18:47 19 Februar 2019
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    Ayatollah Ruhollah Khomeini verlässt seine Residenz in Frankreich auf dem Weg nach dem Iran (Archivbild)

    40 Jahre Iranische Revolution: Geheime britische Unterstützung für Khomeini enthüllt

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    Kit Klarenberg
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    Am 11. Februar 1979 kam Ayatollah Ruhollah Khomeini im Iran an die Macht, der den vom Westen unterstützten Schah Mohammad Reza Pahlavi ablöste, und gründete die Islamische Republik. Damals sowie auch heute wissen nur wenige, dass es London war, das bei seiner Unterstützung viele Jahre vor und nach der Islamischen Revolution die Hauptrolle spielte.

    „Wenn man den Bart von Ayatollah Khomeini hochzieht, sieht man an seinem Kinn die Aufschrift – ‚Made in England‘“, wütete der iranische Schah Mohammad Reza Pahlavi kurz vor einem grausamen Aufstand, der im ganzen Königreich innerhalb vieler Monate wütete und im Januar 1979 seine fast 38-jährige Herrschaft beendete.

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    Auf den ersten Blick war es eine ziemlich merkwürdige Erklärung für den Schah —  letzten Endes wurde er im August 1953 als Ergebnis des britisch-amerikanischen Umsturzes wieder das Oberhaupt des Irans. Seit der Zeit schien er ein unerschütterlicher Verbündeter Londons zu sein, der militärische Unterstützung für verschiedene durch Großbritannien unterstützte Regime im Gebiet des Persischen Golfs leistete, zudem wurde der Iran einer der größten Waffenmärkte im Nahen Osten. Der Firma British Petroleum wurde erlaubt, riesengroße Ölvorräte des Landes zu ziemlich günstigen Raten auszubeuten.

    Der ehamlige Schah des Irans Mohammad Reza Pahlavi mit seiner Gattin Farah Diba (Archivbild)
    © AP Photo / Randy Taylor
    Der ehamlige Schah des Irans Mohammad Reza Pahlavi mit seiner Gattin Farah Diba (Archivbild)

    Zudem besuchte ein Jahr zuvor die damalige Oppositionsführerin Margaret Thatcher Teheran und bestätigte entschlossen die Unterstützung für die Herrschaft Pahlavis.

    „Ich habe den Fortschritt des Irans beobachtet. Ich war von der Geschwindigkeit und der Entschlossenheit beeindruckt, mit der sich dieser alte Boden innerhalb einer Generation aus einem der ärmsten Länder der Welt in eine der führenden Militär- und Industriemächte verwandelte. Der Schah ist wohl einer der weitsichtigsten Staatsmänner in der Welt … kein anderes Oberhaupt hätte seinem Land mehr dynamische Führung geben können. Er führt den Iran durch die Renaissance des 20. Jahrhunderts“, sagte sie.

    Nach nur zwei Monaten unterzeichnete der damalige Außenminister von der Labour Party, David Owen, einen Vertrag über die Lieferung von 175.000 CS-Gas-Zellen und bis zu 360 Schützenpanzerwagen für den berüchtigten iranischen Geheimdienst SAVAK, bei dessen Ausbildung die britische Seite half, um die entstehende Protestwelle zu unterdrücken, die anschließend zum Sturz Pahlavis führte.

    Einfach weil du ein Paranoiker bist …

    Trotz dieser rhetorischen und praktischen Anstrengungen waren die Erklärungen des Schahs über die britische Unterstützung für Khomeini weit weg von paranoider und bitterer Verschwörungstheorie.

    Letztes Endes unterstützte Whitehall schon lange die extremistischen islamischen Gruppierungen im Nahen Osten, um die Bedrohungen für seine regionalen Interessen zu bekämpfen. So finanzierten und koordinierten die Briten insgeheim die Aktivitäten der ägyptischen Muslimbrüder-Bewegung bei ihrem gescheiterten Versuch, den damaligen Staatschef des Landes, Gamal Abdel Nasser, in den 1950er-Jahren zu stürzen.

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    In der Tat spielte der andere iranische Ayatollah Sayyed Kaschani die Hauptrolle bei dem Umsturz im Iran, der als Operation Boot bekannt wurden, bei dem Pahlavi an die Macht kam. Kaschani finanzierte und organisierte große Protestaktionen, die der iranischen Armee, die durch MI-6 unterstützt wurde, einen Vorwand für die Entfernung des Machthabers Mohammad Mosaddegh von der Macht sicherten.

    Zudem begriff Whitehall trotz der praktischen und rhetorischen Londoner Unterstützung für den Schah in der Gesellschaft, dass es unvermeidbar zur Katastrophe des iranischen Herrschers kommen würde. In einem Schreiben vom Oktober 1978 wird eine Erklärung des Premiers James Callaghan erwähnt, dass er „die Chancen des Schahs nicht besonders gut einschätzt“ und der Ansicht sei, dass der Außenminister David Owen sich Gedanken über eine Absicherung machen sollte — also um die Entwicklung von Kontakten mit Vertretern der Opposition.

    Es war zwar klar, dass die Beseitigung des Schahs ernsthafte politische, strategische und wirtschaftliche Folgen für den Westen hatte, doch das Auftauchen einer extremen Regierung, wo die religiösen rechten Kreise, die fast ebenso viel Probleme für die Sowjetunion bereiten könnten, wurde als Trost bezeichnet.

    Neben einer zweckmäßigen Einschränkung des Schadens für die Interessen Großbritanniens im Lande blickten die Spezialisten des Außenministeriums in die Zukunft – wo sie erneut jemanden im Lande an die Macht bringen können, der ihnen passen würde. Zum Dezember 1978 behaupteten sie, dass die Minister auf jede Unterstützung des Schahs – sowohl auf staatliche als auch private – verzichten und die Opposition unterstützen sollen.

    „Wir brauchten einen charismatischen Mann, der das Amt im Laufe von einigen Jahren innehat, hinreichend mutig ist, um Feinde zu bekommen und bereit ist, zugunsten des Sohnes des Schahs als des konstitutionellen Monarchen zur Seite zu treten“, schrieb Owen in seinen Memoiren.

    Allerdings gibt es keine Dokumente, die direkt darauf hinweisen, dass die Briten Khomeini als Anführer in Wartestellung zu unterstützen beschlossen – obwohl diese Option natürlich erörtert wurde – der persische BBC-Dienst unterstützte zum damaligen Zeitpunkt immer noch den vertriebenen Ayatollah. Owen nannte diese Medien-Unterstützung für Khomeini, der von einigen als „BBC-Ayatollah“ bezeichnet wurde, eine „Form der Versicherung mit der inneren Opposition“.

    Diese Unterstützung war anscheinend entscheidend, weil dieser Radiosender beinahe der einzige war, der die iranischen Ereignisse in persischer Sprache beleuchtete – iranische Radio- und TV-Sender waren kurz nach Protesten gegen den Schah geschlossen worden.

    Im Buch „Persian Service: The BBC and British Interests in Iran“ heben Annabelle Sreberny und Massoumeh Torfeh hervor, dass der Sendedienst nie so voreingenommen wie in den damaligen Jahren gewesen sei, manchmal sei diese Voreingenommenheit so weit gegangen, dass jede innere und äußere Unterstützung des Schahs nicht beleuchtet werden konnte.

    Die Verfasser geben eindeutig zu verstehen, dass es eine beabsichtigte Politik war, die von dem Beamten des Außenministeriums Nicholas Barrington verteidigt wurde, der damals für die Übersicht der ausländischen BBC-Sendedienste zuständig war.

    In einem Dienstschreiben an die persischen BBC-Mitarbeiter schlug er vor, den Anhängern des Schahs eine Plattform zu bieten, was eine „kurzfristige Zweckmäßigkeit“ bedeuten würde. Das Ziel des Rundfunks war, in der mittel- und langfristigen Perspektive zu arbeiten und Einfluss auf jene auszuüben, die eine alternative Regierung bilden können.

    Der König ist tot

    Der Schah flüchtete am 16. Januar 1979 aus dem Land – angeblich war er im Urlaub, aus dem er aber nie zurückkehrte. Er beantragte Asyl in Großbritannien, durfte dort aber nicht einmal kurzfristig bleiben – im Rahmen der neuen Politik der maximalen Trennung vom „uralten Regime“. Im Sinne dieser Politik mussten britische Beamte, die zu Treffen mit Pahlavi und seinen Vertretern auf die Bahamas reisten, wo seine provisorische Residenz lag, falsche Namen nutzen, und den Familienmitgliedern des entmachteten Schahs war es verboten, Großbritannien zu besuchen. Als der Schah im Juli 1980 gestorben war, schickte London nur einen stellvertretenden Botschafter zu seiner Beisetzung.

    Khomeini kehrte am 1. Februar desselben Jahres aus dem Exil zurück und ernannte bald darauf Mehdi Bazargan zum Ministerpräsidenten. Elf Tage später erklärte Callaghan im House of Commons, dass seine Regierung „mit guten Beziehungen“ zu Bazargans Administration rechne.

    Obwohl Bazargan im selben Monat mehrere Großverträge über britische Waffenlieferungen außer Kraft setzte, störte Whitehall das nicht.

    „Bei der Auflösung der Verträge sollten wir nicht den Eindruck verschaffen, wir würden Teheran den Rücken zukehren“, schrieb der Sekretär des Ministerkabinetts, John Hunt, am 20. März 1979. „Wir müssen den Iranern zu verstehen geben, dass wir bereit wären, die Lieferungen von Munition und Ersatzteilen wiederaufzunehmen, die für ihre Streitkräfte nötig sind, falls sie das wollen … Wir müssen sie zur Erfüllung der Verträge stimulieren, die sie noch nicht gekündigt haben … Bei der Regelung der Situation um die Rüstungsverträge mit dem früheren Regime dürfen wir die Möglichkeiten für die Festigung unserer Beziehungen mit der neuen Regierung nicht versäumen.“

    London buhlte um die Gunst der vor kurzem gegründeten Islamischen Republik selbst nach der Geiselnahme von 52 US-amerikanischen Diplomaten in Teheran im November 1979, die insgesamt 444 Tage dauern sollte. Selbst dann noch wurden britische Waffen in den Iran geliefert, auch wurden Dutzende iranische Offiziere in Großbritannien ausgebildet.

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    Die im Mai 1979 ins Amt eingeführte Ministerpräsidentin Margaret Thatcher setzte die vom früheren Kabinett ausgeübte „Absicherungspolitik“ fort. Zudem sah sie in Teheran eine potenziell wichtige Hochburg, die der Sowjetmacht im Nahen Osten widerstehen könnte.

    Iranische Soldaten während Demonstrationen in Isfahan 1979 (Archivbild)
    © AP Photo / Michel Lipchitz
    Iranische Soldaten während Demonstrationen in Isfahan 1979 (Archivbild)

    Am 28. Januar 1980, einen Monat nach dem Einmarsch der Sowjetarmee in Afghanistan, warnte Thatcher in einer Rede im Parlament, die den Beziehungen zwischen dem Osten und dem Westen gewidmet war, dass Moskau „vom Aufstandseifer in der Region profitieren“ könnte.

    „Die Revolution hat bei Kurden, Aserbaidschanern, Beludschen und vielen anderen ethnischen Gruppen das Gefühl der ethnischen Autonomie geweckt … Die Versuchung der Russen ist offensichtlich. Es gibt auch Zeichen dafür, dass die Iraner selbst die Gefahr immer mehr begreifen“, stellte Thatcher fest. „Die Sowjetunion treibt einen Keil mitten ins Herz der muslimischen Welt ein. Falls die Sowjetunion ihre Positionen in Afghanistan festigt, wird es ihr gelingen, ihre Grenzen an den Iran wesentlich zu erweitern, die mehr als 1000 Meilen lange Grenze zu Pakistan unter ihre Kontrolle zu nehmen und um 300 Meilen zur Straße von Hormuz vorzurücken, die den Persischen Golf kontrolliert. Das sind die Fakten. Sie wecken sowohl bei den Ländern der Region als auch bei uns selbst Besorgnisse.“

    Im Rahmen der permanenten Bemühungen um die operative Kooperation half Großbritannien den iranischen Behörden bei der Vernichtung der dortigen Volkspartei – der größten und stärksten linken Partei im Land. 1982 überlief der Major des sowjetischen KGB, Wladimir Kusitschkin, zu den Briten und stellte ihnen jede Menge wertvolle Informationen, insbesondere die Listen von sowjetischen Agenten im Iran, zur Verfügung. MI6-Mitarbeiter überließen diese Informationen den Behörden in Teheran, die dann mehrere Dutzende der auf den Listen stehenden Agenten hingerichtet und mehr als 1000 Mitglieder der Volkspartei hinter Gittern geworfen haben. Die Partei selbst wurde verboten.

    Unentschieden

    Aber die Gewalt, die durch die Veröffentlichung dieser Informationen ausgelöst wurde, war eine „Kleinigkeit“ im Vergleich zum Massaker nach dem britischen Beitrag zum iranisch-irakischen Krieg. Zwei Jahre zuvor hatte Washington, das mit dem Machtantritt Khomeinis höchst unzufrieden war, Kontakt mit dem damaligen irakischen Herrscher Saddam Hussein aufgenommen, der ein naher Verbündeter der USA war, und ihm Finanz- und Waffenhilfe versprochen, falls er sein Nachbarland Iran angreifen würde. Hussein, der den schiitischen Fundamentalismus für eine große Gefahr für seine eigene Macht hielt, akzeptierte dieses Angebot und griff den Iran am 22. September 1980 an. Hussein und US-Präsident Jimmy Carter rechneten mit einem schnellen Zusammenbruch des neuen Khomeini-Regimes – aber dieser Konflikt sollte zum längsten Krieg des ganzen 20. Jahrhunderts werden.

    Trotz des entsprechenden UN-Embargos rüsteten Washington und London die beiden Konfliktseiten auf und provozierten dadurch die Verlängerung und Zuspitzung der Konfrontation. Dieser fast achtjährige Krieg kostete am Ende 1,5 Millionen Menschen das Leben. Während der Kriegshandlungen hat der Iran insgesamt etwa zwei Milliarden Dollar und der Irak 4,7 Milliarden Dollar erhalten.

    Niemand von den Beamten wurde für die Teilnahme an dieser Bündelei bestraft, obwohl Mitte der 1990er-Jahre wegen des Skandals, der den Namen „Arms to Iraq“ bekam, eine offizielle Ermittlung eingeleitet wurde. Im Grunde war das aber eine Farce, denn alle Teilnehmer der damaligen Ereignisse  wurden freigesprochen, während 90 Prozent des Abschlussberichts streng vertraulich waren. Veröffentlicht wurde lediglich der Schlussfolgerung des Dokuments, in der festgestellt wurde, dass die Regierung „das Embargo verletzt“ hätte, „um den nationalen Maschinenbau zu retten“.

    Londons heutige äußerst aggressive Position in Bezug auf Teheran wird noch perverser, wenn man bedenkt, dass Whitehall vor, während und auch nach der Islamischen Revolution eine sehr große Rolle bei der Unterstützung Khomeinis spielte, zudem das Vorgehen seiner eigenen Regierung „übersah“ und an der Versorgung der iranischen Streitkräfte aktiv teilnahm.

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    Man kann nur vermuten, wie viele britische Waffen sich immer noch in den Händen der iranischen Armee befinden, und nur raten, wie sich die Geschichte des Irans ohne die Unterstützung vonseiten Londons hätte entwickeln können.

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