03:00 27 Juni 2019
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    Matthias Schepp, Vorstandsvorsitzender, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (Archivbild)

    AHK Russland zu Nord Stream 2: „Deutschland ist nicht der 51. Bundestaat der USA“

    © Foto: DIHK / Jens Schicke
    Politik
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    Armin Siebert
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    Im Rahmen der Russlandkonferenz am 21. Februar in Berlin hat die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK Russland) ein Positionspapier zur Erdgaspipeline Nord Stream 2 vorgestellt. Die AHK plädiert für die planmäßige Umsetzung des Projektes und kritisierte den Druck aus den USA.

    Der Vorstandschef der AHK Russland, Matthias Schepp, fand drastische Worte, um den Druck der USA in Bezug auf die Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 zu beschreiben:

    „In Fragen seiner Energieversorgung darf sich Deutschland nicht dem Diktat oder Einfluss anderer Mächte unterwerfen, egal ob es dabei um Russland oder Amerika geht. Deutschland ist nicht der 51. Bundestaat der USA.“ erklärte AHK-Chef Schepp. Insgesamt hätte der Diskurs um die Ostseepipeline eine politische Brisanz entwickelt, die auf sachlicher und wirtschaftlicher Ebene nicht nachvollziehbar sei, ergänzte der ehemalige Moskau-Korrespondent des „Spiegel“.

    Nord Stream 2 schafft europaweit 30.000 Arbeitsplätze

    Die AHK Russland hat auf der Russlandkonferenz ein Positionspapier vorgestellt, in dem sie Nord Stream 2 unterstützt und auch auf  die Bedeutung der Ostsee-Pipeline für den Mittelstand hinweist. An dem Projekt sind rund 670 europäische Unternehmen aus den Bereichen Bauwirtschaft, Stahlindustrie, Verkehr, Logistik, Ingenieurwesen, Umwelt sowie Projekt- und Qualitätsmanagement beteiligt.

    „Etwa 350 dieser Firmen, die direkt für Nord Stream 2 arbeiten, sind Mittelständler, die Hunderte weitere, mittelständische Firmen als lokale Zulieferer und Dienstleister beauftragt haben“, heißt es in dem Positionspapier.

    Das derzeit größte Infrastrukturprojekt der EU habe europaweit 30.000 Arbeitsplätze geschaffen.

    Auch die Strompreise sinken durch Nord Stream 2

    Auch die Energie-Tarife der deutschen Industrie sind indirekt an die Pipeline gekoppelt. Der Standort Deutschland hat bereits heute die höchsten Stromkosten für mittelständische Industriebetriebe, die zusätzlichen Lieferkapazitäten von Gas über die Ostsee-Pipeline werden sich positiv auf die Strompreise für Privatkonsumenten und Unternehmen auswirken.

    Anwendung der EU-Gas-Richtlinie rückwirkend möglich?

    An dem Projekt mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 9,5 Mrd. Euro sind der russische Gaskonzern Gazprom beteiligt sowie fünf europäische Energiekonzerne mit jeweils 950 Mio. Euro: Wintershall und Uniper aus Deutschland, OMV aus Österreich, Royal Dutch Shell aus den Niederlanden und Großbritannien sowie Engie aus Frankreich.

    „Der Erdgas-Importbedarf Europas wird künftig steigen. Gründe dafür sind vor allem die rückläufige Eigenproduktion in Europa, aber auch der Kohleausstieg in Deutschland“, sagte Rainer Seele, Präsident der AHK Russland und Vorstandschef des österreichischen Energiekonzerns OMV. „Um in Zukunft Versorgungssicherheit zu gewährleisten und günstige Energiepreise sicherzustellen, sind zusätzliche Transportkapazitäten sowie eine Diversifizierung der Transportrouten notwendig. Die Versorgung mit kostengünstigem Pipelinegas ist eine wesentliche Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie. Aus diesem Grund ist Nord Stream 2 für Europa ein äußerst wichtiges Projekt.“

    Zu den Auswirkungen der geplanten Modifizierung der EU-Gas-Richtlinie auf Nord Stream 2 äußerte Seele, dass ihm das finale Dokument der EU dazu noch nicht vorliege. Dies werde dann juristisch geprüft werden. Seele könne sich aber nicht vorstellen, dass so eine Gesetzesänderung rückwirkend auf die bereits bestehenden Verträge zu Nord Stream 2 angewendet werden könne.

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    Nach seiner Fertigstellung soll Nord Stream 2 über 1220 Kilometer durch die Ostsee führen. Ab Ende 2019 sollen darüber 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr aus Russland nach Deutschland fließen.

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    Tags:
    US-Sanktionen, Baustopp, Druck, Gaslieferungen, Gaspipeline, Erdgas, Nord Stream 2, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), AHK, EU, Gazprom, Matthias Schepp, Maxim Oreschkin, Europa, Berlin, Deutschland, USA, Russland