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00:56 20 Juli 2019
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    Die Operation „Nordschild“ der israelischen Armee

    Die Todes-Tunnel: Wie Armeen gegen Guerillas unter der Erde kämpfen

    © AP Photo / Sebastian Scheiner
    Politik
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    Nikolai Protopopov
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    Im Libanon, in Syrien, in Afghanistan und in Vietnam: Partisanen und auch Terroristen graben mit Spitzhacken, Spaten, mitunter mit selbstgemachten Tunnelbohrmaschinen weitläufige Gänge unter der Erde, um von dort ihre Gegner anzugreifen. Was den regulären Armeen bleibt, um die Untergrundkämpfer zu bekämpfen, ist oft nur brachiale Gewalt.

    Die Operation „Nordschild“ der israelischen Armee hat offiziell genau das zum Ziel: Das grenzüberschreitende Tunnelnetz der Hisbollah soll zerstört werden. Das israelische Militär behauptet, die unterirdischen Gänge würden für Waffen- und Personalnachschub genutzt. An manchen Stellen soll das Netz mehrere Kilometer weit ins israelische Staatsgebiet hineinreichen.

    Die Taktik der „Tunnelkriege“ kommt auch in Syrien zur Anwendung. Immer wieder stoßen syrische Regierungstruppen auf ganze Katakomben, die der IS angelegt hat. Meist nutzen die Terroristen die unterirdischen Anlagen, um die syrische Armee anzugreifen und dann, ohne den Gegenschlag abzuwarten, spurlos zu verschwinden.

    Dass es selbst im Umland von Damaskus ein weitverzweigtes Netz von Terrortunneln gibt, darauf haben die Mitarbeiter des russischen Versöhnungszentrums mehrmals schon hingewiesen. Nicht nur, dass die Tunnel als Waffen- und Warenlager genutzt werden – Terroristen haben ganze Waffenfabriken und Foltergefängnisse unter der Erde angelegt. Manche unterirdischen Wege sind so gut ausgebaut, dass sie mit Fahrzeugen befahren werden können.

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    Brunnen ohne Wasser

    Auch die Sowjetarmee musste einst Erfahrungen im Kampf gegen die Guerillas aus den Tiefen der Erde machen. Im Afghanistankrieg nutzten die Mudschahedin die sogenannten Kanats als Versteck, also weitläufige Bewässerungsbrunnen mit mehreren Schächten und Ebenen.

    Die Geheimverstecke ausfindig zu machen, hatten die sowjetischen Soldaten schnell gelernt. Doch wie sollte man der Kämpfer habhaft werden, die sich darin verbargen? Halfen laute Rufe in den Brunnen, mit der Aufforderung sich zu ergeben, nicht, wurden die Anlagen mit Sprengstoff und Granaten buchstäblich zugeschüttet.

    Die Sowjets ließen sich sogar bestimmte Tricks bei der Sprengung einfallen. Etwa: Ein Sprengsatz wurde auf den Boden des Brunnens hinabgelassen, ein anderer währenddessen direkt am Eingang angebracht. Wurden die beiden Sprengladungen gleichzeitig gezündet, konnte die Druckwelle sich nicht nach außen, sondern nur innerhalb der Schächte ausbreiten. Selbst in den letzten Schlupfwinkeln wurden so Dschihadisten erfasst und getötet.

    Das größte Tunnelnetz der Afghanen reichte 400 Meter tief in einen 4000 Meter hohen Berg hinein: Der Höhlenkomplex Tora-Bora. Das war ein echter Stützpunkt der Mudschahedin, samt Waffen- und Munitionslagern, Kommandobunker und Kasernen. Hier soll sich vor seinem Tod auch der Al-Qaida-Anführer Osama bin Laden aufgehalten haben.

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    Die US Air Force setzte bei ihrem schwersten Angriff gegen die unterirdische Festung im Jahr 2017 ihre größte konventionelle Bombe ein: die 9,5-Tonnen-schwere GBU43.

    Meister des Untergrunds

    Als wahre Könner des Untergrundkampfs hatten sich aber vorher schon, vor dem Krieg in Afghanistan, die Vietnamesen erwiesen. Schon als sie gegen die französischen Kolonialtruppen kämpften, hatten sie ausgeklügelte Tunnelnetze angelegt, die sie dann im Krieg gegen die Amerikaner ausbauten und perfektionierten. Gegraben wurde dabei mit fast bloßen Händen – mit Spaten und Spitzhacken.

    Hunderte GIs starben von Hand der „Geister“: Nach einigen Schüssen gegen die US-Einheiten verschwanden die Vietcongs buchstäblich unter der Erde. 1966 gründete das US-Militär sogar ein Spezialkommando für den unterirdischen Kampf.

    Die „Tunnelratten“, wie die Spezialteams genannt wurden, hatten hauptsächlich den Auftrag, die unterirdischen Gänge von innen zu verminen und zu sprengen. Eine Aufgabe nicht für jedermann: Für die Tunnelratten wurden ausschließlich Freiwillige rekrutiert. Schmal und klein mussten sie vor allem sein, weil ein durchschnittlich großer GI durch die engen Erdlöcher nicht durchgepasst hätte.

    Die Tunnelratten kämpften mit wechselndem Erfolg. Die Vietcongs waren sehr kreativ, was die Abwehr der Eindringlinge anging: Sie wurden mit Granaten in Stücke gerissen, im Grundwasser ersäuft, von Schlangen und Skorpionen vergiftet… Wie gesagt: Kein Job für Zartbesaitete. Von den 100 Tunnelratten kehrten meist nur 50 von den Einsätzen zurück.

    Letztlich mussten die GIs aufgeben – die US Air Force trat auf den Plan. In der Gegend mit dem meistverzweigten Tunnelnetz von Vietnam, dem sogenanntenEisendreieck, wusste die amerikanische Luftwaffe nicht anders vorzugehen, als die unterirdischen Anlagen durch massive Flächenbombardements buchstäblich umzupflügen. 

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    Tags:
    Untergrundkämpfer, Tunnel, Terroristen, Vernichtung, Partisanenarmee, IS, Libanon, Vietnam, Syrien, Afghanistan