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18:00 20 August 2019
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    Kurilen-Inseln

    Expertenmeinung: Japan hat Chance auf Südkurilen versäumt

    © Sputnik / Alexander Lyskin
    Politik
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    201205

    Japans Premierminister Shinzo Abe ist laut dem Wirtschaftsmagazin „Nikkei Asian Review“ nach seinem letzten Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin hinsichtlich des Territorialstreites leer ausgegangen. Dies zeuge davon, dass die Hoffnung Japans, in der nächsten Zeit eine Vereinbarung mit Russland zu erzielen, vergeblich ist.

    In Bezug auf den Territorialstreit habe Abe alles getan, was Russland von ihm erwarten konnte, in der Hoffnung, einen Deal zu erzielen und endlich einen Friedensvertrag zu vereinbaren, heißt es in einem Artikel von James Brown, Professor für Politikwissenschaft an der Temple University in Tokio.

    Unter anderem habe sich der japanische Premier bereit erklärt, die Verhandlungen auf der Grundlage der Gemeinsamen sowjetisch-japanischen Deklaration von 1956 zu führen, die die Übergabe von nur zwei Inseln – Habomai und Schikotan – an Japan vorgesehen hatte. Zudem soll Abe Putin laut Medienberichten versprochen haben, dort keine US-Basen unterzubringen, sollten die beiden Inseln zurückgegeben werden.

    Dennoch hätten diese Schritte seitens Japan die Position Moskaus in der Frage in keiner Weise beeinflusst. Nun sei es offensichtlich, dass Russland die Südkurilen nicht zurückgeben werde.
    Dies sei bereits vor den Verhandlungen zwischen Putin und Abe am 22. Januar klar gwesen, als der russische Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte, dass Russland und Japan noch weit davon entfernt seien, internationale Partner zu sein, und forderte, dass Japan die Souveränität Russlands über die Südkurilen anerkenne, schreibt Brown weiter.

    Die beste Gelegenheit, um die Südkurilen „zurückzubekommen“, habe es in den 1990er und frühen 2000er Jahren gegeben, als sich die russische Wirtschaft in einer tiefen Krise befand. Damals hätte Japan ein günstiges Abkommen als Gegenleistung für Hilfe erzielen können.

    >> Weitere Sputnik-Artikel: Japanische Regierung lehnt Putins Friedensvorschlag ab

    Ein weiterer „richtiger Moment“ sei die Zeit nach der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland gewesen: Damals sei Moskau angeblich offener für Verhandlungen gewesen, um aus der internationalen Isolation herauszukommen, fügt Brown hinzu.

    Japan sollte seine „Illusionen“ hinsichtlich des Territorialstreites aufgeben, und es sei besser, die Zusammenarbeit in solchen Bereichen wie Wirtschaft, Politik und Sicherheit weiterzuentwickeln.

    In der sowjetisch-japanischen Deklaration von 1956 wurde die beiderseitige Bereitschaft fixiert, einen Friedensvertrag zu schließen, worauf die Sowjetunion die Inseln Habomai und Schikotan an Japan übergeben sollte. Die Deklaration wurde von beiden Seiten ratifiziert, dann verzichtete Japan aber auf die Umsetzung der Deklaration und bestand darauf, dass alle vier Inseln – Kunaschir, Iturup, Schikotan und Habomai – als Bedingung für den Abschluss des Friedensvertrages an Japan übergeben werden.

    Diese Position hat Japan bis zuletzt beibehalten.

    Zwischen Russland und Japan gibt es bis heute keinen Friedensvertrag. Nach der Kapitulation des japanischen Kaiserreichs im Zweiten Weltkrieg war der gesamte Kurilen-Inselbogen an die Sowjetunion gefallen, was völkerrechtlich festgehalten wurde. Japan hält die südlichen Kurilen-Inseln Iturup, Kunaschir, Schikotan sowie die Inselgruppe Habomai für unrechtmäßig besetzt und fordert deren Rückgabe.

    Die japanische Seite nennt die Südkurilen „nördliche Territorien“ und erkennt die russische Souveränität nicht an. Moskau wiederum weist die Tatsache eines Territorialstreits von sich.

    >> Weitere Sputnik-Artikel: Territorial-Streit mit Russland: Japan will offenbar auf Entschädigung verzichten

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    Tags:
    Territorialstreit, Shinzo Abe, Sergej Lawrow, Wladimir Putin, Japan, Russland