18:51 19 Februar 2019
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    Hauptgebäude von Bank of England in London (Archivbild)

    Wie politisch darf eine Notenbank sein? Briten blockieren Venezuelas Gold

    © AFP 2018 / Daniel Leal-Olivas
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    Bolle Selke
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    Die angeschlagene venezolanische Regierung von Nicolás Maduro braucht dringend Geld. Deswegen will sie einen Teil ihrer Goldreserven bei der Bank of England verkaufen. Die Bank jedoch verweigert die Herausgabe.

    Goldreserven sind für das von US-Sanktionen und Wirtschaftskrise gebeutelte Venezuela schon seit Jahren eine der wenigen Möglichkeiten, an Devisen zu kommen. Die braucht es etwa für den Import von Nahrungsmitteln, Medikamenten und damit auch für das eigene politische Überleben. Von dem noch vor wenigen Jahren mehr als 360 Tonnen umfassenden Goldschatz waren Ende 2018 laut venezolanischer Zentralbank noch 130 Tonnen übrig. In London sollen Berichten zufolge derzeit 31 Tonnen davon lagern.

    Anti-Maduro-Demonstranten während Ausschreitungen in Caracas am 23. Januar 2019
    © REUTERS / Carlos Garcia Rawlins
    14 Tonnen dieser nationalen Goldreserven versucht die Regierung von Präsident Nicolás Maduro schon seit Monaten zu verkaufen, doch die Bank of England (BoE) stellt sich quer. Einem „Bloomberg“-Bericht zufolge hat die britische Zentralbank die Herausgabe dieser Devisen im Wert von etwas über einer Milliarde Euro (1,2 Milliarden US-Dollar) vor wenigen Tagen verweigert. Das könnte vor allem an dem politischen Druck der US-Regierung liegen. Laut dem Sender N-TV  üben die venezolanische Opposition und auch die US-Regierung Druck auf die BoE aus, der unter Maduros Einfluss stehenden Zentralbank keinen Zugriff auf die in London liegenden Goldbarren zu gewähren. Demnach schrieb Venezuelas Parlamentspräsident und selbst ernannter Übergangsstaatschef Juan Guaidó an die britische Regierungschefin Theresa May und an BoE-Gouverneur Mark Carney:

    „Ich schreibe Ihnen, um Sie zu bitten, diese illegitime Transaktion zu stoppen.“ Maduros Regierung plane, das Gold zu verkaufen und auf Konten der eigenen Zentralbank zu überweisen. „Wenn das Geld überwiesen ist, wird es von dem illegitimen und kleptokratischen Regime Maduros genutzt werden, um das venezolanische Volk mit Gewalt zu unterdrücken.“

    Die BoE verweigert mit dem Hinweis auf die Vertraulichkeit ihrer Kundenbeziehungen jeden Kommentar, ebenso wie die venezolanische Zentralbank. Sie beherbergt die Goldreserven zahlreicher Länder, Organisationen und Firmen. Somit ist das faktische Einfrieren des venezolanischen Goldes für die BoE laut der Nachrichtenagentur Reuters eine „politisch explosive“ Maßnahme. Viele Regierungen, deren Verhältnis zu den USA oder zu Großbritannien angespannt ist, dürften sich nun ernste Sorgen machen, ob sie im Krisenfall noch Zugang zu ihren Reserven haben. Der Verwaltungsdirektor des internationalen Unternehmens GoldVu, David Gibson, bezeichnete die Vorgänge in einem Interview mit Sputnik als „völlig unerhört.“

    Die USA, viele EU-Staaten ebenso wie die britische Regierung haben Guaidó inzwischen als venezolanischen Staatschef anerkannt. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte seinem venezolanischen Amtskollegen Nicolás Maduro seine Unterstützung bekundet.

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    Tags:
    Politisierung, Kritik, Entscheidung, Blockierung, Goldreserven, Putsch, Bank of England, Mark Carney, Nicolás Maduro, London, England, Großbritannien, USA, Venezuela