19:21 21 Januar 2019
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    Die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (i.d.Mitte) auf dem deutschen Militärstützpunkt Masari-i Scharif in Afghanistan

    Ex-Generalinspekteur Kujat für Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan

    © REUTERS / Kay Nietfeld / Pool
    Politik
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    Armin Siebert
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    Nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hat, tausende Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, besteht auch für die Bundeswehr laut dem ehemaligen Oberbefehlshabenden der Bundeswehr Harald Kujat kein Grund mehr, in dem Land der Taliban zu bleiben.

    Die Diskussion über eine Fortsetzung des Auslandseinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan wird immer intensiver. Nachdem US-Präsident Donald Trump ein Dekret zum Abzug der US-amerikanischen Truppen aus Syrien erlassen hatte, hat er auch den möglichen Abzug eines Teils der amerikanischen Truppenverbände aus Afghanistan angekündigt.

    „Keinen Grund mehr, diesen Einsatz fortzusetzen.“

    Der ehemals ranghöchste Soldat der Bundeswehr Harald Kujat sieht somit keine Grundlage mehr gegeben für einen Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch, wie er dem „Tagesspiegel“ sagte:

    „Wenn die Vereinigten Staaten sich bis auf ein Restkontingent aus Afghanistan zurückziehen, gibt es auch für uns keinen Grund mehr, diesen Einsatz fortzusetzen.“

    Ähnlich äußerte sich gegenüber dem Tagesspiegel auch Stefan Liebich, der außenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag. „Alleine könne die Bundeswehr am Hindukusch nichts ausrichten.“, sagt er.

    Schutz deutscher Soldaten

    Kujat sieht mit dem Abzug der US-Soldaten auch eine erhöhte Gefahrenlage in Afghanistan. Wenn Schutz und Unterstützung der deutschen Soldaten nicht hundertprozentig gewährleistet sei, müsse die Bundeswehr den Einsatz in Afghanistan beenden, so Kujat.

    Der Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr rechnet außerdem nicht mehr damit, dass die anderen Nato-Staaten in Afghanistan, wie Großbritannien oder Frankreich, ihre Truppenkontingente aufstocken, um die Lücke zu füllen, die durch den Abzug der Amerikaner entsteht. Trump will etwa die Hälfte der 14.000 US-Soldaten in Afghanistan abziehen. Ein entsprechender Erlass soll bereits an das US-Verteidigungsministerium ergangen sein.

    58 tote Bundeswehr-Soldaten

    Deutschland ist seit 17 Jahren mit etwa 1100 Soldaten in Afghanistan präsent. Damit ist dies der längste Auslandseinsatz der Bundeswehr. 58 deutsche Soldaten haben am Hindukusch ihr Leben verloren. Die Kosten der Auslandsmission belaufen sich bisher auf mehr als zehn Milliarden Euro. Seit 2014 gilt der Bundeswehreinsatz offiziell als Ausbildungsmission für afghanische Sicherheitskräfte. Hauptstandort ist Masar-i Scharif in Nord-Afghanistan.

    Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in letzter Zeit wieder verschlechtert. Aktuell kontrolliert die Regierung nur noch gut die Hälfte des Landes. Die restlichen Bezirke sind umkämpft oder bereits in der Hand der Taliban. Auch die Terrororganisation „Islamische Staat“ ist in Afghanistan aktiv. Erst Heiligabend kam es wieder zu einem Selbstmordattentat mit 43 Toten in Afghanistans Hauptstadt Kabul. Dies war bereits der 22. Anschlag in Kabul in diesem Jahr.

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    Tags:
    General, Truppenabzug, Krieg in Afghanistan (2001), US-Armee, Bundeswehr, NATO, Donald Trump, Harald Kujat, USA, Syrien, Afghanistan, Deutschland