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21:39 18 August 2019
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    Bundeswehr-Soldat während der Übungen (Archiv)

    Werden Diplomaten die Welt vom Krieg abhalten können?

    © AFP 2019 / CHRISTOF STACHE
    Politik
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    Natalia Pawlowa
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    Diplomaten und Politikwissenschaftler haben am runden Tisch in der Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya die Aufgaben der Diplomatie im 21. Jahrhundert besprochen.

    Von einem treffenden oder einem unangebrachten Wort des Diplomaten hänge manchmal das Schicksal eines Landes ab. Es hänge auch von seinen persönlichen Eigenschaften, seinen Interessen, Gefühlen und Erlebnissen ab, sagten die Teilnehmer der Diskussion.

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    Im Zusammenhang mit dem Tag des diplomatischen Dienstes gedachten die Kollegen herausragender Diplomaten, die einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung der internationalen Beziehungen geleistet haben: des ehemaligen Botschafters der Sowjetunion in der Bundesrepublik Deutschland, des Journalisten Walentin Falin; des Ständigen Vertreters Russlands bei den Vereinten Nationen, Witali Tschurkin; des russischen Botschafters in der Türkei, Andrej Karlow, der während der Eröffnung des russischen Kulturzentrums in Ankara erschossen wurde; des Gesandten der russischen Botschaft in Kiew, Andrej Worobjow, dessen Herz die ständige Spannung nicht aushalten konnte.

    Der russische Botschafter in Deutschland (2010—2018), Wladimir Grinin, sprach das Thema der gegenwärtigen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland an. Er äußerte die Hoffnung auf ihre Erweiterung, insbesondere in den Bereichen, die sowohl für die Russen als auch für die Deutschen von Interesse sind. Darunter nannte er solche Bereiche wie die Kultur, die wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit sowie die Medizin. Das werde nach der Meinung des Botschafters einen positiven Einfluss auf die Politik haben.

    Nach den Worten von Wladimir Grinin bestehe die Arbeit eines Diplomaten nicht nur in der Erfüllung der Anweisungen von oben. Er dachte daran zurück, wie er an den sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen über Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite in Genf beteiligt gewesen hatte. Die sowjetische Delegation sei von Juli Kwizinski geleitet worden. Das sei 1982 gewesen, die Verhandlungen über Atomraketen haben damals nicht vom Fleck kommen wollen.

    „Die Verhandlungen standen auf der Kippe. Da lud Kwizinski seinen US-Kollegen Paul Nitze zu einem Waldspaziergang ein. Sie gingen aber nicht weit, setzten sich auf eine Strohmiete und sprachen lange darüber, wie man aus dem Dilemma herauskommen könne. Und sie haben vereinbart, je 75 Raketen zu behalten und alle übrigen zu vernichten“, erinnerte Grinin.

    Später wurden diese Verhandlungen als Waldspaziergang bezeichnet. Aber die Initiative für einen umfassenden gegenseitigen Rüstungsabbau habe jedoch zu nichts geführt. Als man in Washington vom Kompromiss erfahren habe, hätten die Konservativen viel Wirbel darum gemacht, was zur beiderseitigen Aufhebung der Vereinbarungen geführt habe.

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    Der Vizepräsident der Internationalen Gesellschaft „Russland—Deutschland“, Michail Logwinow, gab zu, dass sein ganzes Leben mit Deutschland verbunden sei. Er habe dreimal in Bonn gearbeitet, im Münchner Konsulat und sei während des Mauerfalls Sprecher der sowjetischen Botschaft in Berlin gewesen.

    „Die Wiedervereinigung Deutschlands hätte anders passieren können, wenn man auf die Empfehlungen dieser geistigen Größe, des Germanisten Walentin Falin, geachtet hätte. Der provinzielle Politiker Michail Gorbatschow war der Meinung, dass je großzügiger wir sind, desto besser werden sich die Deutschen uns gegenüber verhalten. Aber im Endergebnis haben sowohl unser Land als auch unsere Verbündeten, die DDR, große Verluste erlitten“, bedauerte Logwinow.

    Die Bemühungen der Diplomaten werden demnach von den Staatschefs nicht immer gebührend eingeschätzt. Deswegen legte der Diplomat und Publizist Michail Demurin den Schwerpunkt darauf, ein kluges Staatsoberhaupt zu haben, das auf seine Berater hören würde. Ohne einen Souverän und ohne die Souveränität könne es keine richtige Diplomatie im 21. Jahrhundert geben, meint Demurin.

    „Präsident Putin sagt, dass wir keine Welt brauchen, wenn es dort kein Russland geben wird, und er hat Recht. Er hat Recht in dem Sinne, dass man seinen Willen demonstrieren muss, falls man tatsächlich seine Souveränität schützen muss. Die Frage ist nicht, wie viele Waffen man hat. Die Frage ist, wie viel Willen man hat, diese Waffen einzusetzen.“

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    Tags:
    Krieg, Beziehungen, INF-Vertrag, Wladimir Putin, Wladimir Grinin, DDR, UdSSR, Russland, Deutschland