04:24 21 April 2019
SNA Radio
    Ex-Taliban-Kämpfer in Afghanistan (Archiv)

    „Nicht die harte Tour“ – Taliban wollen Image verbessern

    © AFP 2019 / Hoshang Hoshimi
    Politik
    Zum Kurzlink
    Marcel Joppa
    101137

    Die Taliban spielen in Afghanistan eine entscheidende Rolle: Ohne die radikal-islamistische Vereinigung ist eine friedliche Lösung in dem Land wohl kaum möglich. Jetzt machen sich die Islamisten anscheinend Sorgen über ihr schlechtes Image. Ein Sprecher kündigte nun an, den Kurs künftig ändern zu wollen.

    Im Zusammenhang mit den Friedensgesprächen in Afghanistan bemühen sich die radikal-islamischen Taliban um eine Verbesserung ihres Rufs. Derzeit arbeiten US-Unterhändler und Vertreter der Taliban an einer Vorbereitung der Gespräche:

    "Wenn es zum Frieden kommt und die Taliban zurückkehren, wird es nicht auf dieselbe harte Tour sein wie 1996."

    Das sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid gegenüber Reuters. Damals hatten die Taliban nach einem jahrelangen Bürgerkrieg die Kontrolle über die Hauptstadt Kabul übernommen und eine totalitäre Herrschaft ausgeübt. Musik und Tanz waren ebenso verboten wie Schulen für Mädchen. Frauen mussten in der Öffentlichkeit Burka tragen. Kleinste Verstöße gegen die Scharia wurden mit hohen Strafen geahndet. Im Fußballstadion Kabul führten die Taliban öffentliche Hinrichtungen durch.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Afghanistan: Russland eifert USA nicht nach – Moskau<<<

    Keine Rache der Taliban?

    2001 wurden die Taliban mit Unterstützung der US-Armee aus Kabul vertrieben. Die Taliban betonten jetzt erneut, sie seien gegen die Anwesenheit ausländischer Truppen in Afghanistan:

    "Wenn sie einmal weg sind und ein Friedensvertrag erreicht ist, wird eine landesweite Amnestie verkündet."

    Niemand, weder die Polizei noch die Armee, Regierungsbeamte oder sonst jemand würde Racheakte der Taliban erleben.

    Es herrscht Skepsis…

    Bei vielen Afghanen stößt diese Ankündigung allerdings auf Skepsis. Er glaube nicht, dass sich ihre Denkart verändert habe, sagte ein Sprecher der Afghanischen Unabhängigen Menschenrechtskommission laut n-tv:

    "Sie haben aber erkannt, dass sie ohne Respektierung der Menschenrechte von der internationalen Gemeinschaft nicht akzeptiert werden."

    Viele Afghanen glauben nicht daran, dass die Taliban ihre rigiden Positionen aufgegeben haben und rechnen eher mit einer Rückkehr der strengen islamistischen Herrschaft. Für einige konservative Afghanen in den ländlichen Gebieten sind die Taliban jedoch kein großes Übel. Sie versprechen Stabilität und die Durchsetzung traditioneller islamischer Regeln – das kommt bei der afghanischen Landbevölkerung gut an. Taliban-Sprecher Mudschahid bestätigte, seine Vereinigung wolle die Einhaltung kultureller und religiöser Regeln. Und die Taliban sei gegen den fremdartigen Kleidungsstil bei Frauen, der in das Land gebracht worden sei.

    Taliban drohen weiter

    Die radikalislamischen Taliban hatten die USA noch vor wenigen Tagen gewarnt, sie würden dasselbe Schicksal in Afghanistan erleiden wie die Sowjetunion in den 80er Jahren. In einer Botschaft zum 39. Jahrestag der sowjetischen Invasion am Hindukusch forderten die Taliban kurz nach Weihnachten den vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan. Andernfalls drohe den USA eine "Demütigung" wie damals der Sowjetunion, hieß es.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Fataler US-Bericht: Kabul kontrolliert nur die Hälfte Afghanistans<<<

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Truppenabzug, Friedensvertrag, Taliban, Afghanistan, USA