02:43 18 Februar 2019
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    Der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton mit dem Notizbuch, wo man 5000 Militärs nach Kolumbien lesen konnte

    „Schnell aufgeben“: Was wirklich im Notizbuch von Trumps Berater steht

    © REUTERS / Jim Young
    Politik
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    Irina Alksnis
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    Der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, hat für Diskussionen unter politischen Experten, Analysten und sogar Verschwörungstheoretikern gesorgt. Der Grund: Wie zufällig war der Leak der Pläne Washingtons für eine gewaltsame Einmischung in die venezolanische Krise?

    Die Situation löst tatsächlich Verdächtigungen aus. Während des Briefings hielt Bolton sein Notizbuch so, dass die Journalisten die dort geschriebenen Worte lesen konnten: „Afghanistan – begrüßen den Dialog“ und „5000 Militärs nach Kolumbien“.

    Anti-Maduro-Demonstranten während Ausschreitungen in Caracas am 23. Januar 2019
    © REUTERS / Carlos Garcia Rawlins
    Angesichts der Tatsache, dass Kolumbien das Hauptland ist, das bei den aktuellen Ereignissen die Unterstützung der Antiregierungskräfte in Venezuela sichert, sieht die Entsendung der Militärs nach Kolumbien wie eine Bereitschaft der USA aus, die für sie üblichen Methoden des gewaltsamen Sturzes eines unerwünschten Regimes anzuwenden. Angesichts der Tatsache, dass es sich um Lateinamerika handelt, das bereits seit 150 Jahren als Hinterland der USA gilt, sieht solch eine Prognose ziemlich glaubwürdig aus.

    Die offiziellen Kommentare Washingtons, dass „alle Varianten von Handlungen“ gegenüber Caracas erörtert werden, sind ebenfalls betont zweideutig – damit wird transparent zu verstehen gegeben, dass die Nutzung der militärischen Stärke für Machtwechsel in Venezuela durch die US-Behörden aktiv durchgearbeitet wird.

    Auf wen diese Leaks gerichtet sind, ist eine spezielle Frage. Vielleicht will man damit die gesellschaftliche Meinung in den USA erfahren. Denn eines der wichtigsten Wahlversprechen Trumps war, anderen Ländern nicht Demokratie beizubringen und nicht zu militärischen Methoden zu greifen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Amerikaner damit die venezolanische Armee demoralisieren wollen, die gegenüber den legitimen Behörden ihres Landes loyal ist. Die Aussicht, mit der Militärmaschine der USA in Konfrontation zu geraten, kann viele aus dem Gleichgewicht bringen. Damit setzen die USA Venezuela unter Druck und versuchen mit der Unvermeidlichkeit des Rücktritts Maduros einzuschüchtern.

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    Anscheinend geht es um drei Faktoren zugleich und den Versuch Washingtons, mehrere Ziele gleichzeitig zu erreichen.

    Doch in dieser Situation gibt es einen weiteren Aspekt, der von Analysten oft nicht bemerkt wurde. Für die USA birgt der Versuch einer militärischen Intervention in Venezuela viele Risiken in sich.

    Das Problem der USA besteht darin, dass jetzt nicht das Jahr 1999 und auch nicht 2009 ist. Die Drohung mit der militärischen Einmischung seitens der USA ist nicht mehr fatal.

    Es geht nicht nur darum, dass die Amerikaner weniger unbesiegbar aussehen, als es noch vor 20 Jahren der Fall war. Viel wichtiger ist, dass die Welt in den letzten Jahren ein anschauliches Beispiel bekam, wie man gegen die Amerikaner (und den Westen im Ganzen) auftreten und sie besiegen kann. Es handelt sich natürlich um Syrien. Moskau unterstützte Damaskus und erreichte seine Ziele, wobei die Situation nicht nur im Lande, sondern auch in der Nahostregion im Ganzen stark verändert wurde.

    In der ganzen Welt gewannen inzwischen einige weitere regionale und Weltmächte an Kraft. Wenn Maduro um Hilfe bei der Abwehr einer äußeren Aggression (ob kolumbianisch oder amerikanisch) bitten wird, ist nicht ausgeschlossen, dass sich jene finden werden, die ihm Hilfe leisten werden.

    Gerade darin besteht das bedeutende Problem der USA mit der Anwendung von Gewalt gegen Venezuela. Sie haben den Status einer unbesiegbaren Macht, gegen die man keinen Widerstand leisten kann, verloren. Im Gegenteil: Mehrere Beispiele der letzten Zeit zeigen, dass je härter und kompromissloser die Position des Landes ist (ob Syrien, Nordkorea oder der Iran), es desto mehr Chancen hat.

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    Es gibt zu viele solche Fälle, die in sich Risiken für den Ruf der USA als größte Militärkraft der Welt, die immer gewinnt, bergen.

    Washington muss also bei seinem Szenario einer gewaltsamen Einmischung die Folgen berechnen, wenn sich Maduro durchsetzt und die amerikanischen bzw. proamerikanischen Kräfte eine Niederlage erleiden würden.  Angesichts der Tatsache, dass es sich um Lateinamerika handelt, würde der Schlag gegen den Ruf des globalen Hegemons noch stärker sein. Das würde ein Beitrag zum aktuellen Prozess sein, wobei die USA den Status als Supermacht allmählich verlieren.

    Damit kann sein, dass der Leak Boltons und die schlecht verschleierten Hinweise Washingtons auf eine geplante Militäroperation in Venezuela einfach nur ein Bluff in der Hoffnung sind, dass dies ausreichen würde, um einen Machtwechsel in Caracas zu erreichen.

    Das Problem besteht darin, dass diese Hinweise die Sache kaum besser machen, denn die jetzige US-Administration hat bereits mehrmals gezeigt, dass sie zu Aussagen ohne reale Schritte neigt. Man erinnere sich an ein ähnliches Vorgehen gegenüber Nordkorea und Syrien, wo es mehrere Warnungen und Versprechen gab, und alles jedoch mit nichts endete. Venezuela kann ein weiteres Beispiel dafür sein.

    Im Ergebnis wird der Fall Venezuela für die USA viel wichtiger, als „nur“ ein weiterer Wechsel eines unerwünschten Regierenden durch Washington. Der Sturz Maduros – mit jeglichen Methoden – wird eine prinzipielle Angelegenheit für Washington.

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    Einmischung, Analyse, verdächtige, John Bolton, Venezuela, USA