17:42 14 Juli 2020
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    Die Vorzeichen waren klar – auch in Berlin sah man das Scheitern des Brexit-Deals im Unterhaus wohl kommen. Doch was nun? Der Wiener Politologe und Experte für Europapolitik, Dr. Stefan Brocza, erwartet, dass die Briten zu hoch pokern und dann ungewollt in einen ungeordneten Brexit schlittern.

    Das Einzige, worauf sich das britische Parlament derzeit wohl einigen könne, sei, dass es „Nein“ sagt, meint der Experte für Europarecht und Internationale Beziehungen, Stefan Brocza, im Sputnik-Interview. Es habe sich schon seit mehr als zwei Jahren abgezeichnet, dass die britische Regierung und auch das britische Parlament nicht wirklich wissen, was sie nach diesem Brexit wollen und wie sie aus der Union geordnet austreten könnten oder sollten.

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    „Chaos an den Grenzen“

    Das läuft für den Politologen Brocza auf einen „Hard Brexit“ hinaus: „Es wird dann so lange gepokert, getrickst und versucht, etwas auszuhandeln, dass man dann völlig überrascht in eine Situation schlittert, die man nicht wirklich will.“

    Großbritannien habe sich in den letzten Jahren nicht wirklich als Meister der Verhandlung erwiesen. Das Problem sei, „dass sie bis heute nicht sagen, was sie stattdessen wollen. Das wird auch in den nächsten drei Tagen nicht passieren. Wenn ich aber nicht weiß, was ein Partner will, dann kann ich auch schlecht mit ihm verhandeln. Ich fürchte immer mehr, dass wir in einen ungeordneten Brexit kippen, der dann wahrscheinlich nach zwei, drei Wochen gelöst wird. Ich würde mich Ende März auf ein Chaos an den Grenzen einrichten.“

    Über 3,6 Millionen EU-Bürger in GB direkt betroffen

    Das wäre aber nicht die einzige Auswirkung eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union. Der Aufenthaltsstatus von über 3,6 Millionen EU-Bürgern in Großbritannien ist nicht wirklich geregelt.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: „Wahnsinn hat sich durchgesetzt“ – Reaktionen deutscher Politiker auf Brexit-Votum<<<

    Schätzungsweise 17 bis 20 Prozent aller Flüge in der EU könnten am 30. März nicht fliegen, so Brocza, wenn es kein Übergangsabkommen gebe. Betroffen seien nicht nur Flüge zwischen Großbritannien und dem Kontinent, sondern auch Flüge, die innerhalb der EU stattfinden, sobald sie durch ein britisches Flugunternehmen durchgeführt würden. In Großbritannien selbst würden jetzt schon Hamsterkäufe beginnen, und grenzüberschreitende Zahlungen ließen sich nicht mehr durchführen. Auch der Wirtschaftsexperte der Linksfraktion im Bundestag, Klaus Ernst, warnt im Sputnik-Interview:

    „Da werden Zulieferketten gekappt. Plötzlich haben wir Riesenstaus von Güterverkehr an den Grenzen. Wir haben natürlich auch die Probleme mit dem Personenverkehr. Wir haben vor allem Dingen aber auch die Probleme in Irland: Dass zwischen Nordirland und Irland wieder eine Grenze entsteht, die jahrzehntelang zu Konflikten, auch bewaffneter Art, geführt hat. All das ist nicht wünschenswert.“

    Das komplette Interview mit Dr. Stefan Brocza zum Nachhören:

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    Tags:
    Menschen, Folgen, Scheitern, Verhandlungen, Brexit, Großbritannien