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22:34 20 September 2019
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    Supporters of Serbian President and Russian President Vladimir Putin wait for their arrival in front of Belgrade's Saint Sava Church on January 17, 2019. Russian President Vladimir Putin on January 17, 2019 called for stability in the Balkans during a pageantry-filled visit to Serbia, a key Moscow ally in a tense region on Europe's edge. Although Serbia and all of its neighbours aspire to join the European Union, Belgrade has nurtured close ties with Russia, its historical Orthodox big brother whose people also share Slavic origins. VLADIMIR ZIVOJINOVIC / AFPAlexandar Vucic und Xi Jinping in Peking, 16. Mai 2017

    USA im Tiefschlaf: Moskau und Peking umgarnen „wichtigstes Land auf dem Balkan“

    © AFP 2019 / Vladimir Zivojinovic © AFP 2019 / DAMIR SAGOLJ
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    Serbien ist laut dem US-Magazin „The National Interest“ (NI) eines der strategisch wichtigen Länder auf dem Balkan, doch Washington ignoriert es unverdienterweise schon seit über 20 Jahren. Dem NI-Beobachter Gordon Bardos zufolge nutzen Russland und China diese Situation aus, indem sie ihre Beziehungen zu Belgrad aktiv entwickeln.

    „Der Besuch von Wladimir Putin in Belgrad wirft eine interessante Frage auf – ob es möglich sein könnte, dass China und Russland erfolgreich in Serbien eindringen, indem sie die Gleichgültigkeit von Washington ausnutzen?“, schreibt Gordon Bardos.

    Nach seinen Worten sprechen die Ziffern für sich selbst. Der letzte US-Präsident, der einen Besuch in Belgrad abgestattet hatte, war Jimmy Carter im Jahr 1980. Putin dagegen besuchte Serbien seit seinem Machantritt bereits das vierte Mal. Darüber hinaus hat er sich mindestens 14 Mal mit dem serbischen Präsidenten Alexandar Vucic getroffen.

    Die Russen sind nicht die einzigen, die in den letzten Jahren „um die Neigung“ Belgrads ringen. Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Xi Jinping, hatte Serbien 2014 einen offiziellen Besuch abgestattet und plant in diesem Jahr einen neuen Besuch. Insgesamt hat der Staatschef des Reiches der Mitte mit Vucic fünf Mal bilaterale Verhandlungen geführt, merkt der Autor des Artikels an.

    Ihm zufolge existieren mehrere Faktoren, die den Unterschied bei der Herangehensweise der Weltmächte gegenüber Serbien erläutern. Erstens sei ein großer Teil der US-Politik auf dem Balkan ein Erbe aus den 1990er Jahren. Damals waren die US-Behörden inklusive US-Präsident Bill Clinton und Vize-Präsident Al Gor sich sicher, dass eine Unterstützung der Muslime in der Region die Positionen Washingtons in der islamischen Welt verbessern würde.
    Allerdings hätten die Terrorakte vom 11. September 2001, die auch von bosnischen Islamisten organisiert und finanziert wurden, die Mängel einer solch „naiven Herangehensweise“ offenbart.

    Darüber hinaus zeigen Umfragen der öffentlichen Meinung in der arabischen und muslimischen Welt im Laufe von vielen Jahren einen hohen Grad an Misstrauen gegenüber Amerika, abgesehen von dessen militärischen Einmischungen auf dem Balkan.

    Die zweite Ursache, warum Vertreter von Peking und Moskau so häufig nach Belgrad kommen, bestehe darin, dass sie sich gut in der Geographie auskennen. Die wichtigen Land- und küstennahen Korridore zwischen Westeuropa und dem östlichen Mittelmeerraum sowie zwischen Ostsee und Agäis verlaufen durch Serbien. Die Chinesen verstehen dies natürlich und deshalb nähern sich ihre Investitionen in das Land zehn Milliarden Dollar an.

    Die USA konzentrierten sich innerhalb der letzten mehr als zwanzig Jahre auf die Länder Bosnien und Kosovo, die rein geographisch nachrangig sind, oder auf Mazedonien und Montenegro – hauptsächlich deshalb, um ihren Eintritt in die Nato zu erlangen, betont der Experte.

    Drittens entstehe der Eindruck, dass das US-amerikanische außenpolitische Establishment nicht verstehen will, wie stark sich die internationale Situation in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Die Vereinigten Staaten seien – wie sich Madelaine Albright ausdrückte – keine „unersetzbare Nation“ mehr, und es sei unbekannt, ob sie je eine solche gewesen sei. In der modernen multipolaren Welt hätten kleine Länder eine politische, wirtschaftliche und strategische Wahl.

    „Mit anderen Worten dulden die Natur und die Außenpolitik kein Vakuum. Und wenn Washington mit dem einen oder anderen Land nicht zusammenarbeiten will, werden andere Staaten die Stellen von Partnern oder Investoren besetzen“, erläutert Bardos.

    Ausgehend von diesem Standpunkt sei schwer zu verstehen, wie ein abschätziges Verhältnis der USA zu Belgrad ihre außenpolitischen Interessen voranbringen könne. Präsident Obama war bereit, mit langjährigen Gegnern seines Landes wie Kuba und Vietnam zu verhandeln, und Trump stimmte den Verhandlungen mit Kim Jong-un zu. Doch 25 Jahre nach den Balkan-Kriegen bevorzuge Washington immer noch, zu den serbischen Behörden eine „angemessene Entfernung“ aufrechtzuhalten.

    In dieser Herangehensweise gebe es keine strategische Logik, sie zeige aber, dass die US-Politik auf dem Balkan „eine Geisel besonderer Interessen und ethnischer Lobbys“ bleibe. Die sähen den eigenen Vorteil darin, einen möglichst großen Keil zwischen die Beziehungen zwischen Amerika und Serbien zu treiben.

    Eine derartige Kurzsichtigkeit gefährde die Annäherung von Washington und Belgrad. Als Hauptbeispiel dafür diene, dass Medien Serbien öfters als „russischen Vorposten“ darstellen.

    Als Beispiel dafür könnten die Beziehungen zwischen Serbien und der Nato gelten. Wie der Militäranalytiker John Cappello betonte, seien die Beziehungen von Belgrad und der nordatlantischen Allianz „nie fester gewesen“.

    Bardos zufolge gilt das Gleiche für die Beziehungen Serbiens zur EU. „Es ist schwer zu verstehen, was die Vereinigten Staaten gewinnen, wenn sie das strategische und politische Feld Serbien an Peking und Moskau abtreten (…). Wenn das Verständnis von Stabilität auf dem Balkan nicht nur die Ausführung von Forderungen der lokalen Washingtoner Kundschaft beinhalten soll, wird eine breitere Herangehensweise an die Amts- und Geschäftsführung in der Region erforderlich sein“, räsoniert der Autor des Artikels.

    „Während Putin erneut Belgrad besucht, müssten die US-Behörden sorgfältig über die Verbesserung der Beziehungen zu diesem strategisch wichtigsten Land auf dem Balkan nachdenken“, schloss Gordon Bardos.

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    Indifferenz, sich einleben, Besuch, The National Interest, Gordon Bardos, Kim Jong-un, Alexandar Vučić, Bill Clinton, Jimmy Carter, Wladimir Putin, Xi Jinping, Balkan, USA, Serbien, Russland, China