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    Emmanuel Macron und Angela Merkel (r.) bei Unterzeichnung des Aachener Vertrags

    Macron: „Wir lieben unsere Vaterländer, aber wir lieben auch Europa!“

    © REUTERS / Wolfgang Rattay
    Politik
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron haben die deutsch-französische Freundschaft beschworen. Damit wollen die beiden Staatschefs in Zeiten von Brexit, Populismus und Trump ein Zeichen setzen. Allerdings auch in der gemeinsamen Verteidigungspolitik.

    Auf den Tag genau 56 Jahre nach Unterzeichnung des Élysée-Vertrages haben Deutschland und Frankreich einen neuen Freundschaftspakt besiegelt. Im Krönungssaal des historischen Aachener Rathauses setzten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron ihre Unterschriften unter den neuen deutsch-französischen Vertrag.

    In dem Vertrag legen Deutschland und Frankreich ihre Zusammenarbeit in unterschiedlichen Bereichen fest. Das soll die Europapolitik betreffen. Beide Länder wollen sich für eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik einsetzen. Auch die ökonomische Integration der beiden Volkswirtschaften soll vertieft werden.

    Merkel: Dieser neue Vertrag muss gelebt werden

    Merkel betonte in ihrer Rede, mit dem „Aachener Vertrag“ werde das Fundament der Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern erneuert. Dies sei notwendig. Das heutige Europa sei nicht mit dem Europa vor 56 Jahren zu vergleichen. Mit Großbritannien werde erstmals ein Land die EU verlassen, der Multilateralismus weltweit werde in Frage gestellt. Deutschland und Frankreich müssten zukünftig in Bereichen wie Bildung, Digitalisierung und Wirtschaft Taktgeber sein.

    „Wir bekräftigen, dass wir die großen Herausforderungen unserer Zeit Hand in Hand angehen wollen“, erklärte die Bundeskanzlerin. Merkel hob zudem die militärische Zusammenarbeit und den gegenseitigen Beistand im Falle eines Angriffs hervor. Die deutsch-französische Freundschaft sei inzwischen tief in den beiden Gesellschaften verwurzelt. Aber sie mahnte auch: „Dieser neue Vertrag, der muss gelebt werden“.

    Macron: Kein Imperium, sondern demokratisches Projekt

    Macron betonte, die Liebe zur Heimat und die europäische Integration seien keine Widersprüche: „Wir lieben unsere Vaterländer, aber wir lieben auch Europa“. Es gehe nicht um den Traum von einem neuen Imperium, sondern um ein demokratisches Projekt. Deutschland und Frankreich müssten ihre Verantwortung für Europa wahrnehmen.

    Rund vier Monate vor der Europawahl warnte Macron vor den Gefahren für das europäische Projekt, etwa durch den britischen EU-Austritt und den Nationalismus. Er lobte in seiner Rede ausdrücklich Merkel, die immer zu Frankreich und Europa gestanden habe.

    Am Rande der Unterzeichnung gab es in Aachen Proteste der „Gelbwesten“: Rund 120 Demonstranten versammelten sich in Sichtweite des Aachener Rathauses. Sie forderten etwa billigere Mieten und mehr soziale Gerechtigkeit. Laut Polizei handelte es sich bei den Protestierenden überwiegend um deutsche Staatsbürger. 

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    Tags:
    Freundschaftsvertrag, Unterzeichnung, EU, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Aachen, Europa, Deutschland, Frankreich