SNA Radio
    Die Insel Shikotan

    Putins Beauftragter wird deutlich: Es geht nicht um Insel-Übergabe an Japan

    © Sputnik / Yury Kaver
    Politik
    Zum Kurzlink
    62916
    Abonnieren

    Nach Gerüchten über eine angeblich erwogene Rückgabe der Südkurilen an Japan macht Kreml-Beauftragter Sergej Iwanow beim Besuch in der Region eine klare Ansage: Die Zugehörigkeit der Inseln sei kein Gegenstand der Verhandlungen mit Tokio.

    Russland verhandle mit Japan über den Abschluss eines Friedensvertrags, nicht über eine Übergabe von Inseln, sagte Iwanow, einst russischer Verteidigungsminister, am Dienstag während seiner Südkurilen-Reise. Auf der Insel Schikotan nahm er an der feierlichen Inbetriebnahme eines Seekabels teil, das den Einheimischen den Zugang zum Breitbandinternet ermöglichen soll.

    „Das so genannte Territorialproblem gibt es in Japan, nicht bei uns“, betonte Iwanow (66) vor Journalisten. Medienberichte, dass beide Staaten über eine Insel-Übergabe verhandeln würden, wies er als Spekulation zurück:

    „Dahinter steckt gar nichts. Ich versichere Ihnen: In Wirklichkeit hat es keine Verhandlungen über eine Übergabe gegeben, nicht im Geringsten.“

    Dass es zwischen Russland und Japan seit dem Zweiten Weltkrieg noch immer keinen Friedensvertrag gibt, sei zwar nicht gut, aber keine Katastrophe: Schließlich kämen beide Staaten seit mehr als 70 Jahren ohne einen Vertrag aus, würden dabei diplomatische Beziehungen unterhalten und in Handel, Wirtschaft und bei Investitionen zusammenarbeiten.

    Russland sei weiter bereit, über den Abschluss eines Friedensvertrags zu verhandeln, der gute und freundschaftliche Beziehungen zwischen den Unterzeichnern voraussetze, sagte Iwanow. Dabei verwies er darauf, dass es in Japan „40 amerikanische Militärobjekte“ gebe.

    Die Kurilen sind eine etwa 1200 Kilometer lange Ansammlung von mehr als 30 großen und kleinen Inseln. Sie liegen zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der gesamte Inselbogen an die Sowjetunion. Japan hält die südlichen Kurilen-Inseln Iturup, Kunaschir, Schikotan und die Inselgruppe Habomai für unrechtmäßig besetzt und fordert deren Rückgabe.

    Aus diesem Grund gibt es zwischen Russland und Japan seit dem Zweiten Weltkrieg immer noch keinen Friedensvertrag. Stattdessen unterzeichneten beide Staaten 1956 eine gemeinsame Deklaration, mit der der Kriegszustand beendet wurde. Darin erklärte sich die damalige Sowjetunion bereit, im Falle eines Friedensvertrages die Inseln Schikotan sowie die Habomai-Gruppe an Japan zu übertragen. Doch Japan fordert alle vier Inseln zurück und beruft sich dabei auf einen bilateralen Handels- und Grenzvertrag von 1855, in dem diese Inseln als japanisch anerkannt worden waren.

    Den Verhandlungen wurde im September 2018 neuer Schwung verliehen, als der russische Präsident Wladimir Putin dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe auf dem Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok anbot, einen Friedensvertrag ohne Vorbedingungen abzuschließen und sich erst danach um die Beilegung des Inselstreits zu bemühen.

    Die Regierung in Tokio lehnte das Angebot zwar ab, Premier Shinzo Abe kündigte jedoch eine neue Ära der Beziehungen zu Russland an.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Shinzō Abe, Sergej Iwanow, Wladimir Putin, Habomai, Schikotan, Iturup, Kurilen, Russland