08:37 26 April 2019
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    Kampfpilot eines russischen Bombers des Typs Su-24 (Archivbild)

    „Atmosphäre von Angst“: Experte über Norwegens Vorwürfe an Russlands Luftwaffe

    © Sputnik / Wadim Grischankin
    Politik
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    Der norwegische Nachrichtendienst wirft Russland vor, einen Luftangriff auf eine Radarstellung im Norden Norwegens simuliert zu haben. Ein Militärexperte erklärt im Sputnik-Gespräch, warum die Vorwürfe ausgerechnet jetzt kommen und wer davon profitiert.

    Russische Jagdbomber haben einen Angriff auf eine Radarstellung im Norden Norwegens simuliert. Das sagte der Chef des Norwegischen Nachrichtendienstes, Morten Haga Lunde, bei seinem jährlichen Bericht vor Militärs in Oslo.

    „Es ist bedauerlich, aber jetzt stimmt auch Norwegen in die russlandfeindliche Hysterie der USA und Großbritanniens mit ein“, sagte Militärexperte und Fachjournalist Igor Korottschenko im Sputnik-Gespräch. Norwegens Vorwürfe seien absolut haltlos. „Russland ist zu jeder Maßnahme bereit, die das Risiko einer Militärkonfrontation verringern und das Vertrauen stärken würde. Wer dazu nicht bereit ist, ist die Nato.“

    Vor zwei Jahren etwa habe Russland dem Nato-Generalsekretär vorgeschlagen, sich darauf zu einigen, dass Militärflugzeuge beider Seiten bei Flügen über der Ostsee spezielle Transponder einschalten, um Zwischenfälle zu vermeiden. „Das war gedacht als erster Schritt hin zu mehr Transparenz und Vertrauen.“ Eine Antwort von der Nato bleibe aber bis heute aus.

    Dass der norwegische Nachrichtendienstchef die Vorwürfe gegen Russland ausgerechnet jetzt vorträgt, hat laut dem Experten einen klaren Grund: Das Spitzentreffen im Brüsseler Nato-Hauptquartier. Die Vorwürfe seien mit dem Treffen „zeitlich synchronisiert“ worden. „Die Nato diskutiert über weiteres Vorgehen nach dem Ende des INF-Vertrags. Offensichtlich soll die Idee vermittelt werden, Mittelstreckenwaffen aus den USA in Europa zu stationieren. Vorwürfe gegen Russland schaffen passend dazu eine Atmosphäre von Angst und Misstrauen“, so der Experte.

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    Nach Darstellung des Norwegischen Nachrichtendienstes starteten am 14. Februar 2018 elf Kampfjets Su-24 von einem Flugplatz in der Region Murmansk, flogen über der Barentssee, simulierten den Angriff auf ein norwegisches Radar in der Nähe der Stadt Vardö und kehrten, ohne die norwegische Staatsgrenze verletzt zu haben, auf ihren Stützpunkt zurück.

    In Vardö befindet sich das Radar Globus II. Damit ist die Überwachung russischer ballistischer Raketen möglich. Russland hat mehrmals Bedenken wegen des Standorts des Radars in direkter Nähe zur russischen Grenze geäußert: Die Anlage könne Teil des US-Raketenschilds werden.

    NATO-Zentrale in Brüssel während des Gipfels der Militärallianz (Archivbild)
    © AFP 2019 / Pool / Justin Tallis

    Präsident Trump hatte unlängst erklärt, die USA werden aus dem INF-Vertrag mit Russland aussteigen. Präsident Putin sagte daraufhin, Russland werde auf den Ausstieg der USA aus dem INF-Vertrag „spiegelbildlich reagieren“. Moskaus Abrüstungsvorschläge seien jedoch nicht vom Tisch, „die Türen stehen offen“. Jedoch sollen Russlands Behörden auf Anweisung des russischen Präsidenten keine Verhandlungen diesbezüglich einleiten. Russland erklärte mehrfach, sich an den INF-Vertrag zu halten.

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    Kriegsgefahr, Militarismus, Hetze, Vorwürfe, Übung, Kritik, Militärübung, Luftangriff, INF-Vertrag, Su-24, NATO, Jens Stoltenberg, Brüssel, Norwegen, USA, Russland