04:55 15 November 2019
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    Wladimir Putin (1L) und Xi Jinping (1R) während der Fahrt in einem chinesischen E-Zug (Archivbild)

    Bündnis Russlands mit China? So eng stehen die Schlüsselpartner beieinander

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    Der Handelsumsatz Russlands mit China hat 2018 mit 107 Milliarden Dollar ein Rekordniveau erzielt, berichtete kürzlich die Allgemeine Zollverwaltung Chinas. Nur ein Beispiel der bisher erfolgreichen Superpartnerschaft. Seit Russlands bedingter Entfremdung vom Westen ist China unter anderem zum wichtigsten politischen Partner Russlands geworden.

    Russland baut Exporte nach China aus

    Mit 107 Milliarden US-Dollar Handelsumsatz schaffte es Russland mit einem Wachstumstempo von ca. 28 Prozent auf den ersten Platz unter den größten Handelspartnern Chinas hinsichtlich der Handelsentwicklung.

    Den Zollangaben zufolge stieg das Exportvolumen aus China nach Russland um 12 Prozent und betrug damit etwas 48 Milliarden Dollar. Die Importe russischer Waren und Dienstleistungen nach China stiegen um 43 Prozent auf 59 Milliarden US-Dollar.

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    Russlands Handelsumsatz mit China in den Jahren 2010 bis 2018, in Millionnen US-Dollar
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    Russlands Handelsumsatz mit China in den Jahren 2010 bis 2018, in Millionnen US-Dollar

    Die Hauptexporte Chinas nach Russland entfallen auf die elektromechanische und Leichtindustrie, Russland lieferte dagegen zum Großteil Öl, Kohle, Holz und landwirtschaftliche Waren. So hat der gesamte Handelsumsatz Russlands mit China ein das Gesamtvolumen des russisch-deutschen Handelsumsatzes von 60 Milliarden Euro merklich übertroffen.

    „Russland und China sind sich angesichts der aggressiven Politik des Westens viel näher gekommen“

    Seit vielen Jahren zählt Russlands Präsident Wladimir Putin China zum wichtigsten wirtschaftlichen Partner, seit einigen Jahren aber auch zum strategischen Schlüsselpartner Russlands. Ende Dezember bestätigte der chinesische Botschafter Li Hui gegenüber der „Russsichen Zeitung“, Russland und China seien sich angesichts der aggressiven Politik des Westens viel näher gekommen. Bei Aggression gehe es nicht nur um Sanktionen und Handelskriege, sondern auch um Versuche, einen Keil zwischen die beiden Länder zu treiben. Am Donnerstag sagte die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, die Beziehungen zwischen Russland und China seien vom Welt-Wandel nicht betroffen. „Keine äußeren Kräfte können unsere bilateralen Beziehungen beeinträchtigen, die zu einem Vorbild geworden sind“, so Chunying.

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    Während seines 19. Besuches in China im Juni 2018 wies Putin darauf hin, dass die stabile Kooperation mit China nach wie vor eine der höchsten Prioritäten Russlands sei und nun ein beispielloses Niveau erreicht habe. Infolge der Verhandlungen unterzeichneten Putin und der Staatschef Chinas Xi Jinping eine gemeinsame Übereinkunft, um die Zusammenarbeit der beiden Länder „auf ein qualitativ neues Niveau“ anzuheben.

    Es geht um das strategische globale und regionale Gleichgewicht

    Viel Wert legen Moskau und Peking auf die Gewährleistung eines globalen und regionalen strategischen Gleichgewichts sowie die Stabilität, da „einige Staaten unter dem Vorwand der Raketenbedrohung einseitig Raketenabwehrsysteme in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum einsetzen“, geht aus der Übereinkunft hervor. Die USA setzen in der Pazifikregion in Absprache mit ihren Verbündeten Südkorea und Japan Luftabwehrsysteme ein, wobei sie die Interessen Russlands und Chinas umgehen. Laut Wladimir Putin und Xi Jinping schadet dies den strategischen Sicherheitsinteressen der regionalen Staaten inklusive Russland und China.

    Selbst der Austritt der USA aus dem INF-Vertrag ziele darauf ab, amerikanische Waffen näher an das Territorium eines potenziellen und möglicherweise wirklichen Gegners zu bringen”, bemerkte der Chef des Außenausschusses des Föderationsrates, Konstantin Kossatschow, gegenüber Sputnik. Zum einen sei dies Russland, und zum anderen China.

    2017 verkaufte Moskau laut Rosoboronexport den Chinesen Waffen und militärische Ausrüstung in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar, darunter Su-35-Flugzeuge, Flugabwehrsysteme S-400, Kamow-Hubschrauber und Triebwerke.

    • Ein Bahntransport mit chinesischem Militärgerät vor dem Start der Übung „Wostok 2018“
      Ein Bahntransport mit chinesischem Militärgerät vor dem Start der Übung „Wostok 2018“
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    • Militärübungen zwischen Russland und China (Archiv)
      Militärübungen zwischen Russland und China (Archiv)
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    • Militärmanöver Wostok-2018
      Militärmanöver Wostok-2018
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    • Großmanöver Wostok-2018 im Fernen Osten
      Großmanöver Wostok-2018 im Fernen Osten
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    Ein Bahntransport mit chinesischem Militärgerät vor dem Start der Übung „Wostok 2018“

    Im September 2018 nahmen die Chinesen auch an „Wostok 2018“ („Osten 2018“), den größten Militärübungen seit 1981, in Transbaikalien mit 25.000 russischen Soldaten, über 7.000 Geräten, etwa 250 Flugzeugen und Hubschraubern teil. Dazu kamen 3200 chinesische Soldaten und 30 Flugzeuge. Das chinesische Verteidigungsministerium sprach von einem Rekordniveau des gegenseitigen strategischen Vertrauens.

    China verweigert USA das Recht auf Einmischung in russisch-chinesische Angelegenheiten

    Im September hatten die USA Sanktionen gegen die Abteilung für Truppenausbildung und —versorgung des Zentralen Militärrats Chinas und ihren Leiter Li Shanfu verhängt. Grund soll der Kauf von russischen Su-35-Kampfflugzeugen und S-400-Luftabwehrsystemen durch China gewesen sein.

    Als Gegenreaktion soll der stellvertretende Außenminister Chinas Zheng Zeguan laut dem Chinesischen Zentralen Fernsehen dem US-Botschafter Terry Branstad übermittelt haben, die Vereinigten Staaten hätten kein Recht, sich in die militärische Zusammenarbeit der beiden souveränen Staaten einzumischen. „Durch seine Handlungen hat Washington grob gegen die grundlegenden Normen des Völkerrechts verstoßen und seinen Hegemonismus voll zum Ausdruck gebracht“, so Zeguan. Er versprach, dass China alle notwendigen Maßnahmen zum Schutz seiner nationalen Interessen ergreifen würde, falls die USA die Sanktionen nicht zurückziehen würden.

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    Seit langem befürchten die US-Medien, dass ein militärpolitisches Bündnis Russlands mit China, eine Art „Östliche Entente“, imstande wäre, den USA sowie der Nato entgegenzuwirken. Laut „Hill“ liegen die Vorteile eines potenziellen Bündnisses darin, dass die Länder keine existenzielle Bedrohung füreinander darstellen. Sie hätten nicht die Absicht, sich gegenseitig ihr politisches System aufzudrängen, während der Westen seine Ideologie als die einzig wahre fördere.

    Dazu unterstütze China das Sanktionsregime gegen Russland und den Iran nicht, verwies der Experte für Weltwirtschaft der Moskauer High School of Economics, Igor Kowaljow, gegenüber Sputnik. Es wäre aber zu früh, von einer „Östliche Entente“ zu sprechen. Dass die USA Moskau und Peking offen zu ihren strategischen Rivalen erklärt hätten und nun eine Art hybriden Krieg gegen China führen würden, scheint ein Schlüsselfaktor für die weitere Annäherung zu sein, so der Experte.

    Russland als Bindeglied im Handel zwischen Europa und Asien

    Im Herbst 2019 soll die neugebaute Eisenbahnbrücke über den Fluss Amur die ersten Güterzüge aufnehmen und den Norden Chinas mit dem russischen Schienennetz verbinden. Das Projekt sei Teil des Plans von Wladimir Putin, Russland zu einer Landtransitverbindung im Handel zwischen Asien und Europa zu machen. Er hat kürzlich ein Infrastrukturprogramm unterzeichnet, das insbesondere den Ausbau der

    Transsibirische Eisenbahn über dem Fluss Jenissej in Krasnojarsk, Russland
    © REUTERS / Ilya Naymushin
    Transsibirische Eisenbahn über dem Fluss Jenissej in Krasnojarsk, Russland

    und des Containerterminals an der Grenze zu China vorsieht. In sechs Jahren soll der Transit von Zügen aus den Industriezentren Chinas nach Wien, Duisburg oder Paris um das Sechsfache zunehmen.

    „Sieben Tage“ werde die Reise eines Containerzugs von Wladiwostok zur westlichen Grenze Russlands dauern, verspricht Wladimir Putin. Während ein Container auf dem günstigeren Seeweg einen Monat von China nach Deutschland braucht, würde der etwas teurere Zug diese Strecke in ungefähr zehn Tagen zurücklegen.

    2018 reduzierte China seine Direktinvestitionen in die Wirtschaft der USA, Kanadas und der EU aufgrund erhöhter inländischer Aufsichtskontrolle um 73 Prozent bis auf ein Minimum von 30 Milliarden US-Dollar, geht aus den Angaben der Anwaltskanzlei Baker McKenzie hervor. Gleichzeitig gewährleisten bilaterale Investitionsabkommen chinesische Investitionsströme in große Infrastrukturprojekte Russlands im Rahmen der „Belt and Road“-Initiative.

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    So werden Russland und China zu natürlichen Verbündeten, deren gemeinsames Ziel die Umstrukturierung globaler Wertschöpfungsketten und die Bildung einer polyzentrischen Welt ist. Gleichzeitig stimmt die chinesische „Belt and Road“-Initiative mit russischen Projekten zur Entwicklung der wirtschaftlichen Vernetzung im Großraum Eurasien überein, verweist der Professor der High School of Economics und Eurasien-Forscher Glenn Diesen in Papieren des Diskussionsklubs Waldai. Für die Teilhabe am Projekt „Belt and Road“ hatte die Universität Peking kürzlich Moskau als besten Partner Chinas verkündet.

    Antirussische Sanktionen seien sowohl für Russland als auch für den Westen unrentabel und würden zudem Russlands Fähigkeit zur Diversifizierung seiner wirtschaftlichen Beziehungen schwächen, so der Experte. Letztendlich schade das Kräfteverhältnis China-Russland dem Westen, der diese Länder zunehmend als Rivalen sehe.

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    Eisenbahnbrücke, Luftabwehrsysteme, Abwehrmittel, Militärbündnis, Flugzeuge, Verteidigung, Hubschrauber, Wostok 2018, Wostok-2018, Rosoboronexport, NATO, Li Hui, Hua Chunying, Wladimir Putin, Xi Jinping, Waldai, Wladiwostok, Transbaikalien, Peking, Japan, Südkorea, USA, Moskau, Russland, China