19:06 08 Dezember 2019
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    Der US-Zerstörer „Donald Cook“ in der türkischen Meerengen (Archiv)

    Tumult im Schwarzen Meer: Was bezweckt die US Navy mit ihrer Präsenz in der Region?

    © REUTERS / U.S. Navy/Mass Communication Specialist 2nd Class Ford Williams/Handout
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    Die US Navy fährt ins Schwarze Meer – und dann auch ins Asowsche. Nachrichten dieser Art streuten manche Medien ihren Zuschauern in die Augen, nachdem die „CNN“ mit Verweis auf „fachkundige Quellen“ gemeldet hatte, amerikanische Kriegsschiffe hätten Kurs genommen auf die russische Schwarzmeerküste. Was trägt sich dort wirklich zu?

    Besonders die ukrainischen Kollegen freuten sich über die Nachricht der „CNN“ sehr, schreibt das Portal „Swesda“. Der Tenor vieler Kommentatoren aus Kiew: Partner aus Amerika kämen in die Schwarzmeerregion, um den bösen Russen zu zeigen, wer hier das Sagen habe. Letztlich konnte aber geklärt werden, dass die US Navy regulär ihren Dienst im Schwarzen Meer versieht. Demnach werden amerikanische Kriegsschiffe in der Region turnusmäßig ausgetauscht, schreibt das Portal.

    Damit ein Kriegsschiff aus den USA durch die türkischen Meerengen ins Schwarze Meer gelangen darf, benachrichtigt das US-Außenministerium die türkischen Kollegen 15 Tage im Voraus von der Durchfahrt. Das Verfahren geht auf den Vertrag von Montreux aus dem Jahr 1936 zurück. Gemäß dieser Vereinbarung dürfen sich US-Kriegsschiffe höchstens 21 Tage im Schwarzen Meer aufhalten – vorausgesetzt ihre gesamte Wasserverdrängung übersteigt 30.000 Tonnen nicht.

    Mit dieser Regel übereinstimmend hat die 6. Flotte der US Navy Anfang dieses Jahres das Docklandungsschiff „USS Fort McHenry“ zur westlichen Schwarzmeerküste entsandt. Nach einem Besuch im Hafen von Konstanza übte das amerikanische Landungsschiff gemeinsam mit einer rumänischen Fregatte in rumänischen und internationalen Gewässern, erklärte ein Navy-Sprecher laut dem Portal: „Wir fahren regelmäßig Einsätze im Schwarzen Meer gemäß internationalem Recht – und werden es auch weiterhin tun.“

    Vertrauen ist gut. Begleitung ist besser

    Dass sich an Bord des Landungsschiff ein ganzes Bataillon von Marineinfanteristen befand, musste die Verantwortlichen in Russland natürlich beunruhigen, schreibt das Portal. Umso mehr, als dass fünf Luftkissenboote im Rumpf der „USS Fort McHenry“ Platz finden, die für das Anlanden der Spezialkräfte an gegnerischen Küsten vorgesehen sind. Auch kann man sich gut vorstellen, an welchen „möglichen Gegner“ das gemeinsame Manöver des Landungsschiffs mit der rumänischen Fregatte gerichtet war. Sicherlich nicht an die bulgarische oder etwa ukrainische Küstenwache, schreibt „Swesda“.

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    Das erklärt, warum eine Fregatte der russischen Schwarzmeerflotte das amerikanisch-rumänische Kleinmanöver beobachtete. Es ist überhaupt üblich, dass russische Streitkräfte in der Region mobilisiert werden, sofern US-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer aufkreuzen, erklärt Marineexperte Wladimir Solowjew, Konteradmiral a.D.: „Wenn US- oder Nato-Schiffe ins Schwarze Meer einfahren, beginnt sozusagen ein wechselseitiges Manöver. Die Amerikaner klären russische Streitkräfte auf, die Flugabwehrsysteme, die Radarstellungen usw. Die russischen Kräfte üben ihrerseits, wie man Einsätze an konkreten Zielen abarbeitet. Die Luftwaffe trainiert den Zielanflug zum Beispiel. Man versucht rauszufinden, wie die US-Schiffe auf Maßnahmen der russischen Flug- und Schiffsabwehrsysteme reagieren“, erklärt der Fachmann laut dem Portal.

    So muss es sich auch zugetragen haben, als die „Fort McHenry“ Anfang dieses Jahres in neutralen Schwarzmeergewässern fuhr. Die Schiffsabwehrsysteme „Bal“, die die russische Schwarzmeerflotte an der Küste stationiert hat, trainierten die Erfassung und die Bekämpfung von Seezielen – natürlich nicht durch scharfen, sondern durch imitierten Beschuss, so das Portal. Diese Übung kann weder den beiden Nato-Schiffen noch der Aufklärungsdrohne „Global Hawk“ entgangen sein, die während des Ganzen entlang der russischen Südgrenzen patrouillierte, schreibt „Swesda“.

    Die Interessenlage

    Wie so ein „wechselseitiges Manöver“, von dem Konteradmiral Solowjew gesprochen hat, konkret aussehen kann, wurde im April 2016 eingängig gezeigt. Der US-Zerstörer „Donald Cook“ war gerade ins Schwarze Meer eingelaufen, als eine russische Su-24 das Kriegsschiff mehrmals im Tiefflug umrundete und einen Abwehrangriff unter Einsatz elektronsicher Kampfsysteme imitierte.

    Ein anderes Mal wurde derselbe US-Zerstörer vom russischen Anti-Schiffs-Radar „Monolit-B“ erfasst. Das amerikanische Kriegsschiff war ins Schwarzen Meer eingefahren und hatte Kurs auf die Halbinsel Krim genommen. Nachdem die Bordsysteme der „Donald Cook“ den Radarstrahl registriert hatten, kehrte der Zerstörer wieder um.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: FOTOs von US-Zerstörer bei Einfahrt ins Schwarze Meer aufgetaucht<<<

    Grobe Verstöße gegen die gängigen Regeln erlaubt sich die US Navy im Schwarzen Meer soweit noch nicht, schreibt „Swesda“. Die amerikanische Marine hat vorrangig den Auftrag, die Fahnenstange in der Region hochzuhalten. Eine andere Sache ist, dass die Intensität solcher Einsätze laut dem Portal in letzter Zeit zugenommen hat.

    Dahinter ist der Versuch erkennbar, Russlands Politik im Schwarzen Meer wenn nicht zu torpedieren, so doch zu destabilisieren. Dass die Region für die Vereinigten Staaten nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich sehr verlockend ist, steht außer Frage.

    Nachdem die Möglichkeit einer US-Basis auf der Halbinsel Krim hintertrieben worden war, haben die Amerikaner eilends im ukrainischen Otschakiw ein operatives Zentrum gebaut – offiziell zur Unterstützung der Ukraine. Als nächstes steht die georgische Hafenstadt Batumi auf dem Plan der US-Strategen. Dort sollen laut dem Portal Kriegsschiffe der Navy stationiert werden, diesmal sicherlich zur Unterstützung Georgiens.

    Was in diesem Nachrichtengetöse wegen der Lage im Schwarzen Meer auch nicht zu überhören ist, ist das Interesse der USA im Zusammenhang mit dem „Turkish Stream“, schreibt das Portal. Die russisch-türkische Gasleitung, die durch das Schwarze Meer verläuft, ist eine direkte und unerwünschte Konkurrenz für das Flüssiggas, das die Vereinigten Staaten gern nach Europa liefern würden.

    Und außerdem: Auch das Interesse der Kiewer Führung ist in dieser Gemengelage klar zu erkennen, schreibt das Portal. Präsident Poroschenko könnte im Vorfeld der anstehenden Wahlen seine „Mückenflotte“ zur nächsten Provokation im Schwarzen Meer abkommandieren. Die Anwesenheit der US Navy in der Region könnte da als moralische Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte durch den amerikanischen Big Brother ausgelegt und den möglichen Wählern verkauft werden. Die medialen Anspannungen um die Schwarzmeerregion kommen Kiew dabei sehr gelegen, schreibt „Swesda“.

    Nur: Sogar in Washington, selbst innerhalb der Republikanischen Partei werden Stimmen laut, die sagen, die Ukraine sei es nicht wert, dass die USA einen Krieg mit Russland riskierten. Diese Ansicht sollte durch die massive Aufklärung, die die Nato in der Schwarzmeerregion zu Wasser und in der Luft betreibt, inzwischen bestätigt worden sein: Russlands Streitkräfte sind in der Lage, nicht nur ukrainische Provokationen abzuschlagen.

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