06:49 21 November 2019
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    Altkanzler Gerhard Schröder und Wladimir Putin beim Treffen mit Arbeitern einer Gasförderungsstation im Gebiet Leningrad (Archivbild)

    „Spreche mit Putin lieber persönlich“: Ex-Kanzler Schröder gegen „Russland-Bashing“

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    Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) spricht in einem aktuellen Interview mit dem Magazin „Spiegel“ über das Scheitern des INF-Vertrages, die russische und US-Außenpolitik sowie über die politische Krise in Venezuela. „Sie können das heutige Russland nicht mit dem damaligen Ostblock vergleichen“, mahnt er. Der Westen brauche Russland als Partner.

    Auch das Ende des US-russischen INF-Vertrages über nukleare Mittelstreckenraketen, aus dem die USA am Freitag ausgetreten sind, kommentierte Alt-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) im aktuellen „Spiegel“-Interview.

    „Sie können das Russland von heute nicht mit dem Ostblock von damals vergleichen“, so der Ex-Bundeskanzler. „Und was die Vorwürfe der Amerikaner und der Nato angeht, bin ich sehr skeptisch, ob sie zutreffen. Natürlich hat Russland, wie die USA auch, seine Waffenarsenale modernisiert, das ist ja klar. Aber ich gehe davon aus, dass niemand, aber auch niemand in Russland darüber nachdenkt, einen bewaffneten Konflikt mit der Nato anzufangen.“

    Zur aktuellen Staatskrise in Venezuela wurde Schröder vom „Spiegel“ mit folgender Aussage konfrontiert: „Der halbstaatliche russische Rosneft-Konzern, für den Sie arbeiten, ist in Venezuela stark engagiert…“. Schröders Antwort:

    „Das stimmt, aber alle dort tätigen Energiekonzerne, darunter sind ja auch US-amerikanische, haben wirtschaftliche Interessen“, sagte er.

    Der frühere Regierungschef sprach in dem Interview auch über den Klimawandel und die dazugehörigen wirtschaftlichen Herausforderungen. „Das werden auch jene Staaten merken, die bislang wenig offen sind“, sagte er.

    „Haben Sie das schon mal Wladimir Putin gesagt?“, erwiderten daraufhin die Interviewer des Hamburger Magazins. „Ach wissen Sie, ich bin immer dagegen, solche Dinge zu personalisieren“, konterte Schröder. „Im Übrigen gibt es Länder, die etwa mit dem Internet restriktiver umgehen als Russland. (…) Ich habe nie gesagt, dass in Russland alles in Ordnung ist, ganz im Gegenteil. Russland hat zum Beispiel gegen Korruption zu kämpfen und hat Mängel in der Rechtsstaatlichkeit. Wer glaubt, dass die russische Führung selber der Meinung ist, es kann alles so weitergehen wie bisher, der irrt. Aber ich wehre mich dagegen, dass jedes Versäumnis dort zu einem generellen Russland-Bashing missbraucht wird. Ich gehöre zudem zu denjenigen, die glauben, dass wir Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer eine historische Schuld gegenüber Russland abzutragen haben.“

    Der Kanzler von 1998 bis 2005 betonte, er werde „sicher nicht“ in der Presse, sondern im „persönlichen Gespräch“ kritische Worte gegenüber Putin äußern. „Wenn Sie mit jemandem befreundet sind, dann sagen Sie ihm die kritischen Punkte lieber persönlich, nicht öffentlich.“

    Putin sei selbstbewusst und „möchte stellvertretend für sein Land mit Respekt und auf Augenhöhe behandelt werden. Und nicht, wie es die Amerikaner machen, von oben herab als Regionalmacht abgestempelt werden.“ Damit spielte Schröder auf eine Äußerung und Entscheidung des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama an, der während seiner Amtszeit die Russische Föderation – immerhin das territorial größte Land der Erde – als „Regionalmacht“ bezeichnet hatte.

    „Diese Herabsetzung hat die Russen zutiefst verletzt“, sagte der SPD-Politiker.

    „Putin wurde auch zurückgewiesen, als er mehrfach die Hand in Richtung Europa ausgestreckt hatte. Aber das ist heute unsere große Chance. Wir müssen versuchen, Russland wieder enger an die EU und an den Westen zu binden. Dazu braucht es ohne Zweifel Änderungen in der russischen, aber eben auch in der westlichen Politik. Wenn wir als Europäer zwischen den Supermächten USA und China politisch und wirtschaftlich bestehen wollen, dann können wir das nicht ohne die Potenziale Russlands. Wir brauchen den Markt und vor allem die Ressourcen des Landes. Das ist meine feste Überzeugung, und das ist der Grund, warum ich mich so sehr für diese Beziehungen einsetze.“

    Alles, was „ich in Russland tue“, mache er „im Einklang mit deutschen Gesetzen und mit dem, was ich persönlich für richtig halte“, entgegnete Schröder auf die Frage, ob er Kritik an seinen „Russland-Jobs“ verstehen könne.

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    Tags:
    Altkanzler, Interview, Nord Stream 2, Zweiter Weltkrieg, Spiegel Online, Der Spiegel, SPD, Rosneft, EU, Gerhard Schröder, Wladimir Putin, Venezuela, Deutschland, USA, Russland, China