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    Ostdeutschland mehrheitlich skeptisch: Wenig Vertrauen in Demokratie und Politik

    © AFP 2019 / John Macdougall
    Politik
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    30 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigen sich immer noch große Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Laut einer aktuellen Umfrage haben Menschen im Osten deutlich weniger Vertrauen in Demokratie und Politik, als im Westen. Auch spielen in den neuen Bundesländern Herkunft und Migration eine deutlich größere Rolle.

    Ist die Demokratie in Deutschland die beste Staatsform? Vor allem Menschen im Osten der Republik haben dies in einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts mehrheitlich verneint. Die Erhebung zeigt: Nur 42 Prozent der Befragten in Ostdeutschland sind von der in Deutschland gelebten Demokratie überzeugt. Im Westen sind es über 77 Prozent. Auch das Wirtschaftssystem wird unterschiedlich bewertet: In Westdeutschland sind rund 48 Prozent davon überzeugt, es gebe kein besseres System als die Marktwirtschaft. Im Osten glauben das nur 30 Prozent der Befragten.

    Grundrechte nicht geschützt?

    Einen großen Unterschied gibt es auch bei der Bewertung der Staatsorgane. Das Vertrauen in den Staat und dessen Aufgabenerfüllung ist in Ostdeutschland deutlich geringer als in Westdeutschland. So vertrauen zwei Drittel der Westdeutschen, aber nur jeder zweite Ostdeutsche darauf, dass Grundrechte wie die Meinungsfreiheit wirksam geschützt sind. 56 Prozent der Westdeutschen, aber nur 39 Prozent der Ostdeutschen sind davon überzeugt, dass die Gerichte unabhängig und neutral urteilen.

    Eine ideologische Trennlinie…

    Und auch wenn die Wiedervereinigung mittlerweile drei Jahrzehnte zurückliegt, ist die Mehrheit der ostdeutschen Bevölkerung davon überzeugt, dass zwischen Ost und West ideologische und politische Trennlinien verlaufen. Ungleich wichtiger ist den Menschen in den neuen Bundesländern ihre Herkunft: Laut der Umfrage ist das nur für 26 Prozent der Westdeutschen, aber für 52 Prozent der Ostdeutschen eine der wichtigsten Trennlinien. Auch die politischen Einstellungen gelten im Osten als wichtiger: 46 Prozent der Westdeutschen, aber 63 Prozent der Ostdeutschen sind überzeugt, dass politisch besonders gravierende Trennlinien verlaufen.

    Streitpunkt Flüchtlingspolitik

    Auch die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung spielt regional eine unterschiedlich große Rolle und wirkt sich ebenso unterschiedlich auf das Wahlverhalten der Bevölkerung aus.  Die Allensbach-Umfrage zeigt dazu konkrete Zahlen: Demnach halten es 74 Prozent der Westdeutschen und 66 Prozent der Ostdeutschen für entscheidend, die Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge zu bekämpfen. In der Frage, ob man die Zuwanderung nach Deutschland begrenzen sollte, ist es umgekehrt: 65 Prozent der Westdeutschen halten das für besonders wichtig, in Ostdeutschland sind es 75 Prozent der Befragten.

    Immerhin ein guter Start…

    Für die Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurden zwischen Anfang und Mitte Januar dieses Jahres rund 1.250 Menschen in ganz Deutschland befragt. Bei einem Punkt lagen West- und Ostdeutschland dabei besonders nah beieinander: Für die Mehrheit aller Deutschen war das vergangene Jahr ein gutes Jahr, nur jeder Fünfte zieht für 2018 eine negative Bilanz. In das neue Jahr sind Ost- und Westdeutsche gleichermaßen gut gestartet, nur 14 Prozent in Ost und West haben Befürchtungen.

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    Tags:
    Neue Bundesländer, Migrationspolitik, Enttäuschung, Flüchtlingskrise, Demokratie, Rechtsruck, Allensbacher Institut für Demoskopie, CDU, Angela Merkel, Ostdeutschland, Deutschland