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    Opfer der Leningrad-Blockade

    Die Leningrader Tragödie – Ende der Belagerung von Leningrad vor 75 Jahren

    © Sputnik / Boris Kudoyarow
    Politik
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    Am 27 Januar 1944 wurde die Blockade Leningrads endgültig aufgehoben. In einer Diskussion am runden Tisch in Moskau besprachen Historiker, wie man die Erinnerung an die große Heldentat der Leningrader bewahren und den Versuchen widerstehen kann, die Geschichte umzuschreiben.

    Die Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht 1941 war eine der dunkelsten Seiten der Geschichte. Die Befreiung der Stadt ist ein wichtiges Datum für die Völker Russlands und die Weltgemeinschaft, weil in der belagerten Stadt Vertreter vieler Nationen ums Leben gekommen waren. 99.500 Blockade-Veteranen, die in St. Petersburg und in anderen Ländern der Welt leben, erhielten das Erinnerungsabzeichen „Zum 75. Jahrestag der vollständigen Befreiung Leningrads von der faschistischen Blockade“.

    Diejenigen, die in St. Petersburg wohnhaft sind, engagieren sich: Sie treffen sich mit Jugendlichen und erzählen, was sie durchlebt haben, sagte der Staatsduma-Abgeordnete Michail Romanow:

    „Leider gibt es Jahr für Jahr immer weniger Veteranen, deshalb sind ihre Erinnerungen so wichtig. Die heutigen Jugendlichen verfolgen die Geschehnisse hauptsächlich im Internet, wo die historischen Einschätzungen des Zweiten Weltkrieges oft verfälscht dargestellt werden. Die Veteranen gehen in die Schulen, treffen sich mit den Jugendlichen und beantworten ihre Fragen. Sie sind doch Augenzeugen jener Ereignisse, sie wissen, wer die Stadt gerettet und den größten Preis dafür gezahlt hat.“

    1965 erhielt Leningrad den Ehrentitel „Heldenstadt“. Wie der Experte der Russischen Historischen Gesellschaft, Andrej Petrow, meint, entspreche die Stadt am meisten all den Kriterien, nach denen die Sowjetregierung nach dem Zweiten Weltkrieg die Heldenstädte auswählte.

    „Leningrad ist nicht einfach ein Punkt auf der Landkarte, wo Kampfhandlungen geführt wurden. Das ist eine Stadt, die 872 Tage lang gekämpft, gelebt und gearbeitet hat — vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. Das ist der Hauptteil des Großen Vaterländischen Krieges und ein wesentlicher Teil des Zweiten Weltkrieges. Das ist nicht einfach eine Stadt, die sich den faschistischen Besatzern nicht ergeben hat. Das war ein strategisches Aufmarschgebiet, von dem die Rote Armee in nordwestlicher Richtung aufbrach und wo zwei Monate nach dem Durchbruch der Blockade die Befreiung Mittel- und Osteuropas begann.“

    Manchmal hört man Meinungen, dass es besser gewesen wäre, Leningrad wie Paris aufzugeben, dann wäre die Stadt unverletzt und die Menschen am Leben geblieben. Aber das sagen nur diejenigen, die die Geschichte nicht kennen, betont der wissenschaftliche Leiter der Russischen Militärhistorischen Gesellschaft, Michail Mjagkow. Bereits im September 1941 hatte Hitler die Aufgabe gestellt, Leningrad dem Erdboden gleichzumachen. Die Stadt, die in einem dichten Blockadering lag, wurde täglich bombardiert. Aber Leningrad hielt durch und bewahrte Menschlichkeit unter unmenschlichen Bedingungen. Die Menschen arbeiteten in den Betrieben und produzierten Rüstungserzeugnisse.

    „Das ist eine unglaubliche Heldentat. Ich würde irgendwo in New York, im Uno-Hauptquartier die letzten Worte aus dem Tagebuch der 11-jährigen Leningraderin Tanja Sawitschewa aufhängen: „Großmutter ist gestorben, Onkel Ljoscha ist gestorben, Mutter ist gestorben, nur Tanja ist geblieben.“ Die Menschen auf der ganzen Welt müssen wissen, was die Hitlerfaschisten auf der Erde angerichtet haben und was Leningrad durchgemacht hat. Vom strategischen Standpunkt aus gesehen hätte die Wehrmacht, falls Leningrad erobert worden wäre, einige Truppenteile in Richtung Zentrum, in den Kaukasus, verlegt. Wer weiß, wie in diesem Fall die Schlacht um Moskau und die Schlacht um Stalingrad ausgegangen wäre. Leningrad hat gewaltige Teile der deutschen Armee aufgerieben. Das ist das Verdienst der Leningrader Front und aller Einwohner Leningrads.“

    Beim Nürnberger Prozess wurde angegeben, dass infolge der Blockade Leningrads 630.000 Einwohner getötet wurden bzw. verhungerten. Nach anderen Angaben beträgt die Zahl der Opfer eineinhalb Millionen. Drei Prozent von ihnen wurden bei Luftangriffen getötet und 97 Prozent starben an Hunger. Wie der amerikanische Politikphilosoph Michael Walzer feststellt, „sind bei der Belagerung Leningrads mehr Zivilisten gestorben als in der Hölle von Hamburg, Dresden, Tokio, Hiroshima und Nagasaki zusammengenommen“.

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    Tags:
    Belagerung, Blockade, Krieg, Zweiter Weltkrieg, Leningrad, Sowjetunion, UdSSR, Russland