05:03 20 Januar 2019
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    Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (Archiv)

    Personalmangel bei Bundeswehr: Von der Leyen will EU-Ausländer rekrutieren

    © AFP 2018 / Kay Nietfeld / POOL
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    Die Bundeswehr muss zunehmend mit Personalmangel kämpfen. Laut Medienberichten will Ursula von der Leyen nun EU-Ausländer anwerben. Erste Staaten sind offenbar schon angefragt worden.

    Wie der „Spiegel“ mit Verweis auf ein vertrauliches Ministeriumskonzept berichtet, will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor allem Polen, Italiener und Rumänen für ihre Truppe anwerben.

    Junge Männer aus diesen Ländern hätten ein „quantitatives Potential“, zitiert der „Spiegel“ das Ministeriumspapier.

    Jenes „quantitative Potential“ ist von dem Ministerium zudem schon genauer berechnet worden.

    Wie der „Spiegel“ aus dem Papier zitiert, sollen nämlich in Deutschland etwa 255.000 Polen, 185.000 Italiener und 155.000 Rumänen zwischen 18 und 40 Jahren leben. Zusammen würden sie etwa die Hälfte aller EU-Ausländer in Deutschland stellen.

    Würde man bei zehn Prozent dieser Gruppe Interesse an der Bundewehr wecken, könnten es mehr als 50.000 neue Bewerber für die Truppe werden, skizziert das Bundeswehr-Papier das Vorhaben.

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    Die Idee an sich ist nicht neu. Bereits im Jahr 2016 hatte von der Leyen ein Konzept vorgestellt, die Bundeswehr für EU-Ausländer zu öffnen.

    Nun sind die Planungen anscheinend weitgehend abgeschlossen.

    Staatsekretär Gerd Hoofe soll jedenfalls bereits im August 2018 das Konzept abgezeichnet haben.

    „Die notwendigen Grundinformationen für eine Entscheidungsfindung in der Sache und im Verfahren liegen vor", so der für Personal zuständige Beamte.

    Auch im Europa-Vergleich wäre das Konzept nichts Neues. Belgien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Dänemark und Luxemburg haben ihre Armee für EU-Ausländer bereits geöffnet. Deutschland würde sich dabei an das belgische Modell halten, also eine vollständige Öffnung für EU-Bürger.

    Einige Beschränkungen könnten dennoch gelten. Den Berichten zufolge könnten etwa nur junge Menschen angeworben werden, die bereits mehrere Jahre in Deutschland leben und fließend deutsch sprechen.

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    Das Beherrschen der deutschen Sprache gilt auch für deutsche Bewerber als Grundvoraussetzung für den Eintritt in die Truppe.

    Gleichzeitig würden vor allem osteuropäische Staaten erhebliche Bedenken äußern – und zwar wegen „erheblicher negativer Auswirkungen auf die eigene Bedarfsdeckung“. Der Sold in der Bundeswehr sei nämlich deutlich höher als in den Armeen der osteuropäischen Staaten.

    Viel deutlicher ist die Kritik aus Polen. Der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz sagte dem SPIEGEL, der Dienst in der Armee sei „eng verbunden mit der Nationalität“.

    Für ihn sei daher der deutsche Vorstoß eine Überraschung.

    „Sollte Deutschland ein solches Gesetz einführen, ohne Polen vorher zu konsultieren, wäre das nicht gut. Denn natürlich hat Deutschland Arbeitern und wahrscheinlich auch Soldaten mehr zu bieten“, so Czaputowicz.

    Auch Vertreter Bulgariens und Griechenlands äußerten sich ähnlich.

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    Tags:
    Mangel, Interesse, Soldaten, Ausländer, Bundeswehr, EU, Deutschland