00:03 24 April 2019
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    Frankreichs Panzer als Teil der NATO-Truppen in Europa, Estland (Archiv)

    Panzer rollen schneller: Macht RAIL BALTICA den Weg frei für Russland-Krieg 2026?

    © AFP 2019 / RAIGO PAJULA
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    Swobodnaja Pressa
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    Eine neue Bahnstrecke soll die baltischen Staaten besser an die Kern-EU anbinden: Die Rail Baltica. Offiziell geht es bei der neuen Schiene vor allem um verbesserte Logistik und Wirtschaftlichkeit. Dass die Trasse auch ganz anderen Zielen dienen soll, wird aber immer deutlicher.

    Die neue Bahnverbindung wird den Waren- und Personenverkehr zwischen den Baltischen Staaten und der Zentral-EU fördern – das war lange Zeit die offizielle Begründung der Projektinitiatoren für den Bau der Trasse, schreibt das Portal „Swobodnaja pressa“. Denn die Rail Baltica soll nahtlos an das europäische Schienennetz anknüpfen: Statt der Breitspur von 1520 mm, die in der Region üblich ist, entsteht eine Strecke mit einer Spurbreite von 1435 mm.

    Der insgesamt rund 800 km lange Schienenweg soll von Polen über Litauen, Lettland und Estland bis nach Finnland führen. Geplant ist, die neue Verbindung bis 2026 fertigzustellen. Die Baukosten werden auf sechs Milliarden Euro beziffert.

    Schon allein der veranschlagte Kostenaufwand lässt laut dem Portal Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Bauvorhabens aufkommen. Aber der russische Botschafter in Riga, Jewgeni Lukjanow, hat eine Erklärung dafür, warum bei dem Projekt offenbar keine Kosten zu hoch sein können: „Die Rail Baltica ist eine Maßnahme zum Aufbau von Militärinfrastruktur“, sagte der Botschafter laut dem Portal auf einer Pressekonferenz in Lettland.

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    Bekanntlich unterscheidet sich die Spurbreite von Bahnstrecken in den baltischen Staaten von der europäischen. Beim Verkehr aus der EU ins Baltikum müssen die Radwerke der Waggons angepasst werden. Um „Panzer zum Schutz gegen das aggressive Russland“ zu transportieren, werde mehr Zeit benötigt. Aber auf der neuen Strecke „kommen die Panzer dann schneller angerollt“, so der russische Diplomat laut dem Portal.

    Was früher, so das Portal, als „Wirtschaftlichkeit“ und „Förderung des Bahnverkehrs“ getarnt wurde, hat der Finanzvorstand von Rail Baltica, Ignas Degutis, dieser Tage quasi enttarnt: Die Unterstützung des Vorhabens seitens der Politik habe in den letzten zwei Jahren zugenommen, Rail Baltica werde als „ein Objekt der Militärmobilität“ in der EU angesehen, sagte der Manager bei einem Treffen der Projektpartner in Tallinn laut dem Portal.

    Genau das hatte ein russischer Experte vor knapp einem Jahr schon erklärt: „Die Strecke wird gebaut, um das Tempo der Bahntransporte zu erhöhen. Diese Schnelligkeit braucht man vor allem, wenn man die Trasse für Militärtransporte nutzen will“, sagte Dr. Konstantin Sokolow, Wirtschaftsingenieur und Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, im Sputnik-Interview im Frühjahr 2018.

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    Eine andere Expertenmeinung zur neuen Bahnstrecke: „Der Westen baut die Militärinfrastruktur im Baltikum konsequent aus. Es gibt keinen Zweifel, dass auch die neue Schiene zu militärischen Zwecken gebaut wird. Rail Baltica ist das zentrale Element eines Infrastrukturnetzes zur schnellen Truppenverlegung“, sagte der Militärexperte Konstantin Siwkow im Sputnik-Interview.

    Das heißt, bis 2026 soll im Baltikum ein Schienenweg entstehen, auf dem dann Nato-Panzer schnell und direkt an die russische Grenze verlegt werden können, schreibt das Portal.

    Wobei: „Die Straßen in Lettland sind ja keine Autobahnen wie in Deutschland. Wenn die ‚Leopard‘-Panzer hier mit dem Zug angeliefert werden, könnte es sein, dass sie steckenbleiben: Die Straßen halten das Gewicht nicht aus“, sagte der russische Botschafter Lukjanow auf der Pressekonferenz laut dem Portal.

    Ob die Nato-Panzer sich in Lettland festfahren oder nicht – das Schicksal der Baltischen Staaten wird laut dem Militärexperten Siwkow eh woanders entschieden: „Washington prüft derzeit die Möglichkeit, Russland in sogenannten Kleinkriegen zu schlagen. Diese können auch nuklear geführt werden. Als Schlachtfeld kommt vor allem das Baltikum in Betracht. Wenn Litauen, Lettland und Estland zum Schauplatz eines Atomkrieges werden wollen, dann ist das ihre Wahl“, so der Analyst.

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    Tags:
    Logistik, Bau, Militär, Truppen, Panzer, Rail Baltica, EU, NATO, Europa, Baltikum, Russland