22:06 06 Dezember 2019
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    Russlands Präsident Wladimir Putin bei seiner Ansprache zur Lage der Nation 2019

    „Nur zehn Flugminuten bis Moskau": Putin warnt vor US-Raketen in Europa

    © Sputnik / Michail Klimentjew
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    Nach der Aussetzung des Abrüstungsvertrags über nukleare Mittelstreckensysteme warnt Russlands Präsident Wladimir Putin die USA vor der Stationierung solcher Waffen in Europa. Wenn die US-Raketen in Europa auftauchen sollten, werde Russland reagieren und mit eigenen Raketen auch „Entscheidungszentren" ins Visier nehmen müssen.

    Russland selbst werde nie als erster Mittelstreckenraketen in Europa aufstellen, versicherte Putin am Mittwoch in seiner alljährlichen Ansprache zur Lage der Nation. Er warf den USA vor, bereits mit ihren Zielraketen mittlerer Reichweite und Tomahawk-kompatiblen Startanlagen in Europa gegen den INF-Vertrag verstoßen zu haben.

    US-Präsident Donald Trump während der Übungen in dem Fort Drum (Archiv)
    © AP Photo / Carolyn Kaster

    Wenn die Vereinigten Staaten nun auch Kurz- und Mittelstreckenraketen bauen und in Europa unterbringen sollten, wäre Russland laut Putin direkt bedroht. Denn:

    „Einige Raketenklassen bräuchten zehn bis zwölf Flugminuten bis nach Moskau. Das ist für uns eine sehr ernsthafte Bedrohung.“

    Wenn solche US-Waffen in Europa auftauchen sollten, wäre Russland „gezwungen, spiegelgleich und asymmetrisch zu reagieren“ und würde dann seinerseits Waffen in Stellung bringen, die auch „Entscheidungszentren“ bekämpfen könnten.

    „Russland wäre gezwungen, Waffen zu bauen und aufzustellen, die nicht nur gegen jene Gebiete eingesetzt werden können, von denen aus für uns eine entsprechende direkte Bedrohung ausgeht, sondern auch gegen jene Gebiete, in denen sich Entscheidungszentren befinden, in denen über eine Anwendung der Raketen gegen uns entschieden wird.“

    Diese Gegenmaßnahmen würden sofort ergriffen werden, wenn die Bedrohungen für Russland Realität geworden seien, sagte der Kremlchef.

    Die USA hatten Anfang Februar offiziell ihren Rückzug aus dem Vertrag über die Vernichtung nuklearer Mittelstreckensysteme (INF) angekündigt. Als Reaktion darauf setzte auch Russland seine Teilnahme aus.

    Der INF-Vertrag war am 8. Dezember 1987 von den damaligen Staatschefs der UdSSR und der USA, Michail Gorbatschow und Ronald Reagan, unterzeichnet worden. Darin verpflichteten sich beide Staaten, sämtliche Raketen mit mittlerer (1000 bis 5500 Kilometer) und kürzerer (500 bis 1000 Kilometer) Reichweite zu vernichten und keine neuen mehr zu produzieren. In den letzten Jahren warfen sich beide Staaten gegenseitig vor, diesen Vertrag zu verletzen.

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    Tags:
    INF-Vertrag, Wladimir Putin, Europa, USA, Russland