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    Unterzeichnung des Vertrags zur Bildung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in Rom 1957

    Darum muss die EU zurück zur Wirtschaftsunion - Experte

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    Politik
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    Liudmila Kotlyarova
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    Die neoliberale EU-Politik hat die Menschen jahrelang vernachlässigt und die Realwirtschaft gekapert, sagt der Wirtschaftsexperte Marc Friedrich gegenüber Sputnik. Die EU sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen, der Euro liege seit Jahren auf dem Sterbebett: Zurück zur Wirtschaftsunion müsse der Weg führen, ob die EU wolle oder nicht.

    Die EU-Politiker befürchten zu Recht, dass der Brexit ein Erfolg werde, kommentiert der prominente Wirtschaftsexperte und Buchautor Marc Friedrich gegenüber dem Sputnik. Seit Jahren beschäftigt er sich mit den Auswirkungen des neoliberalen Finanzkapitalismus auf die EU und ihre Bürger. Das Projekt war seiner Meinung nach von Anfang an zum Scheitern verurteilt. „Die Briten verlassen zum richtigen Zeitpunkt das gleich sinkende Schiff, statt am Ende noch mit viel mehr Kosten auskommen zu müssen“.

    „Die Menschen suchen nach einfachen Lösungen“

    Auch den Aufstieg der rechten sowie der populistischen Parteien verbindet er mit einer falschen Wirtschafts- und EZB-Rettungspolitik in der Eurozone. „Diese Parteien sind entstanden, weil die Ungerechtigkeit immer größer wird und die Menschen nach einfachen Lösungen suchen“. Der neoliberale Finanzkapitalismus mit Fokus auf Gewinnmaximierung habe die Realwirtschaft gekapert und die Menschen dadurch jahrelang vernachlässigt. Die EU stattdessen habe sich zum bürokratischen Monster entwickelt, von dem die Menschen sich nicht mehr beachtet fühlen würden.

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    Gerade das Finanzkapital habe z. B. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nach oben katapultiert. Dagegen sollen nun die verunsicherten Gelbwesten protestieren. In seinem Buch „Kapitalfehler“ schreibt Friedrich, kriminelle Spekulanten und ahnungslose Politiker hätten ein nachhaltiges Wirtschaften verdrängt. „Es muss klar sein“, — betont der Experte Sputnik gegenüber, — „Geld regiert die Welt und nicht Politik“. Aber der Wohlstand müsse gerecht und fair verteilt werden, womit der Neoliberalismus zu scheitern scheine.  

    Zurück zu souveränen Währungen

    „Wenn die EU sich nicht reformiert, dann scheitert sie“, meint Friedrich. Am besten aber wäre die Rückkehr zur Wirtschaftsunion, die Europa vor mehreren Jahren so stark gemacht und so 35 Jahre lang perfekt funktioniert habe, auch ohne Euro. „Der Euro liegt seit Jahren auf dem Sterbebett, da müssen wir zurück zu souveränen Währungen“. Gerade da wird die Reise seinen Einschätzungen zufolge hinführen, ob man das will oder nicht.

    Das mag radikal klingen, aber genau dieser Schritt würde das europäische Gleichgewicht wiederherstellen, so Friedrich. Dabei glaubt er nicht, dass politische Parteien den wahren Wandel initiieren und angeblich radikale, aber nötige Reformen durchsetzen könnten, — dieser gehe unten von den Menschen aus.

    Diese Hoffnung will Friedrich eher früher begraben     

    Der Experte würde eher davon abraten, in die linken, rechten oder gar populistischen Parteien zu viele Hoffnungen zu stecken. Denn jede Partei hänge vom Geld ab und bediene ihre Klientel. In Griechenland regieren seit langem eine radikal linke und eine extrem rechte Partei zusammen. Doch was hat sich verändert? „Das Land ist immer noch marode. Derartige Parteien müssen also erst beweisen, dass die eine bessere Politik machen können“. Denn eigentlich seien alle Parteien an der Krise schuldig, ob die Linken oder die Rechten. Die Hoffnung würde er lieber früher begraben, als zu spät.

    Deutsch-französischer Motor ohne Diesel

    Seit Monaten spricht sich Präsident Emmanuel Macron für ein Euro-Budget aus, das den Mitgliedstaaten der Eurozone helfen soll, die sich an die EU-Schuldenregeln halten. Marc Friedrich sieht das kritisch als dubiosen Versuch, das ganze Karussell am Leben erhalten zu wollen. Um den Kaugummi in die Länge zu ziehen, müsse man natürlich noch eine europäische Armee und das Euro-Budget haben. Aber wer wird zahlen, solange viele südeuropäische Länder nicht einmal mitbestimmen werden?

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    „Deutschland könnte die Führung übernehmen, aber wie lange wird es dem Land wirtschaftlich noch gut gehen?“, fragt Friedrich zurück. Soll es mit der Diesel-Affäre und den Fahrverboten weiter gehen, gehe es der deutschen Wirtschaft, die zu 21 Prozent auf die Automobilindustrie inclusive Zulieferer angewiesen sei, relativ schnell schlecht. Der Wohlstand sei nicht ewig, auch deutsche Unternehmen würden gerade einen Paradigmenwechsel erleben, so Friedrich.

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    Tags:
    Diesel-Affäre, EU-Reform, EU-Skeptizismus, Finanzkrise, Reform, Rettung, Allianz, Euro, Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG), Europäische Zentralbank (EZB), Eurozone, EU, Marc Friedrich, Emmanuel Macron, Europa, Deutschland, Frankreich