14:13 24 Juni 2019
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    Russischer Raketenkomplex „Iskander-M“, der mit den Raketen 9M729 aufgerüstet sein kann (Archiv)

    „Foreign Policy“: Diese Waffen Russlands sind schlimmer als Atomwaffen

    © Sputnik / Stringer
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    Die mit konventionellen Sprengköpfen bestückten russischen Raketen sind laut der US-Zeitschrift „Foreign Policy“ tödlicher als die Atomwaffen Russlands, und die USA machen einen großen Fehler, wenn sie sich aus dem Vertrag über das Verbot von Raketen und Marschflugkörpern mit kürzerer und mittlerer Reichweite (INF-Vertrag) austreten.

    Der mögliche INF-Austritt könne sich als nachteilig für die USA erweisen, weil dies Russland ermöglichen würde, neue bodengestützte Raketen mit konventionellen Sprengköpfen in Stellung zu bringen und offen eine Massenproduktion von konventionellen Varianten der 9М729-Rakete oder ähnlicher Systeme in Gang zu bringen.

    Würden diese von den Gebieten im Westen Russlands abgefeuert, könnten solche Raketen Ziele fast überall in Europa treffen. Würde Russland es nicht mehr nötig halten, die im INF-Vertrag vorgesehenen Einschränkungen einzuhalten, könnte es relativ kostengünstige mobile Startanlagen anstelle von teuren Schiffen oder Flugzeugen einsetzen, um die konventionellen Stoßkräfte auszubauen.

    Dies werde Russland ermöglichen, eine ziemlich starke abschreckende Wirkung zu erzielen. Sollte es zum Einsatz dieser Stoßkräfte kommen, könnte Russland den Nato-Ländern ernsthaften Schaden zufügen. Dabei habe das Land es nicht nötig, sein Nuklearpotenzial auszubauen.

    Der Aufbau des eigenen konventionellen Potenzials würde für Russland die größte Belohnung sein, für den Westen jedoch würde sich dies als die größte Bedrohung erwiesen. Aus diesem Grund sollten sich die USA gut überlegen, bevor sie aus dem INF-Vertrag austreten und damit in eine potenzielle Kremlfalle tappen.

    Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des INF-Vertrags hätten sich die beiden Seiten nicht so sehr darüber Gedanken gemacht, dass das Dokument auch die mit den konventionellen Sprengköpfen bestückten Raketen verbieten werde, weil diese als zweitrangig im Gegensatz zu deren nuklearen Varianten gegolten hätten, heißt es in dem Artikel. Jedoch hätten einige Leute schon damals erkannt, über welches Potenzial hochpräzise konventionelle Waffen verfügen könnten.

    Dabei erinnert die Zeitschrift an die Äußerung des ehemaligen Generalstabschefs der sowjetischen Streitkräfte, Nikolai Ogarkow. Der hätte im Jahr 1984 die Ansicht vertreten, hochpräzise Raketen mit erhöhter Flugreichweite könnten die Vernichtungswirkung der konventionellen Waffen drastisch erhöhen, was diese hinsichtlich der Wirksamkeit letztendlich ganz nah an die Atomwaffen bringen würde.

    Anfang Dezember 2018 hatte der US-Außenminister Mike Pompeo gesagt, Russland habe 60 Tage Zeit, um „die Einhaltung des INF-Vertrages wiederaufzunehmen“. Sonst werde Washington seine Verpflichtungen zu dem Abkommen aussetzen.

    >> Weitere Sputnik-Artikel: USA fordern von Russland Vernichtung der Raketen 9M729

    Die US-Vizeaußenministerin für Waffenkontrolle und internationale Sicherheit, Andrea Thompson, hatte Russland aufgefordert, entweder auf die Langstreckenrakete 9M729 (Nato-Code SSC-8) zu verzichten oder deren Reichweite zu verringern. Die USA sehen diese Änderung als Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des INF-Vertrages an.

    In den letzten Jahren werfen Moskau und Washington einander regelmäßig vor, gegen den INF-Vertrag zu verstoßen. Dieser 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossene Abrüstungspakt sieht die Abschaffung aller bodengestützten, nuklear bestückbaren Raketen mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern vor.

    >> Weitere Sputnik-Artikel: 9М729-Rakete doch unterhalb verbotener Reichweite? Moskau sieht USA in Erklärungsnot

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    Tags:
    INF, Konventionelle Waffen, Atomwaffen, Andrea Thompson, Mike Pompeo, USA, Russland