18:35 19 Februar 2019
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    Die Leningrad-Blockade

    Artikel der „Süddeutschen Zeitung“ zu Leningrad-Blockade empört russische Politiker

    © RIA Novosti . Boris Kudoyarov
    Politik
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    „Moskau missbraucht das Gedenken an Leningrad“ – so titelte die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag. Die Autorin nimmt Anstoß daran, dass Russland den 75. Jahrestag des Endes der Leningrad-Blockade mit einer Parade feiert und wirft Moskau vor, den Hungertod von Millionen Menschen zu verharmlosen. Russische Politiker reagieren empört.

    Eine Militärparade sende nicht das Signal des Mitgefühls und Gedenkens, sondern des Nationalstolzes, schreibt die Autorin Silke Bigalke.

    Zudem stellten die „Machthaber in Moskau“ die Belagerten bis heute als Helden dar, die den Deutschen tapfer widerstanden hätten. „Dass sich die Menschen vor Hunger kaum auf den Beinen halten konnten, dass sie Kleister und Katzen aßen und manche als Kannibalen bestraft wurden, wurde größtenteils erst in den Neunzigerjahren bekannt.“

    In ihrem Artikel unterstellt sie den Leningrader Stadtbehörden Untätigkeit und erinnert unter anderem an die Frage des kritischen TV-Senders „Doschd“, ob es nötig gewesen sei, die Stadt zu halten – auf Kosten Hunderttausender Leben.

    Am Ende kommt Bigalke zu dem Schluss, dass Russland heute die tragischen Ereignisse jener Zeit „verharmlose“, weil die Opfer der Blockade nicht freiwillig für ihre Heimat gestorben seien.

    Der russische Politiker Alexej Puschkow, Mitglied des Föderationsrates (Parlamentsoberhaus), übte heftige Kritik an dem Beitrag:

    „Nicht den deutschen Medien steht es zu, uns dafür zu kritisieren, wie genau wir den 75. Jahrestag des Durchbruchs der Leningrad-Blockade feiern“, twitterte Puschkow. „Sie sollten lieber schweigen.“

    ​Der Politiker empfahl deutschen Journalisten, stattdessen über die Schrecken der Blockade und unzählige Verbrechen des Deutschen Reichs gegen das russische Volk zu berichten.

    „Eine solche Kritik ist sowohl unangebracht als auch unmoralisch. Sie haben komplett das Augenmaß verloren.“

    Sergej Bojarski, ein Staatsduma-Abgeordneter aus Sankt-Petersburg, riet den deutschen Journalisten davon ab, sich in die inneren Angelegenheiten Russlands einzumischen.

    „Deren Meinung sollte uns am wenigsten interessieren, wenn es um unsere Feste geht“, so der Politiker.

    Der Vize-Vorsitzende des Staatsduma-Ausschusses für Verteidigung, Viktor Sawarsin, erklärte in einem Interview, dass das russische Parlament eine Reaktion von Deutschland verlangen werde.

    „Ich glaube, dass die deutsche Kanzlerin, die Regierung und das Außenministerium auf diesen Ausfall reagieren sollten. In diesem Fall bin ich mir sicher, dass die ganze Staatsduma das verurteilt“, sagte Sawarsin gegenüber dem Sender 360.

    Hinter solchen Beiträgen sieht der Politiker das Ziel, jeden Sieg des sowjetischen Volkes im Zweiten Weltkrieg zu verunglimpfen.

    „Der Durchbruch der Leningrad-Blockade ist ein verdienter Sieg des ganzen sowjetischen Volkes und der Stadtbewohner. Wir werden nach wie vor Paraden abhalten, die Helden der Blockade ehren und darüber sprechen.“

    Dafür müsse man jede Plattform nutzen: Mehr Bücher schreiben, mehr Filme drehen, Auftritte der Blockade-Überlebenden veranstalten.

     

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    Artikel, Militär, Blockade, Krieg, Süddeutsche Zeitung, Leningrad, Deutschland, Russland