03:59 18 Februar 2019
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    Nicolas Maduro mit einem Goldbarren

    „Völlig unerhört!“ Bank of England verweigert Venezuela Rückgabe seiner Goldreserven

    © REUTERS / Miraflores Palace / Handout
    Politik
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    Der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaidó hat sich an die britische Ministerpräsidentin Theresa May und die Bank of England mit der Bitte gewandt, die Gold- und Devisenreserven seines Landes der Regierung von Präsident Nicolás Maduro nicht zurückzugeben.

    Der Verwaltungsdirektor des internationalen Unternehmens GoldVu, David Gibson, hat in einem Interview mit Sputnik über die möglichen Folgen dieses Schrittes der Briten gesprochen.

    Wie ernst wurde für das Land die Weigerung der Bank of England, Venezuela sein Geld ausführen zu dürfen?

    Es ist kein Geheimnis, dass Venezuela dringend Geld braucht, damit die nationale Wirtschaft weiterhin funktionieren kann – auch wenn es an Dienstleistungen und Bedarfsgütern mangelt. Gold ist eine Geldreserve, und es wird von Ländern aufbewahrt, um die Liquidität und Stabilität der Wirtschaft zu sichern. Venezuela ist jetzt auf eine Situation gestoßen, in der es sein Gold unmittelbar nutzen will. Dass es dazu nicht in der Lage ist, ist eine große Unannehmlichkeit für dieses Land. Im Grunde ist eine solche Situation für jedes Land sehr unangenehm.

    1,2 Milliarden Dollar – das ist eine ziemlich große Summe, und mit diesen Mitteln könnte die venezolanische Regierung ihre Einwohner mit den wichtigsten Dienstleistungen versorgen. Aber selbst wenn die Venezolaner dieses Geld morgen bekommen würden, würde es nur für eine sehr kurze Zeit reichen – für ein Jahr oder noch weniger. Die elf Milliarden Dollar, die Ex-Präsident Chavez repatriiert hatte, reichten für ungefähr sechs Jahre, und ich glaube nicht, dass dieses Geld jetzt für mehr als ein Jahr reichen würde. Dennoch würde die Regierung dadurch Zeit gewinnen. Niemand darf der Regierung eines Landes vorschreiben, wann und wie sie ihr eigenes Gold verwenden sollte, nur weil dieses Land auf wirtschaftliche Schwierigkeiten gestoßen ist. Dass die Bank of England Venezuela dieses Geld nicht freigibt, ist nicht nur ein Problem für Venezuela, sondern auch ein Grund für Sorgen anderer Staaten.

    Gibt es Präzedenzfälle für eine solche Reaktion seitens der Bank of England, besonders wenn das auf Bitte eines selbsternannten Leaders passiert?

    Das ist völlig unerhört. Die Bank of England nicht dazu berechtigt, anzuweisen, wann und zu welchem Zweck dieses Gold verwendet werden sollte. Jedes Land, ob die Schweiz oder die USA, das fremdes Gold aufbewahrt, muss die Goldreserven freigeben; wenn der entsprechende Antrag von der legitimen und demokratisch gewählten Regierung gestellt wird, hat es keinen Grund, die Freigabe zu verweigern.  Mit ihrer Reaktion zerstört die Leitung der Bank of England das Vertrauen der Weltgemeinschaft zu der Bank als Bewahrer.

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    Jetzt könnten auch andere Länder daran zweifeln, ob Großbritannien und die USA sichere Orte für die Aufbewahrung ihrer nationalen Goldreserven sind. In den letzten Jahren wurde diese Frage schon öfter aufgeworfen. Das führte dazu, dass eine ganze Reihe von Ländern, darunter Deutschland und 2011 auch Venezuela, ihr Gold aus den USA und aus Großbritannien ausführten.

    Was könnte der demokratisch gewählte Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, tun, um die Bank of England zu beeinflussen?

    Eigentlich kaum etwas. Ich meine, er könnte das mithilfe der Armee tun. Er könnte sich auch an ein internationales Gericht wenden, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass eine solche Auseinandersetzung viele Jahre dauern würde. Der Westen würde den Prozess maximal verzögern, um im Falle des Scheiterns der aktuellen Regierung ihren Mann auf den Posten voranzubringen. Andererseits könnte Venezuela, wenn es den legitimen Weg gehen würde, versuchen, Nationen, die mit ihm quasi befreundet sind, auf seine Seite zu ziehen, um in ihrem Namen Großbritannien unter Druck zu setzen. Aber ich habe große Zweifel, dass dies passieren wird.

    Was die „Goldumwandlung“ in der Türkei angeht: Ist diese Variante realistisch? Was können Sie über die Möglichkeiten der Türkei sagen – oder darüber, wie sie in der Weltgemeinschaft respektiert wird?

    Als das voriges Mal mit Präsident Hugo Chavez passierte, als er 160 Tonnen Gold zurückführte, so hatte er zwei Dinge getan: Erstens verkaufte er es mit einem kleinen Rabatt, um richtiges Geld schnellstmöglich zu bekommen. Und zweitens wickelte er mit Ankara mehrere Bartergeschäfte ab, so dass das Gold gegen Waren direkt getauscht wurde. Dadurch knüpfte Präsident Chavez mit der Türkei vertrauensvolle Beziehungen an, wenn es um Gold ging – und Maduro profitiert davon immer noch. Dadurch bekommt Ankara fantastische Möglichkeiten im PR-Bereich, denn die Türken wollen auf internationaler Ebene als zuverlässiger Partner auftreten, der mit souveränen Goldreserven verbunden ist – vor dem Hintergrund einer Situation, in der Großbritannien und die USA ihre Pflichten nicht erfüllen. Sie hatten schon immer ziemlich viel Gold, und in den Augen der Weltgemeinschaft hat Istanbul einen ziemlich großen Goldmarkt. Deshalb will die Türkei in den Vordergrund rücken und sagen: „Seht her: Wir treten gegenüber Venezuela neutral auf. Bitte vertraut Euer Gold uns an, denn wir behandeln es korrekt – in Übereinstimmung mit den internationalen Gesetzen.“

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    Tags:
    Goldreserven, Rückgabe, Putsch, Gold, Geld, Festnahme, Nicolás Maduro, Hugo Chavez, Recep Tayyip Erdogan, England, Türkei, Lateinamerika, Venezuela, Großbritannien, USA