12:03 23 März 2019
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    Unterstützerin des Präsidenten Nikolas Maduro in Venezuela (Archiv)

    Venezuela: Machtinteressen oder soziale Intelligenz – Sozialforscher

    © Sputnik / Karlos Errera
    Politik
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    Nikolaj Jolkin
    2011614

    Während die USA in Venezuela militärisch eingreifen wollen, bietet Russland seine Vermittlung im Konflikt zwischen Maduro und Opposition an. Es handelt aus der Sicht von Daniel Witzeling, Leiter des Humaninstituts in Wien, im Sinne der sozialen Intelligenz. Diese hilft, andere zu verstehen, mit ihnen umzugehen und in Beziehungen weise zu handeln.

    Russland habe durch den Afghanistan-Krieg und den Zusammenbruch der Sowjetunion sehr viel gelernt, sagte Witzeling im Sputnik-Interview. „Man hat verstanden, dass nur Druck auszuüben und sich gleich irgendwo als Weltmacht einzumischen, nicht intelligent ist.“

    Russlands Außenminister Sergej Lawrow
    © Sputnik / Grigorij Sysoew
    Russland ziehe sich im Sinne der sozialen Intelligenz zurück, so der Sozialforscher, beobachte und werde dann auch als Vermittler schauen, die Menschen nicht im Stich zu lassen. „Wenn wir uns die Vorfälle im Nahen Osten in der vergangenen Zeit anschauen, sieht man, wie man viel verbrannte Erde hinterlassen kann. Zwar hat Russland oft im Westen ein negatives Image, was ganz falsch ist, handelt es vorsichtig und sensibel. Russland weiß, wie viel es auch zu verlieren hätte, wenn es viel dominanter auftreten würde.“

    Putin führe seine Handlungen wie ein Schachspieler aus, so Witzeling weiter, emotional und sozial intelligent. Er habe die längste Erfahrung als Staatsführer in diesem Bereich. Die Situation in Venezuela sei sehr schwer, weil Präsident Maduro unter Druck geraten sei und der Gegenkandidat sehr stark sowohl von der Europäischen Union als auch von den USA unterstützt werde.

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    Der Psychologe regt an: „Russland müsste einen respektvollen Ausstieg für Maduro schaffen oder eine Lösung finden, wo jeder sein Gesicht, auch die Unterstützer von Maduro, behalten. Wenn einer als Verlierer aus dem Spiel aussteigt, wird auch der künftige Präsident nicht der Gewinner sein, weil die Konflikte im Land weiter gehen, und eine ganze Region destabilisiert ist. Da muss man mit sehr starkem Fingerspitzengefühl vorgehen. Vielleicht kann Wladimir Putin mit Donald Trump reden, auch mit der EU, um zu sagen, es geht um das Land und nicht um Machtinteressen von Russland, USA oder anderen großen Playern.“

    Man dürfe die Destabilisierung eines Landes, das jetzt wirtschaftlich nicht ganz topp dastehe, nicht zulassen, so der Experte. „Es geht im Endeffekt, so banal das klingen mag, um die Menschen, um Existenzen, um Familien. Und der Bürgerkrieg wäre für alle Menschen tragisch.  Wenn man mit dem Nahen Osten, mit Syrien vergleicht, geht es auch hier um Lösungen, sonst hat man wieder Flüchtlingskrisen. Und so viel Geld kann man in dem Land gar nicht machen, dass es das Gegenteil aufwiegen würde, Destabilisierung einer Region zur Folge zu haben.“

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    Witzeling sagt, dass vieles davon abhängen werde, wie sich die großen Player, die USA, Russland und China verstünden. „Wenn man Kämpfe zwischen, sagen wir, zwei Großen wie die USA und China betrachtet, kommt man zum Schluss, dass es nur zwei Verlierer gibt. Es gibt nicht einen Gewinner. Und der Preis ist heutzutage, wo viele Menschen noch immer Hunger leiden und es Probleme gibt, viel zu hoch dafür, dass wenige gewinnen. Das ist nicht sozial intelligent.“

    Denn gerade in der Politik gehe es darum, so der Sozialforscher, „andere Partner, ob das USA, Russland oder China sind, gegenseitig zu verstehen, und nach dem Verstehen wirkungsvoll zu handeln. Und wenn man die soziale Intelligenz weiter nimmt, geht es nicht nur um das Durchsetzen von militärischen oder monetären Interessen. Am Ende eines Spiels sollten Vorteile für beide Seiten bestehen und nicht nur einer der Gewinner sein und der andere der Verlierer.“

    Das komplette Interview mit Daniel Witzeling zum Nachhören:

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    Tags:
    Interessen, Druck, Intelligenz, Schach, Nikolas Maduro, Venezuela, UdSSR, USA, Russland