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    Venezuela: Politologen analysieren Krise

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    Politik
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    Der Politologe und Professor am Colégio Militar de Porto Alegre, Diego Pautasso, hat sich zu den Ereignissen in Venezuela geäußert und unterstrichen, dass die politischen Kräfte – sowohl die venezolanischen als auch die äußeren – die Regierung zu stürzen versuchen, die eine Beziehung zum Chávez-Projekt besitzt.

    Er erinnerte an den versuchten Umsturz von 2001, an den Streik der Erdölarbeiter sowie an mehrere Situationen, infolge derer die Regierung zur Durchführung von Volksabstimmungen greifen musste.

    „Die offiziellen Dokumente der USA sind eindeutig feindlich zuerst gegenüber der Chávez-Regierung und jetzt auch gegenüber der von Maduro. Es ist offensichtlich, dass es um eine Belagerung des Chávez-Regimes seitens der venezolanischen traditionellen Eliten sowie der USA geht“, meint der Professor.

    Dies zeige sich in institutionellen und wirtschaftlichen Krisen, die zusammen mit den niedrigen Ölpreisen die Regierung von Nicolás Maduro in eine schwierige Situation gebracht haben.

    Der Politologe betonte, dass Maduro und seine Regierung immerhin eine starke Unterstützung im Inland hätten.

    „Sie (die chavistische Regierung – Anm. d. Red.) wurde durch Wahlen im Laufe von fast zwei Jahrzehnten geprüft und (…) hat praktisch alles gewonnen“, erinnerte der Professor, wobei er unterstrich, dass die Chavismus-Ideen von den ärmsten Bevölkerungsschichten geteilt würden, welche die heutige Opposition als einen Schritt zurück empfinden.

    Diego Pautasso warnte vor der Gefahr eines Bürgerkrieges in Venezuela und verurteilte die Position der brasilianischen Regierung, die Juan Guaidó als Präsident des Landes anerkannt habe.

    „Eine ziemlich unbesonnene Position (…). Kürzlich war Brasilien Vermittler gewesen (…). Heute ist alles umgekehrt. Wir treten gegen die Nachbarn, gegen das Land auf, dass eines unserer Haupthandelspartner war. Mir scheint das Ganze sehr riskant und imstande zu sein, einen rückläufigen und wenig erwünschten Effekt in Brasilien hervorzurufen.“

    Dem Professor der Universidade do Estado do Rio de Janeiro (UERJ), Rafael Araújo, der sich auf die auswärtigen Angelegenheiten und Venezuela spezialisiert, fiel auf, dass Venezuela gegenwärtig zwei Präsidenten habe, die von unterschiedlichen Ländern anerkannt seien, was die entstandene Situation äußerst unkalkulierbar mache.

    Alles könne in der nächsten Zeit entschieden werden: Entweder werde ein Bürgerkrieg ausbrechen oder Maduro werde seinen Posten verlassen oder neue Wahlen durchführen, meint der Experte.

    Der Professor erinnerte daran, dass Venezuela in den letzten 20 Jahren viele Krisen überstanden habe. Allerdings sei die Opposition nach Rafael Araújos Worten „noch nie so stark gewesen und habe nie so viel internationale Unterstützung gehabt“.

    Ähnlich wie Diego Pautasso betont Rafael Araújo, dass Maduro immer noch über eine Unterstützung in Venezuela verfüge.

    „Die beiden Seiten verfügen über eine große Stärke“, unterstrich der Fachmann und wies darauf hin, dass „Maduro die Unterstützung der Streitkräfte besitzt“, wobei Guaidó „über den Beistand seitens eines bedeutenden Teils der Medien und des Parlaments verfügt“.

    Sollten die Streitkräfte an der Seite von Maduro bleiben, halte ich es für wenig wahrscheinlich, dass Maduro fällt, ergänzte er.

    Araújo warnte auch vor der Gefahr einer Einmischung von außen her, nach dem Modell von Syrien, Libyen und dem Irak. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Position des brasilianischen Außenministeriums: „Unabhängig davon, ob Maduro als legitimer Präsident oder auch nicht anerkannt wird, müssen die Venezolaner ihre eigene Autonomie und internationale Unterstützung haben, um zu entscheiden, welchen Weg sie wählen.“

    Die gegenwärtige Situation im Nahen Osten zeige nach Ansicht von Araújo, „wie falsch es ist, wenn sich Länder in die innere Politik anderer Länder einmischen“.

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    Tags:
    Unterstützung, Krise, Präsident, Autonomie, Umsturz, Chávez-Regierung, Außenministerium Brasiliens, Universidade do Estado do Rio de Janeiro (UERJ), Colégio Militar de Porto Alegre, Rafael Araújo, Diego Pautasso, Juan Guaidó, Nicolas Maduro, Brasilien, Venezuela, USA