04:07 14 November 2019
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    Der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza

    Bahnt sich Krieg in Lateinamerika an? Venezuelas Außenminister im Exklusivinterview

    © REUTERS / Carlos Garcia Rawlins
    Politik
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    Der venezolanische Außenminister Jorge Arreaza hat in einem Interview für Sputnik die Lage in seinem Land eingeschätzt, nachdem Oppositionsführer Juan Guaidó am Mittwoch erklärt hatte, er wäre der Interimspräsident. Als solcher wurde er von den USA und Dutzenden anderen Ländern, auch von Deutschland, anerkannt.

    „Egal wie stark einige Regierungen uns zu einem Konflikt, zu einem Krieg provozieren — es wird nicht dazu kommen. In Lateinamerika herrscht vor allem der Geist des Friedens zwischen den verschiedenen Völkern“, betonte Arreaza hinsichtlich der von diversen Medien verbreiteten Befürchtungen, es werde Krieg in Lateinamerika geben.

    Er räumte ein, dass Auseinandersetzungen nicht ausgeschlossen seien, wobei ausländische Söldner und militante Formationen zum Einsatz kommen könnten. „Auseinandersetzungen zwischen Völkern“ seien jedoch ausgeschlossen, zeigte sich der venezolanische Außenamtschef überzeugt.

    „Wir wissen, dass man die politische Situation stabilisieren muss, wenn man in Lateinamerika oder auch anderen Regionen der Welt helfen will. Man muss sich auf die Verbesserung der Wirtschaftslage und auf die Befriedigung der Bedürfnisse des venezolanischen Volkes konzentrieren – trotz der Blockade, der Sanktionen und des finanziellen Drucks“, so Arreaza.

    Er gab sich sicher, dass die Länder, die den Parlamentsvorsitzenden Juan Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt haben, entsprechenden Anweisungen Washingtons gefolgt seien.

    „Es gibt ja das Sprichwort: Man muss wissen, wem der Zirkus gehört. Präsident Maduro hat gestern die Beziehungen mit dem Besitzer des Zirkus, den USA, abgebrochen. Und deren ‚Satelliten-Regierungen‘ folgen eben deren Anweisungen.“

    Arreaza äußerte aber die Hoffnung, dass die Regierung dieser Länder „ihr Volk, die lateinamerikanischen Völker und die diplomatischen Beziehungen in der Region respektieren werden.“

    „Aber falls das nicht passieren sollte, ist für uns offensichtlich, wer der Hauptunterhändler ist, der für alle spricht – die Regierung in Washington“, ergänzte der venezolanische Chefdiplomat.

    Er behauptete, dass hinter dem Machtsturz in Venezuela die US-Behörden stehen würden, die dieses Szenario für die venezolanischen Oppositionskräfte kreiert hätten.

    „Es sieht so aus, dass Machtstürze in Lateinamerika immer von den USA vorangetrieben wurden. Der bolivianische Präsident Evo Morales sagte einst, dass das einzige Land auf der gesamten Erdhalbkugel, wo es keinen Machtsturz gab, die USA seien, weil es in Washington keine US-Botschaft gebe“, so Arreaza. „In diesem Fall (…) steht die Regierung Präsident Trumps nicht hinter dem Machtsturz und brachte ihn nicht voran – sie steht in vorderster Reihe und diktierte den venezolanischen Rechten, aber auch ihren ‚Satelliten-Regierungen‘, die den USA gehorchen, das Szenario.“

    Dass Parlamentschef Guaidó als Interimspräsident anerkannt worden sei, könnte zu einem Vorwand für die Überlassung der in den USA auf Eis gelegten venezolanischen Aktiva an die Opposition werden, schloss Arreaza nicht aus.

    „So ist der Plan … Sie wissen, dass sowohl die politische Opposition in Venezuela als auch die USA am Ende des Tages gewisse finanzielle Interessen haben. Sie wollen Venezuelas Reichtümer sowie Aktiva im Ausland bekommen, vor allem das venezolanische Erdöl, unsere weltweit größten Vorräte“, sagte Arreaza.

    Die Frage sei, auf welchem legalen Fundament das getan werde. „Natürlich werden sie das versuchen, aber im Sinne welcher Gesetze? (…) Die US-Regierung ist es gewohnt, fremde Gesetze und Normen zu übersehen, und natürlich werden sie versuchen, irgendeinen illegalen Weg zu gehen“, zeigte sich der Minister überzeugt.

    Ferner hob er die Bemühungen der russischen Diplomatie hervor, die wochenlang das Vorgehen der Amerikaner in Venezuela verurteilte: „Sie äußerten diese Meinungen (…) unter Respektierung des Völkerrechts, der UN-Charta und ihrer wichtigsten Prinzipien.“

    Zugleich brachte Arreaza Caracas‘ Interesse an der Entwicklung von gemeinsamen Projekten mit Russland zum Ausdruck. „Die Kooperationsbeziehungen zwischen Russland und Venezuela waren immer tief und aufrichtig. In diesem Sinne wollten wir sie noch flexibler machen, um unsere Projekte voranzubringen – und aus unserer Sicht sollte das auch weiter so sein.“

    „Unsere bilateralen wirtschaftlichen, finanziellen, kommerziellen Beziehungen sollen sich fortsetzen und weiterentwickeln, auch vor dem Hintergrund der internationalen Blockade“, fügte der Minister hinzu. Nach seinen Worten sind aber wegen der Blockade gewisse Vergünstigungen nötig, damit die getroffenen Vereinbarungen umgesetzt werden können.

    Arreaza stellte fest, dass die russischen Behörden „immer bereit waren, Venezuela zu helfen und die Beziehungen zu pflegen, die auch für das russische Volk nützlich sind“.

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    Tags:
    Machtumsturz, Intervention, Rohstoffe, Putschversuch, Außenminister, Jorge Arreaza, Wladimir Putin, Nicolás Maduro, Hugo Chavez, Donald Trump, Juan Guaido, Russland, Lateinamerika, USA, Venezuela