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18:04 20 Juli 2019
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    Vertreter der Taliban-Bewegung in Kabul

    Widersprüchliche Signale der Taliban in Afghanistan – Gewalt und Schuleröffnung

    © REUTERS / Mohammad Ismail
    Politik
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    Andreas Peter
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    In Afghanistan fährt die islamistische Taliban offenbar einen differenzierten Kurs als Antwort auf eine Offensive des afghanischen und US-Militärs. Während aus Provinzen im Norden und Süden des Landes schwere Zwischenfälle mit mehreren Toten gemeldet werden, haben die Taliban im gleichen Moment mit Behörden an der Eröffnung einer Schule mitgewirkt.

    Auf mindestens 17 beziffern afghanische Behörden derzeit die Zahl der Todesopfer von zwei Anschlägen innerhalb von zwei Tagen auf Sicherheitskräfte des Staates in der nördlichen Provinz Baghlan und der südlichen Provinz Kandahar. In beiden Fällen bekannte sich die radikalislamische Taliban zu den Angriffen.

    Obwohl die Taliban nahezu täglich Regierungseinrichtungen in Afghanistan angreifen und dabei neben Militär- und Sicherheitsangehörigen auch viele Zivilisten töten oder schwer verletzen, werden die Attacken der zurückliegenden zwei Tage vor allem auch als eine Reaktion auf die Offensive der afghanischen Armee gewertet, die zusammen mit US-Truppen gezielt lokale Kommandeure der Taliban-Einheiten angreift.

    Taliban arbeiten mit staatlichen Behörden beim Schulaufbau zusammen

    Der Druck auf die Taliban scheint zumindest in einigen Landesteilen zu einer gewissen Kooperationsbereitschaft zu führen. So melden afghanische Behörden, aber auch die Taliban selbst, über ihren Sprecher Sabiullah Mudschahid, dass in Helmand, der Nachbarprovinz von Kandahar, wo am Dienstag sechs Soldaten in einer Militärbasis durch die Taliban getötet worden waren, eine Schule eröffnet wurde.

    Helmand ist seit mehreren Jahren de facto in der Hand der Taliban. Sie hätten also eigentlich keinen Grund, staatliche Behörden zu unterstützen. Dennoch erklärte ihr Sprecher Mudschahid nun: „Wir sind bereit, im nationalen Interesse Afghanistans weitere Schulen zu eröffnen.“ Das gelte auch für Mädchenschulen, ergänzte Mudschahid zur Freude der afghanischen Behörden und zu einigem Erstaunen auswärtiger Beobachter. Bislang haben die Taliban gnadenlos Schulen und Lehrer angegriffen und vor allem die schulische Bildung für Mädchen sabotiert. Nun räumte Taliban-Sprecher Mudschahid ein, dass seine Organisation mit dem Staat in den Provinzen Helmand, Urusgan oder selbst Kandahar bei der Neueröffnung von Schulen zusammenarbeite.

    Nach Syrien nun bald auch Rückzug der US-Truppen aus Afghanistan?

    Ob dies auch Auswirkungen auf einen etwaigen Friedensprozess hat, wagt derzeit niemand zu prognostizieren. US-Präsident Donald Trump hat die angrenzenden Staaten der Region aufgefordert, sich in Afghanistan zu engagieren. Das hat Spekulationen befördert, wonach der Präsident nun auch für Afghanistan einen überraschenden Abzug seiner Truppen ankündigen wolle. Allgemein wird davon ausgegangen, dass ein Rückzug der US-Truppen einen Domino-Effekt für alle anderen ausländischen militärischen Kräfte nach sich ziehen und sehr wahrscheinlich ein erneutes Machtvakuum schaffen würde. Die Bundeswehr darf laut Mandat des Bundestages mit bis zu 1.300 Soldaten und anderem Personal in Afghanistan aktiv sein. Dieses Mandat endet am 31. März.

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    Tags:
    Konfliktregelung, Schulen, Truppenabzug, Terroristen, Taliban, Pentagon, Donald Trump, Kandahar, Mittelasien, USA, Afghanistan