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    Crew des US-Raketenzerstörers USS Vella Gulf während Wintermanövers (Archivbild)

    Bald am Nordpol: US Navy fährt sich in Eisschollen fest

    © Foto: U.S. Navy / Mass Communication Specialist Seaman Brian Glunt
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    Seien wir ehrlich, das Pentagon hat die Arktis verschlafen. Die Strategen haben die Notwendigkeit verkannt, die Handlungsfähigkeit der US-Marine in der Nordpolarregion auszubauen. Jetzt wollen die Vereinigten Staaten sich als Arktismacht behaupten, schreibt das Portal „Swobodnaja pressa“. Doch die Erfolgsaussichten sind ziemlich gering.

    Die Navy will in den kommenden Monaten ein Kriegsschiff in die Arktis entsenden, sagte der US-Marineminister Richard Spencer im Interview mit der Zeitung „The Wall Street Journal“. „Das Konzept ist, da oben hinzufahren“, erklärte Spencer laut dem Blatt. Die Pläne seien in laufender Vorbereitung. Die Mission unter dem Namen FONOP soll die „Freiheit der Navigation“ in den arktischen Gewässern sichern.

    Welches Schiff konkret, die Arktis „sichern“ soll, sagte der ranghohe Pentagon-Beamte nicht. Es wäre jedenfalls das erste Mal, dass die US-Marine „im Namen der Navigationsfreiheit“ in die Region fährt.

    „Als Russland die Arktis in den Neunzigerjahren sich selbst überlassen, die ganzen Flugplätze, Navigations- und Radaranlagen verlassen hatte, dachten die Amerikaner sich um dieses Gebiet nicht sonderlich kümmern zu müssen“, sagt Generaloberst Leonid Iwaschow von der Akademie für geopolitische Probleme laut dem Portal.

    Die USA betrachteten traditionell jeden Ort auf unserem Planeten als ihr Interessengebiet, sagt der Experte. Jetzt aber seien sie damit konfrontiert, dass es sehr wohl Kräfte gebe, die ihre Interessen in der Region zu schützen bereit seien. Nur: „Einen Flugzeugträger kann man in die Barentssee nicht schicken. Ohne die Eisbrecher, die die USA nicht haben, würde er sich dort im Eis festfahren.“

    Auch Richard Spencer, der Marineverantwortliche des Pentagons, sagte im Zeitungsinterview, die Kriegsschiffe der US Navy seien darauf nicht ausgelegt, in den eisigen Gewässern zu fahren. In der Praxis hieße das: „Die Mannschaften der US-Kriegsschiffe müssen beispielsweise den Rumpf, die Waffenanlagen, die Hubschrauberlandedecks von Hand vom Eis befreien. Und auch für die Navy Seals wäre das Eiswasser kein Spaß. Deshalb ist zumindest auf kurze Sicht nicht zu erwarten, dass ein US-Schiff in die Arktis kommt“, sagt der Experte Iwaschow laut dem Portal.

    Die Navy plane außerdem, einen früheren Stützpunkt in Adak auf Alaska zu reaktivieren, sagte Spencer im Zeitungsinterview. Laut dem Portal wurde die Basis 1997 stillgelegt, derzeit könnten dort Seefernaufklärer zwischenlanden und nur wenige Kampfschiffe aufgenommen werden.

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    Insofern ist hinter die „Arktisfähigkeiten“ der Navy ein großes Fragezeichen zu setzen, schreibt „Swobodnaja pressa“. Die geplante Mission der US Navy ist kaum mehr als ein Testversuch. Richard Spencer sagt selbst, es gehe dabei darum, ausführliche Informationen darüber zu bekommen, wie die verschiedenen Schiffe der US Navy unter Arktisbedingungen funktionieren.

    Was die Einsatzmöglichkeiten in der Polarregion angeht, ist Russland wesentlich weiter. „Ohne jahrelange Praxis und Erfahrung ist es unmöglich die Arktis zu erschließen. Russland hat das Gebiet Zentimeter für Zentimeter erforscht. Das erkennt man nicht nur an den Landkarten, sondern auch an der ungeheuren Expertise der Russen in dieser Region. Und die russische Eisbrecherflotte kann die arktischen Gewässer zu jeder Jahreszeit befahren“, sagte der russische Polarforscher Dmitri Schparo dem Portal.

    Neben Eisbrechern für zivile Zwecke entwickelt Russland auch eisfeste Schiffe fürs Militär: Die Klasse 23550 soll einem Zerstörer gleichkommen. Das erste Schiff dieser Klasse – die „Iwan Panin“ – wird für 2021 erwartet. Hauptwaffen: Kalibr-Raketen und 76-mm-Deckkanonen in Tarnkappentechnologie.

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    Tags:
    Truppenentsendung, Dominanz, Eisbrecher, Weltmacht, Kampf, Kriegsschiffe, Eskalation, U.S. Navy, Arktis, USA, Russland