15:47 19 März 2019
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    Russlands S-400-Luftabwehrkomplex (Archiv)

    Türkischer Ex-General: USA drohen Türkei mit Wirtschaftskrieg bei S-400-Kauf

    © Sputnik / Alexej Danitschew
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    Washington setzt Ankara weiterhin wirtschaftlich unter Druck, weil es russische S-400-Luftabwehrraketen kaufen will. US-Vizepräsident Pence erklärte auf der Münchner Sicherheitskonferenz, dass Washington nicht passiv dabei zuschauen würde, wie seine Verbündeten Waffen bei seinen potenziellen Gegnern kaufen. Damit war zweifellos die Türkei gemeint.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte jedoch nach der Rückkehr aus Sotschi, wo er sich mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin getroffen hatte, dass der 2017 geschlossene Raketen-Deal auch erfüllt werde. „Wir haben den S-400-Vertrag mit Russland abgeschlossen, und es kommt nicht infrage, dass wir zurückrudern. Der Deal bleibt bestehen. Wir setzen die Arbeit fort und gehen davon aus, dass Russland die Lieferungen im Juli beginnt“, wurde der Staatschef von der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zitiert.

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    Der türkische Generalmajor a.D. Nejat Eslen erläuterte in einem Interview für Sputnik die Position Ankaras sowie mögliche Schritte der USA im Falle des S-400-Abkommens mit den Russen.

    US-Vizepräsident Mike Pence (Archiv)
    © Foto : Official White House/ Myles D. Cullen
    Nach seinen Worten könnten die Amerikaner versuchen, der Türkei einen wirtschaftlichen Schlag zu versetzen, und deshalb müsste Ankara schon jetzt Präventionsmaßnahmen ergreifen: „Die Türkei erlebt gerade einige Probleme im Finanz- bzw. Wirtschaftsbereich. Dabei ergreifen die USA bekanntlich illegitime Maßnahmen im eigenen Interesse in vielen Ländern, was wir unter anderem am Beispiel Venezuelas sehen. Um ihre Aufgaben zu lösen, greifen die Amerikaner häufig auf solche Methoden zurück wie das Auslösen einer Finanzkrise oder eines Machtwechsels im jeweiligen Land. Wir wissen ja, wie US-Präsident Trump vor kurzem drohte, die Türkei ‚mit Wirtschaftssanktionen zu vernichten‘. Wäre Washington zu einem solchen Schritt fähig? Wenn es sich in die Enge getrieben fühlt, dann wäre das möglich. Die Türkei muss ihrerseits Vorbeugungsmaßnahmen ergreifen, um eine solche Entwicklung der Situation zu verhindern.“ Der General verwies darauf, dass die Nato in dieser Frage auf einer umstrittenen Position stehe. Denn die ursprünglichen Ziele und Aufgaben der Allianz seien ganz anders als die, die sie jetzt verfolge. „Die wichtigsten Nato-Mitglieder wie Deutschland und Frankreich rufen zur Bildung von Streitkräften auf, die für die Verteidigung ihrer Interessen gegen die USA nötig wären. Die Türkei muss diese schwere Zeit mit minimalen Verlusten überwinden.“

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    Eslen zufolge setzt Washington Ankara unter Druck, weil es die Türkei in seinem Einflussraum beibehalten will. „Die Amerikaner wollen nicht zulassen, dass die Türkei im Kontext der Entstehung einer neuen Weltordnung außer Kontrolle gerät. Deshalb setzt es Ankara systematisch unter Druck. Die USA betrachten den Kauf russischer Raketensysteme als Austritt der Türkei aus dem Atlantischen System und aus ihrem Einflussgebiet – und versuchen, das zu verhindern. Aber die Türkei als souveräner und unabhängiger Staat hat ihre Entscheidung getroffen, indem sie von ihren eigenen nationalen Interessen ausging, und ist entschlossen, das Abkommen zum Kauf der S-400-Raketen zu erfüllen.“ Diese Position Ankaras müssten andere Länder auch respektieren, so der hochrangige Militär. Die S-400-Komplexe seien für die Verteidigung der nationalen Interessen nötig.

    Gleichzeitig verwies der General darauf, dass die USA in Syrien Elemente unterstützen, die für die Türkei „unmittelbar gefährlich“ seien. „Amerika bezeichnet terroristische Elemente, die eine große Gefahr für die Sicherheit der Türkei sind, als seine ‚Bodentruppen‘. Dadurch werden die USA für uns zu einem Teil der Gefahr, die vom syrischen Territorium ausgeht. Unter diesen Bedingungen muss die Türkei rationale Schritte zwecks Festigung ihrer Sicherheit unternehmen. Und Washington verliert inzwischen wegen seiner harten Politik der Drohungen und des Drucks allmählich seine traditionellen Verbündeten. Die Türkei ist Nato-Mitglied, und die USA sollten ihre Entscheidungen respektieren. Und der Druck provoziert nur eine weitere Annäherung der Türkei an den eurasischen Block. Aber Washington scheint das nicht zu verstehen“, so General Eslen.

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    Tags:
    Sicherheit, Waffenhandel, Druck, Abkommen, S-400, Donald Trump, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, USA, Türkei