddafi wurde Saif al-Islam gefasst. 2015 wurde er von einem Gericht in Tripolis wegen Verbrechen gegen das Volk Libyens zum Tode verurteilt. Allerdings wurde das Strafurteil nicht vollzogen.

    Im vergangenen Jahr wurde Gaddafis Sohn im Zuge einer Amnestie freigelassen. „Ich bin am Leben, frei und setze meinen Widerstand fort! Ich will bis zum Ende Widerstand leisten und mich rächen“, sagte Saif al-Islam. Zudem teilte er mit, er sei bereit, in die große Politik zurückzukehren.

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    Gaddafis verstorbene Kinder

    Insgesamt hatte Gaddafi acht Kinder. Während des Bürgerkriegs wurden drei Söhne getötet. Der mittlere Sohn Mutassim war unter Gaddafi Berater des Sicherheitsdienstes und gehörte zum engsten Umfeld des Machthabers. 2009 führte er Verhandlungen mit Hillary Clinton, wonach Washington Tripolis zusicherte, dass die libysch-amerikanischen Beziehungen das höchste Niveau erreicht hätten. Für Mutassim, der keine hervorragende Ausbildung genossen hatte, war das ein Ticket in die große Politik.

    Im Unterschied von Saif al-Islam stritt er fast nie mit dem Vater. Als 2011 die Nato-Bombenangriffe begannen, übernahm er die Leitung der Regierungstruppen im Norden des Landes. Einige Tage vor dem Tod versuchte er mit der Familie aus Libyen zu fliehen, doch in Sirte wurde er von Aufständischen festgenommen und getötet.

    Gaddafis jüngster Sohn Hamis kam bei der Erstürmung von Tripolis zwei Monate vor dem Mord an Gaddafi ums Leben. Er studierte in Russland, absolvierte Mitte der Nulljahre die Frunse-Militärakademie in Moskau. Während des Bürgerkriegs befehligte er eine Sonderbrigade. Medien wiesen mehrmals Meldungen über seinen Tod als falsch zurück. Allerdings sind keine überzeugenden Beweise vorhanden.

    Gaddafis sechster Sohn Saif al-Arab kam in seinem Haus mit der ganzen Familie bei einem Nato-Luftangriff ums Leben. Bis 2008 hatte er in München gelebt, wo er auch seine Ausbildung bekam. Vielleicht wäre er dortgeblieben, doch die deutschen Behörden warfen ihm Waffenschmuggelversuch vor und erklärten ihn zur Persona non grata.

    Nach dem Ausbruch der Unruhen wurde er als Truppenkommandeur in den Osten Libyens geschickt. Die drei kleinen Enkelkinder Gaddafis, die bei Nato-Angriffen ums Leben kamen, waren Kinder von Saif al-Arab.

    Leben im Tausch gegen Verzicht auf Politik

    Die anderen Kinder Gaddafis blieben am Leben. Der älteste Sohn Muhammed aus der ersten Ehe Gaddafis floh mit seiner Familie nach Algerien und bekam anschließend politisches Asyl im Oman. In Dschamahirija war er General, leitete das Olympische Komitee Libyens, den Ausschuss für Rundfunk und Fernsehen sowie das Staatsunternehmen für Entwicklung der Mobilfunk- und Satellitenkommunikation. Der Vater bezeichnete ihn neben Saif al-Islam als einen potentiellen Nachfolger.

    2011 wurde Muhammed von Aufständischen in Gefangenschaft genommen, konnte jedoch fliehen. Er blieb in vielerlei Hinsicht dank dem Versprechen am Leben, sich nie mehr in die Politik einzumischen.

    Zusammen mit Muhammed rettete sich auch die einzige Tochter Gaddafis, Aischa, ins Ausland. In der Familie galt sie als Schlichterin, weil sie die ständigen Streitigkeiten der Brüder regelte. Sie studierte in Frankreich, nach der Rückkehr in die Heimat übernahm sie die Leitung einer Stiftung, die sich mit der Befreiung der in Afrika gefangenen Touristen befasste. Sie war UN-Botschafterin des guten Willens. 2003 kritisierte sie die US-Invasion im Irak und verteidigte anschließend Saddam Hussein vor Gericht.

    Sie rief die Regierungsarmee zur Unterdrückung der Rebellion in Libyen auf, wonach die Uno ihr den Status einer Botschafterin des guten Willens entzog – wegen ihrer „Aktivität, die nicht mit den Zielen und Prinzipien der Vereinten Nationen übereinstimmt“. Die Nato-Operation in Libyen hatte tragische Folgen für sie – bei Luftangriffen kamen ihr Ehemann und ihr Kind 2011 ums Leben. Heute lebt sie im Oman und kritisiert weiterhin den Westen für die Situation in ihrer Heimat. Dabei ist sie nach wie vor Fan von Skinny Jeans und Gucci-Schuhen.

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    Auch der fünfte Sohn, Hannibal, hat es geschafft, nach Algerien zu fliehen. Als sein Vater noch lebte, war er in Skandale verwickelt. 2008 wurde in einem Schweizer Hotel verhaftet, nachdem ein Zimmermädchen angegeben hatte, von ihm geschlagen worden zu sein. Danach verschlechterten sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern rasant. Vor drei Jahren wurde gegen Hannibal ein Haftbefehl im Libanon ausgestellt. Ihm wurde vorgeworfen, Informationen über den Fall eines 1978 verschwundenen schiitischen Geistlichen zurückzuhalten. Die Behörden des benachbarten Syrien bitten, ihn freizulassen, allerdings bleibt er bislang weiter in Haft.

    Ein weiterer Sohn Gaddafis, Saadi, interessierte sich nicht für Politik. Er hatte sich einige Jahre als Fußballprofi versucht. Anfang der Nulljahre spielte er für den FC Al Ahli (Tripolis), mit dem er mehrere Wettbewerbe in Libyen gewann. In Libyen war er beliebt – er half armen Menschen, schenkte ihnen Autos bzw. Wohnungen.

    Nach den Nato-Bombenangriffen floh er in den Niger, wurde aber nach Libyen ausgeliefert. Er wurde wegen Mordes an dem Fußballspieler Baschir al Riani angeklagt, 2018 wurde er freigesprochen.

    Gab es tatsächlich diese Bitte?

    Bislang hat der Kreml die Informationen über die Bitte von Saif al-Islam nicht bestätigt. Doch das Außenministerium Russlands berichtete, dass Gaddafis Sohn weiterhin von bestimmten Stämmen in Libyen unterstützt wird, weshalb seine Präsidentenambitionen nicht verwunderlich seien. Zuvor war bekannt geworden, dass ein Vertreter von Saif al-Islam sich in Moskau mit dem stellvertretenden Außenminister Russlands, Michail Bogdanow, getroffen hatte. Vor einem Monat nannte der Leiter der russischen Kontaktgruppe für die Libyen-Regelung, Lew Dengow, Saif al-Islam einen wichtigen Teilnehmer der politischen Regelung.

    Wenn Gaddafis Sohn es schafft, sich als Präsidentschaftskandidat anzumelden, werden seine Hauptrivalen Fayez Sarradsch und Khalifa Haftar sein. Sarradsch leitet die Regierung der nationalen Einheit und kontrolliert den Osten des Landes. Haftar kontrolliert die östlichen Gebiete des Landes und die meisten Ölvorkommen.

    Der Leiter des Zentrums für Islam-Studien, Kirill Semjonow, meint allerdings, dass Saif al-Islam bereits Teil der Vergangenheit Libyens ist und kaum eine ernsthafte politische Figur im Lande werden könne.

    „Niemand weiß, wo sich Saif al-Islam jetzt aufhält, womit er sich befasst und ob er überhaupt am Leben ist. Er saß lange im Gefängnis. Jemand hat seine Freilassung gefördert. Wer genau das war, ist nicht bekannt. Man könnte vermuten, dass jemand Gaddafis Sohn als Einflussinstrument nutzen will. Diese Menschen rechnen wohl mit der Finanzierung jener, die der Dschamahirija nostalgisch geegnüberstehen“, so der Experte.

    Laut dem Experten hat Saif al-Islam keine politische Kraft. Im heutigen Libyen gebe es keine Bewegungen bzw. Parteien, die sich die Wiedergeburt der Dschamahirija wünschten.

    „Die Libyer bauen ein neues Land auf, machen Fehler, korrigieren sie. Doch niemand hat vor, in die Zeiten Gaddafis zurückzukehren“, so der Experte.

    Der libysche Politologe und Journalist Mustafa Fetouri meint, dass die möglichen politischen Ambitionen von Gaddafis Sohn das Kräfteverhältnis in Libyen im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Frühjahr beeinflussen könnten. Allerdings sei das nicht so einfach zu machen. „Unter Gaddafi galt Saif al-Islam als sein Nachfolger. Im Lande gibt es weiterhin Marginale, die die Gaddafi-Familie wieder an der Spitze des Landes sehen möchten. Doch was er im heutigen Libyen machen kann, wo alles anders ist, ist eine große Frage“, so der Experte.

    Die Verhandlungen zwischen Moskau und den Vertretern Saif al-Islams seien die Fortsetzung des russischen Kurses auf einen Dialog mit allen Teilnehmern der politischen Regelung, so der Experte.

    „Zuvor reisten auch Vertreter von Fayez Sarradsch und Khalifa Haftar nach Moskau. Gerade dieser abstandsgleiche Dialog mit verschiedenen politischen Kräften Libyens erscheint als optimal“, so der Experte.

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    Tags:
    Krieg, Bürgerkrieg, Invasion, NATO, Saif al-Islam al- Gaddafi, Moammar Gaddafi, Hussein, Nicolas Sarkozy, Libyen, Irak, Frankreich