22:22 21 April 2019
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    Schiffsverkehr in der Kertsch-Straße (Archivbild)

    Ex-Diplomat: Ist freie Schifffahrt in Straße von Kertsch in Gefahr?

    © Sputnik / Infozentrum "Krim-Brücke"
    Politik
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    Nikolaj Jolkin
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    Das Ziel der heiklen Mission von Heiko Maas in Russland und in der Ukraine war laut dem Ex-Diplomaten Nikolai Platoschkin, dass man in Kiew Deutschland endlich mal in Ruhe lässt.

    Man bombardiere Europa mit Hilferufen, sagte Platoschkin im Sputnik-Gespräch: „Retten Sie uns! Die freie Schifffahrt im Asowschen Meer und in der Straße von Kertsch ist in Gefahr! Tun Sie etwas!“ Nun hat der deutsche Außenminister etwas getan. Kam nach Moskau, dann nach Kiew.“

    „Worin besteht aber der Blödsinn dieser Situation?“, fragt sich Platoshkin und antwortet: „Täglich passieren Dutzende Schiffe die belebte Straße von Kertsch, jährlich sind es einige Tausend. Der freie Schiffsverkehr wird von allen überwacht, die daran teilnehmen. Die Mehrheit dieser Schiffe sind von EU-Mitgliedsstaaten gemietete Frachter. Würde diesen Schiffen etwas zustoßen, während sie die Straße von Kertsch durchlaufen, ich kann Ihnen versichern, hätten sie unabhängig von Heiko Maas, seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow und dem ukrainischen Außenminister Pawel Klimkin die Sache längst vor Gericht gebracht.“

    Hätte man ihnen die Einfahrt in die Seestraße verweigert, so der Experte, würden für sie hohe finanzielle Verluste entstehen, die sie nicht hinnehmen würden, sondern sich gleich an ein Handelsgericht wenden. „Auch das Europäische Parlament erklärte in seinem Beschluss, als die Ukraine im vergangenen Herbst Alarm schlug:,Schiffe werden zwar von der Russischen Föderation im Asowschen Meer kontrolliert, aber sie ist dazu berechtigt‘. Punktum.“

    Werden Deutschland und Frankreich die freie Schifffahrt in der Straße von Kertsch kontrollieren?

    Dass dies zwischen Merkel und Putin vereinbart worden ist, hat Lawrow bei der Abschlusspressekonferenz mit seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas geäußert. Jedoch könnte die Beteiligung der Ukraine an der Überwachung im Rahmen des Normandie-Formats zum Stolperstein werden. Ob Russland darin einwilligt? Dem Diplomaten Platoschkin kommt diese Frage komisch vor. „Die umstrittene Seestraße ist ja keine internationale, bei der jedermann alles kontrollieren darf, ohne sich eine Erlaubnis holen zu müssen.“

    Die Straße von Kertsch führt nämlich zum Asowschen Meer, das historisch bedingt ein Binnengewässer von Russland und der Ukraine ist, so der Experte weiter. „Mit welchem Recht will Deutschland, das keine Partei des Vertrages über die gemeinsame Nutzung des Asowschen Meeres von 2003 ist, bei den Vertragspartnern etwas kontrollieren?“ Als Beispiel führt Platoschkin die Großen Seen an, die Kanada und den USA gehören. „Man kann sich leicht denken, wie das US-Außenministerium auf einen Wunsch Russlands reagieren würde, dort etwas zu überwachen… Möchte Deutschland etwas im Asowschen Meer kontrollieren, dann sollen deutsche Diplomaten dort mit Schiffen fahren, die von deutschen oder österreichischen Unternehmen gemietet sind.“

    Unsere ukrainischen "Brüder" haben sich in die Ecke gedrängt, stellt Platoshkin fest.

    „Die Straße von Kertsch ist ziemlich eng. Und wenn beide Ufer der damaligen Sowjetunion gehörten, lag das Fahrwasser, die Strecke also, auf der die Schiffe die Seestraße passierten, geografisch der Stadt Kertsch näher. So wollte es das Schicksal. Auf der russischen Seite liegt dort die Mündung eines mächtigen Flusses. Der trägt viel Schluff mit. Das Fahrwasser dort ist immer schluffig. Deshalb erfüllte der Hafenkapitän von Kertsch stets die Dispatcherfunktion für Schiffe, die durch die Seestraße fuhren.“

    Nach dem Zerfall der Sowjetunion habe die Ukraine diese Funktion übernommen, erläutert der Experte, da Kertsch nun in ihrem Hoheitsgebiet lag. „Sie beachtete Russland gar nicht, da sich die Schiffe von Kertsch aus leichter navigieren lassen, weil das Fahrwasser näher daran verläuft. Nach der Wiedervereinigung der Krim mit Russland blieb es beim Alten. Derselbe Hafenkapitän von Kertsch, nur ein russischer, nimmt die Dispatcherfunktion wahr.“

    Daran änderte sich jahrzehntelang nichts, so Platoschkin. „Die Geografie ist halt gegen den Wandel. Das Normandie-Format will die Ukraine aber einbeziehen, um zu zeigen, dass die Krim ein umstrittenes Gebiet ist. Doch beschränkt sich das Normandie-Format nur auf das Territorium von Donbass. Es hat ein genau festgelegtes Mandat. Es ist für die Überwachung der Erfüllung der Minsker Abkommen zuständig, in denen sowohl die Krim als auch das Asowsche Meer mit keinem Wort erwähnt werden. Von daher ist der Versuch, die Krim mit dem Donbass in einen Zusammenhang zu bringen, einfach lächerlich.“

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    Tags:
    Schifffahrt, Schiffsverkehr, Provokaitonen, Kontrolle, Krim-Brücke, Auswärtiges Amt, Außenministerium der Ukraine, Bundesregierung, Außenministerium Russlands, Heiko Maas, Pawel Klimkin, Angela Merkel, Sergej Lawrow, Wladimir Putin, Straße von Kertsch, Asowsches Meer, Krim, Deutschland, Frankreich, Russland, Ukraine