01:36 16 Juni 2019
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    US-Soldaten während der Übungen Arctic Edge 2018 (Archiv)

    Die Arktis splitten: Was treibt die USA an den Nordpol – wenn nicht das Geschäft?

    CC BY 2.0 / U.S. Army Alaska (USARAK) / Arctic Edge 2018
    Politik
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    Donald Trump hat unlängst erklärt, auf Alaska würden demnächst 20 zusätzliche Raketenabschusssysteme stationiert. Das diene dem Ausbau der Raketenabwehr, um Städte in den USA vor Gefahren zu schützen, die von der Nordpolarregion ausgingen. Das ist eine wackelige Erklärung, schreibt das Portal „Swesda“. Washington hat größere Pläne in der Arktis.

    Kriegsschiffe der US Navy sollen schon im Sommer dieses Jahres auf eine Mission hinter den Polarkreis entsandt werden. Richard Spencer, der Navy-Verantwortliche in der US-Regierung, sagte diesbezüglich, die amerikanische Marine sei seit den Sechzigerjahren dauerhaft in der Arktis präsent, hauptsächlich unter Wasser und in der Luft: mit U-Booten und Aufklärungsflugzeugen. Aber die Arktis ist eine Region, „die die USA stärker in den Fokus nehmen müssen“. Es gelte, Einsätze zur Sicherung der freien Schifffahrt in der Nordpolarregion zu ermöglichen, so der Marineminister Spencer laut dem Portal.

    Richard Spencer ist mehr als nur ein „Navy Secretary“ im Trump-Kabinett. Er zählt auch noch zu den größten Geschäftsmännern der Vereinigten Staaten, schreibt „Swesda“. In seinen jungen Jahren hatte er bei den Marines gedient. Danach heuerte er als Topmanager bei namhaften Investmentbanken an – bei Goldman Sachs, Bear Stearns und Merrill Lynch. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Spencer Finanzvorstand beim Börsenbetreiber International Exchange.

    Insofern ist davon auszugehen, dass der heutige Marineminister nicht weniger Geschäftssinn hat als sein Chef im Weißen Haus. Und im großen Geschäft ist Politik nichts weiter als ein nützliches Instrument. Genauso wie etwa Kanonenboote, schreibt das Portal.

    Dass die Arktis eine Vorratskammer für wertvolle Rohstoffe ist, ist weitgehend bekannt. Neueste Schätzungen gehen davon aus, dass unter dem Nordpolareis 16 bis 18 Prozent aller unerschlossenen Öl- und 35 Prozent aller unerschlossenen Gasvorräte lagern. Ok, beachtlich.

    Von immenser Bedeutung sind für die USA laut dem Portal aber auch die arktischen Gewässer an sich: die logistischen Möglichkeiten, die sich auf dem Nördlichen Seeweg und der Nordwestpassage ergeben. Nur 23 Tage braucht ein Containerschiff auf dieser Route, um von Südkorea nach Deutschland zu kommen. 34 Tage braucht dasselbe Schiff, wenn es durch den Suezkanal fährt – an Südafrika vorbei werden gar 46 Tage benötigt.

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    Deshalb bestehen die Amerikaner laut dem Portal darauf, die Schifffahrt auf den Arktis-Routen aus dem nationalen Rechtsrahmen herauszutrennen und unter internationale Rechtskontrolle zu stellen. Die Freiheit der Schifffahrt auf dem Nördlichen Seeweg sei eine „nationale Priorität“, erklärte Washington bereits – und bekannte laut dem Portal zugleich seine Bereitschaft zum einseitigen Handeln, um die Arktisregion auch über die rechtlich begründeten Grenzen hinaus zu kontrollieren.

    Und Moskau?

    Dass Russland ein Pionier auf dem Gebiet der Arktiserschließung ist, weiß man auch. Inzwischen hat das Land bei den Vereinten Nationen einen Antrag auf Erweiterung des arktischen Kontinentalschelfs auf 1,2 Mio. Quadratkilometer eingereicht. Nach vorsichtigen Schätzungen würde Russland durch die Erweiterung seine Öl- und Gasvorräte um fünf Mrd. Tonnen erhöhen. Die Entscheidung der UN-Kommission wird im kommenden März erwartet.

    Davon abgesehen: Russland nutzt bereits den Nördlichen Seeweg. Letztes Jahr sind laut dem Portal ein eisfestes Containerschiff aus Dänemark und ein Versorger der französischen Marine auf dieser Route gefahren. Der Transit dauerte gerademal 17 Tage. Seit diesem Jahr gelten in Russland gesetzliche Regeln für die Nutzung des Seewegs durch militärische und zivile Schiffe: Wer durchfahren will, muss die zuständige Behörde in Russland vorab darüber informieren.

    Außerdem investiert Russland massiv in die Sicherheit der Nordpolarregion: Die Nordmeerflotte wird technisch modernisiert, das Kontingent auf den Neusibirischen Inseln wird verstärkt, neue Militäreinheiten entstehen in Ostsibirien, die Flug- und Raketenabwehr in der Region wird optimiert.

    Übermäßig sind diese Maßnahmen – angesichts der vielen Interessenten an der Nutzung der arktischen Schätze – sicherlich nicht. Auch China erhebt in aller Deutlichkeit Ansprüche auf die Nordpolarregion, schreibt „Swesda“.

    Vor einem Jahr hat Peking in einem Weißbuch seine Arktisstrategie vorgestellt. Darin wird unter anderem der internationale Status aller arktischen Gebiete eingefordert, die nicht zu den ausschließlichen Wirtschaftszonen der Anrainerstaaten zählen. Zudem besteht Peking auch auf dem freien Zugang zum Nördlichen Seeweg: Die Absicht der chinesischen Führung besteht laut dem Portal darin, die nördliche Schifffahrtsroute in die Neue Seidenstraße einzubinden – zur Förderung chinesischer Exporte.

    Zu den Plänen der US-Regierung passt Russlands und Chinas erstarkende Position in der Arktis nicht, schreibt das Portal. Deshalb beabsichtigt das Pentagon, seine Truppen auf Alaska zu verstärken. Es sollen unter anderem zusätzliche Seefernaufklärer auf der Adak-Insel im Westen der Aleuten stationiert werden.

    Zurück in die Eiseskälte

    Mit dem Einsatz von Kriegsschiffen der US Navy in der Arktis ist es indes etwas komplizierter, schreibt das Portal: Die 2. US-Flotte ist zwar für die Region zuständig, doch sind weder ihre Mannschaften noch deren Material für die Aufgaben gut gerüstet.

    Beim Trident Juncture-Manöver letztes Jahr war das gut zu beobachten, so das Portal. An der Übung war auch ein von der „USS Harry Truman“ geführter Flugzeugträgerverband beteiligt. Der konnte seine Mission aufgrund von Wetterbedingungen, die für die arktischen Breiten nicht ungewöhnlich sind, allerdings nicht erfüllen: Einige Schiffe erlitten technische Schäden, ein geplanter Anlande-Einsatz konnte nicht erfolgen.

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    Dennoch ist das Pentagon fest entschlossen, schon im Sommer dieses Jahres Schiffe in die Arktis zu entsenden. Sicherlich auch, um zu prüfen, wie Russland auf den Versuch der US Navy reagieren wird, Schiffe auf den Nördlichen Seeweg zu schicken. Das russische Außenministerium hat die Vereinigten Staaten vor der Gefahr solcherart Provokationen jedenfalls bereits gewarnt, schreibt das Portal.

    Wichtig ist zudem, dass parallel zu den USA auch deren Partnerländer sich verstärkt in der Arktis engagieren. Kanada baut bereits eine Infrastruktur dafür auf. Das kanadische Verteidigungsministerium erweitert das Netz sog. Logistikknoten für arktische Einsätze, die eine schnelle Verlegung und Stationierung von Truppen in der Region ermöglichen sollen. Geplant ist, eine Marinebasis am Baffin Bay im Norden Kanadas zu bauen – ein Tanklager, das kanadische Schiffe mit Treibstoff versorgen kann, ist dort bereits entstanden.

    Auch Großbritannien – bekanntlich kein Arktis-Anrainer – bereitet sich wieder auf Einsätze hinter dem Polarkreis vor. Laut dem Portal werden britische Marineinfanteristen nahezu jährlich zum Arktis-Training nach Norwegen geschickt. In Oslo existiert bereits ein speziell dafür ausgerüstetes Nato-Ausbildungszentrum. Zudem will das norwegische Verteidigungsministerium rund 290 Millionen Dollar dafür ausgeben, arktische Militärobjekte aus dem Kalten Krieg zu reanimieren und zu modernisieren.

    Wie sich die Ereignisse am Nordpol weiterentwickeln, ist angesichts all dessen schwer vorherzusagen, schreibt das Portal. Zumindest eins ist klar: Bei einem bewaffneten Konflikt würde es sehr schwierig sein, die Möglichkeiten zu nutzen, die die Region bietet. Eine wirtschaftlich lukrative Arktis erfordert Frieden und Stabilität.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Stationierung, Konflikt, Armee, Waffen, US-Navy, Donald Trump, Nordpol, Arktis, USA, Russland, China