SNA Radio
    die Frische Nehrung, Polen (Archiv)Polens Panzer während der NATO-Übungen (Archiv)

    Nato-Insel vor Kaliningrad? So erweitert Polen sein Territorium

    CC BY-SA 2.0 / Krzysztof Belczyński / Krynica Morska © Foto : Cpl. Madis Veltman/Estonian army
    1 / 2
    Politik
    Zum Kurzlink
    3724300
    Abonnieren

    Schon in zwei Jahren könnte unweit von Kaliningrad eine künstliche polnische Insel entstehen. Die Marineverwaltung der Stadt Gdynia hat inzwischen eine Ausschreibung für entsprechende Bauarbeiten auf der Frischen Nehrung ausgerufen. Wer das Projekt umsetzen wird, wird im März bekanntgegeben.

    Es handelt sich dabei um eine künstliche Insel im Frischen Haff, südöstlich vom Kanal, der durch die Frische Nehrung gebaut werden soll.

    Den Kanal gibt es noch nicht – das Projekt zu seinem Bau wurde ins Leben gerufen, damit Polen einen offenen Zugang zur Ostsee bekommt. Aktuell verläuft der einzige Schifffahrtsweg zwischen den polnischen Häfen und der Ostsee durch das russische Binnengewässer im Gebiet Kaliningrad. Voraussichtlich wird der Kanal durch die Frische Nehrung 1,3 Kilometer lang und fünf Meter tief sein, so dass kleinere Seeschiffe den Hafen Elbląg erreichen könnten.

    Der Name der künftigen polnischen Insel ist noch unbekannt – auf den Landkarten des Projekts wird sie einfach als „künstliche Insel“ bezeichnet. Sie wird aus Schlick und Sand aufgeschüttet, die beim Ausheben des Kanals gewonnen werden. Die Insel wird fast zwei Kilometer lang und 1,2 Kilometer breit sein. Sie wird etwa zwei bis drei Meter über dem Meeresspiegel liegen und eine Fläche von 181 Hektar haben. Die Kosten des Vorhabens werden auf etwa 234 Millionen US-Dollar geschätzt. Allerdings zeigen sich viele Experten diesbezüglich pessimistisch und halten diese niedrige Summe für unrealistisch.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Führung der Nato-Speerspitze – Deutsche Soldaten an vorderster Front gegen Russland?<<<

    Andere Details dieses Projekts wurden nicht veröffentlicht. Bekannt ist lediglich, dass die Insel für Besucher bzw. Touristen geschlossen sein wird.  Dadurch entstehen allerdings diverse Verschwörungstheorien hinsichtlich der künftigen Bestimmung der künstlichen Insel.

    Sehr umstritten finden dieses Projekt auch Umweltexperten, die negative Folgen durch die Bauarbeiten für die regionale Tier- und Pflanzenwelt fürchten.

    Übrigens wird das nicht die erste künstliche Insel in Polen sein. In der Danziger Bucht gibt es schon das Objekt Formosa, das von Deutschland während des Zweiten Weltkriegs errichtet wurde. Damals wurden dort Torpedos hergestellt und getestet. Im russischen Hoheitsgewässer im Gebiet Kaliningrad liegt die künstliche Insel Nassypnoi, die in den 1930er Jahren ebenfalls von den Deutschen errichtet wurde. Die neue polnische Insel wird allerdings 100 Mal größer sein.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Moskau: Nato zieht Truppen an Russlands Grenze zusammen<<<

    Der Sprecher der Regierung des Gebiets Kaliningrad, Dmitri Lyskow, zeigte sich in einem Interview für Sputnik überzeugt, dass es sich um eine PR-Kampagne handele, denn die polnischen Behörden wollen den Abfall, der beim Ausheben des Kanals entstehen werde, auf diese Weise entsorgen und dadurch Geld sparen. Zugleich verwies er darauf, dass der Kanalbau mit der EU-Kommission noch nicht vereinbart worden sei.

    Der Politologe Nikolai Topornin von der Moskauer Hochschule für internationale Beziehungen (MGIMO) sagte, dass die neue Insel als eine Art „Argument“ in der internationalen Arena genutzt werden könnte. „Die Informationen über den Insel-Bau lassen sich als Versuch bewerten, die Reaktionen der Öffentlichkeit zu testen. Mit künstlichen Inseln verbundene Fragen sind im Völkerrecht noch nicht geregelt, und ihre Regelung könnte mit der Verschiebung von territorialen und wirtschaftlichen Grenzen verbunden sein. Und das müsste mit Nachbarländern, gegebenenfalls mit Russland, abgesprochen werden“, betonte der Experte.

    Nicht auszuschließen ist auch folgende Version: Die Insel und der Kanal durch die Frische Nehrung könnten Teil der Nato-Infrastruktur werden. In Elbląg befindet sich nämlich der Stab der „Nord-Ost“-Division der Allianz sowie der Stab einer von vier polnischen Heeres-Divisionen. In Warschau behauptet man, dass der Kanalbau Schiffen den Zugang zu Elbląg ermöglichen soll. Aber aus der Sicht von realen Güterbeförderungen wäre das vor allem für die Entwicklung der militärischen Infrastruktur günstig. Deshalb scheint dieses Projekt ein alternativer Weg für die Versorgung des dortigen US-Militärstützpunktes zu sein, ohne wirtschaftliche Aufgaben als solche zu erfüllen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Bau, Insel, EU-Kommission, NATO, Frische Nehrung, Frisches Haff, Polen, Russland