09:59 22 Januar 2019
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    Nord Stream 2: US-Botschafter droht deutschen Firmen – Zeitung

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    Politik
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    Der US-Botschafter in Deutschland Richard Grenell soll an mehrere deutsche Unternehmen, die am Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 beteiligt sind, warnende Briefe geschickt haben. Ihr Text soll der Zeitung „Bild am Sonntag“ vorliegen.

    Laut dem Blatt warnt Grenell in seinen Schreiben vor US-Sanktionen, sollten die Firmen sich weiter an dem Projekt beteiligen.

    Die Pipeline bringe ernsthafte geopolitische Auswirkungen für europäische Partner der USA mit sich, soll es im Brief heißen. Nord Stream 2 sowie Turk Stream würden den bisherigen europäischen Gas-Import über die Ukraine überflüssig machen, wodurch diese an sicherheitspolitischer Bedeutung verlieren würde.

    Damit steige die Gefahr russischer Interventionen. Zudem mache sich die EU in der Energiesicherheit von Russland abhängig.

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    „Im Ergebnis untergraben Firmen, die den Bau beider Pipelines unterstützen, aktiv die Sicherheit der Ukraine und Europas”, soll Grenell betont haben.

    „Wir betonen, dass Firmen, die sich im russischen Energieexport-Sektor engagieren, sich an etwas beteiligen, das ein erhebliches Sanktionsrisiko nach sich ziehen könne”, soll er gewarnt haben.

    Der Zeitung zufolge wurden derartige Briefe an mehrere deutsche Unternehmen wohl in Abstimmung mit verschiedenen US-Behörden verschickt, die das als Erpressung werten.
    Die Briefe sollen im Auswärtigen Amt auf Unverständnis gestoßen sein, so die Zeitung. Grenells Vorgehen entspreche nicht den diplomatischen Gepflogenheiten. Offiziell habe sich das Außenministerium jedoch noch nicht geäußert.

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    „Der Brief ist nicht als Drohung aufzufassen, sondern als klare Botschaft der US-Politik", zitierte die „Bild" einen Sprecher Grenells.

    Zuvor war berichtet worden, dass Bundesaußenminister Heiko Maas erneut den Widerstand der USA gegen die im Bau befindliche Gaspipeline Nord Stream 2 zurückgewiesen hatte. Diese stelle keinen deutsch-russischen Sonderweg dar. Maas sprach sich zudem für eine enge Zusammenarbeit mit Moskau aus. „Fragen der europäischen Energiepolitik müssen in Europa entschieden werden, nicht in den USA“, sagte der SPD-Politiker auf dem Neujahrsempfang des Ostausschusses und Osteuropavereins der deutschen Wirtschaft in Berlin.

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    Nord Stream 2 soll wie Nord Stream 1 Gas aus Russland durch die Ostsee nach Deutschland leiten. Bisherige Transitstaaten wie die Ukraine werden damit umgangen, was dort für heftige Kritik sorgt.

    Gegen das Projekt machen mehrere Länder Front. Dazu gehört unter anderem die Ukraine, die um ihre Einnahmen aus dem Transit russischen Gases bangt. Die russische Seite hatte wiederholt erklärt, dass es sich um ein rein wirtschaftliches Projekt handle und keinen Stopp des Gastransits durch die Ukraine bedeute.

    Auch die USA haben sich wiederholt gegen den Bau von Nord Stream 2 ausgesprochen und gedroht, die europäischen Partnerunternehmen Russlands bei diesem und anderen Pipelineprojekten mit Sanktionen zu belegen. US-Präsident Donald Trump hat nach Verhandlungen mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin erklärt, die USA wollten mit Nord Stream 2 konkurrieren, indem sie Flüssiggas nach Europa liefern würden.

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    Tags:
    Nord Stream 2, Wirtschaft, Gas, Politik, Sanktionen, Nord Stream 2, Richard Grenell, Deutschland, USA, Russland, Ukraine