22:30 22 April 2019
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    Israelische Premier Benjamin Netanjahu (l.) und der US-Staatssekretär Mike Pompeo bei der Nahost-Konferenz in Warschau

    Netanjahu in Warschau: „Krieg gegen den Iran“

    © AFP 2019 / Janek Skarzynski
    Politik
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    Armin Siebert
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    Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat gleich zu Beginn der umstrittenen Nahost-Konferenz in Warschau für einen Eklat gesorgt. Netanjahu spricht in einem Eröffnungsvideo von einem "Krieg gegen den Iran". Später rudert er zurück.

    Offiziell soll es bei der von Polen und den USA ausgerichteten Nahost-Konferenz in Warschau gar nicht um den Iran gehen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat das Thema aber gleich zu Beginn der Konferenz auf die Tagesordnung gesetzt.  In einem von seinem Büro verbreiteten Video aus Warschau spricht der Staatschef von einem "Krieg gegen den Iran“. Nachdem das Video für erste Reaktionen gesorgt hatte, wurde es von Netanjahus Büro gelöscht. In einer geänderten englischen Übersetzung der Aussage des Ministerpräsidenten wurde das Wort "Krieg" dann durch "Bekämpfen" ersetzt.

    Wörtlich sagte Netanjahu in dem Video:

    „Was wichtig bei diesem Treffen ist, und das ist nicht geheim, weil es viele davon gibt — ist, dass das ein offenes Treffen mit Vertretern führender arabischer Länder ist, die sich zusammen mit Israel hinsetzen, um unser gemeinsames Anliegen eines Krieges mit dem Iran voranzubringen.“ Später wurde die Formulierung am Ende der Aussage Netanjahus geändert in: „…um unser gemeinsames Anliegen einer Bekämpfung des Irans voranzubringen“.

    Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif kommentierte den Ausrutscher auf Twitter ironisch:

    "Wir kannten Netanjahus Phantasien schon immer. Jetzt kennt die Welt — und alle beim Warschauer Zirkus — sie auch."

    An dem Treffen in Warschau, das unmittelbar vor der Münchner Sicherheitskonferenz stattfindet, nehmen Vertreter von 60 Ländern teil. Der Iran ist nicht geladen. Viele Länder haben die zweitägige Konferenz als Anti-Iran-Konferenz kritisiert. Viele, auch westeuropäische Länder, haben darauf verzichtet, ihre Außenminister nach Warschau zu schicken. Auch Deutschland wird anstelle von Außenminister Heiko Maas nur von Staatssekretär Nils Annen vertreten.

    Russland boykottiert das Treffen ganz. Auch die Türkei schickt keinen Regierungsvertreter.

    Derweil treffen sich die Präsidenten des Irans, Russlands und der Türkei, Hassan Ruhani, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, in Sotschi am Schwarzen Meer zu einer Art Gegengipfel. Dort geht es um die Zukunft Syriens. Konkret geht es um eine neue Verfassung und Reformen in dem Bürgerkriegsland und um die Lage in Idlib, der letzten großen Hochburg der Terroristen.

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    Tags:
    Kriegsgefahr, Konfliktregelung, Konferenz, Mohammed Dschawad Sarif, Mohammad Javad Zarif, Recep Tayyip Erdogan, Benjamin Netanjahu, Hassan Rohani, Wladimir Putin, Nahost, Warschau, Sotschi, Türkei, Israel, Iran, Syrien, USA, Russland