20:44 26 Juni 2019
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    Unterstützer der ukrainischen Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko vor dem Zentralen Klinischen Krankenhaus in Kiew (Archivfoto)

    „Donbass mit Stacheldraht einzäunen“: Diese Frau greift nach der Macht in der Ukraine

    © Sputnik / Igor Tchekatchkov
    Politik
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    Liudmila Kotlyarova
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    Der neue Präsident soll Donbass und die Krim zurückbringen, hat die Präsidentschaftskandidatin Julia Timoschenko auf dem Forum ihrer nationalistischen Vaterlandspartei „Batkiwschtschina“ erklärt. Da „leben echte ukrainische Patrioten, die auf die Befreiung ihres Landes vom Feind warten“. Früher wollte sie Donbass mit einer Atombombe bestrafen.

    Die bisher populärste ukrainische Präsidentschaftskandidatin und Batkiwschtschina-Chefin Timoschenko hat kürzlich auf dem Parteiforum das Zurückgewinnen des Donbass und der Krim zu den Kernzielen ihrer erwünschten Präsidentschaft verkündet. Sie fügte hinzu, dies könnte mit Unterstützung des Westens gelingen. Es sei notwendig für die Ukraine, schnellstmöglich der Nato beizutreten und eine Armee nach deren Standards zu schaffen.

    „Auf der Krim und im Donbass leben echte ukrainische Patrioten, die auf die Befreiung ihres Landes vom Feind warten“, glaubt zudem Timoschenko. Um die beiden Territorien zurückzugewinnen, bräuchte sie nur 100 Tage statt der fünf Jahre Präsidentschaftsfrist. Sollte sie das nicht schaffen, wäre Timoschenko bereit, nach 100 Tagen abzutreten.

    Dabei wird gemunkelt, dass die frischgebackene Kandidatin noch 2014 den Donbass mit einer Atombombe bestrafen wollte. Es wurde im Netz die Aufnahme eines Telefongesprächs der damaligen Ministerpräsidentin Timoschenko mit dem Parlamentarier Nestor Shufrych verbreitet, in der mutmaßlich Timoschenko dazu aufruft, „die verdammten Katsapen (ukrainisches verachtendes Schimpfwort für Russen, Anm. d. Red.)“ samt ihrem Anführer mit einer Atombombe zu vernichten. Timoschenko hat dies weder bestätigt noch dementiert. Es folgten allerdings keine Atombomben, stattdessen hat es mehrere Luftangriffe der damals halbwegs intakten ukrainischen Luftwaffe auf Städte des Donbass gegeben. Infolge des Luftangriffs auf Lugansk am 2. Juni 2014 waren acht Menschen gestorben und 28 schwer verletzt worden. Darauf folgten im Sommer 2014 noch Luftangriffe auf Gorlowka und Dserschinsk mit wenigstens einem Todesopfer und acht Schwerverletzten.

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    Noch vor mehreren Jahren, im Jahre 2004, hatte die Ministerpräsidentin Julia Timoschenko viele Einwohner der Regionen Donezk und Dnepropetrowsk mit dem Vorschlag empört, diese mit Stacheldraht einzuzäunen und zu isolieren. Vor wem und warum, hatte sie damals nicht offengelegt. Doch hatte ihre Regierung vier Jahre später den Schulen den Gebrauch der russischen Sprache nicht nur im Unterricht, sondern auch im privaten Umfeld verboten, falls diese keine Minderheitensprachen unterrichten. Während der Orangen Revolution (November 2004 bis Januar 2005) soll sie laut den Medien gesagt haben, die Stadt Sewastopol in die Knie zwingen oder Odessa im Schwarzen Meer ertränken zu lassen. Später hat sie das jedoch dementiert.

    Es gab aber auch „Versöhnungsversuche“ mit Donbass-Einwohnern. Im März 2018 hatte die „Batkiwschtschina“ einen Gesetzentwurf vorbereitet, laut dem die Einwohner der Krim und des Donbass sich bei Kiew entschuldigen sollen. Als Alternative zur strafrechtlichen Verfolgung wurde vorgeschlagen, den „Schuldigen” die „Bürgerrechte zu entziehen“ sowie die Teilnahme an Wahlen und eine Beschäftigung in Staatsstrukturen zu verwehren. Von dem umstrittenen Gesetz hat seitdem keiner mehr etwas gehört.

    Wundersame Heilung in der US-Botschaft und Coelho-Affäre

    Unter Präsident Viktor Janukowitsch wurde die Ex-Ministerpräsidentin 2011 zu sieben Jahren Gefängnis wegen Überschreitung ihrer amtlichen Befugnisse verurteilt. Laut dem Gerichtsurteil hatte das ukrainisch-russische Gasversorgungs- und Transitabkommen, das sie angeordnet hatte, den vom Gasversorger Naftogaz vertretenen Staat einen Verlust von über anderthalb Milliarden Griwna (umgerechnet ca. 49 Millionen Euro) gekostet. Im Gefängnis habe sie eine Wirbelhernie erlitten, die starke Schmerzen verursachte, so dass sie sich kaum habe bewegen können, bestätigten ihre Ärzte.

    Kurz nach den Euromaidan-Geschehnissen im Februar 2014 hatte sie aber eine wundersame Heilung erlebt. Selbst vor den Maidan-Revolutionären erschien sie immer noch im Rollstuhl. Als sie aber Tage später in der US-Botschaft in Kiew eintraf, geschah ein Wunder — sie stand auf und ging, um sich mit dem US-Botschafter Jeffrey Payette sowie EU-Botschafter Jan Tombiński im Stehen fotografieren zu lassen.

    Im Februar 2017 berichteten die US-Medien unter Verweis auf die US-Berater Timoschenkos, sie habe auf Präsident Trump am Eingang zum WC-Raum in Washington gewartet, um mit ihm die ukrainische Lage zu besprechen. 

    Laut dem umworbenen Bestsellerautor Paulo Coelho sei Timoschenko „ein Mensch, der an der Spitze eines Staates stehen kann“. Im Jahr 2010 soll er in einem Video Timoschenko eine charismatische und starke Frau genannt und sich mit ihr zweimal getroffen haben. Dass die „Batkiwschtschina“ seine Worte mal für eine Doku über ihre Chefin verwenden wird, konnte er angeblich nicht vorhersehen. Heute dementiert Coelho, der Präsidentschaftskandidatin jegliche Unterstützung erwiesen zu haben. „Selbst wenn ich sie als Person mag, geht mich die ukrainische Politik nichts an“, sagte er, nachdem mehrere gemeinsame Fotos mit Timoschenko im Netz aufgetaucht waren.   

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    Die Präsidentschaftswahl in der Ukraine findet im März 2019 statt. Julia Timoschenko, die Vorsitzende der „Batkiwschina“, bleibt bisher laut den Meinungsforschungszentren mit 18 Prozent der Stimmen die beliebteste Kandidatin.

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    Tags:
    Präsidentschaftswahlkampagne, Bürgerrechte, Präsidentschaftskandidatin, Donbass-Krieg, Präsidentschaft, russischspachige Minderheiten, Präsidentschaftskandidat, Atombombe, Todesopfer, Donbass, Batkiwschtschina, Vaterland (Batkiwschtschina), Naftogaz, Jan Tombinski, Donald Trump, Jeffrey Payette, Julia Timoschenko, Viktor Janukowitsch, Osten der Ukraine, Dserschinsk, Gorlowka, Donbass, USA, Lugansk, Washington, Ukraine